21.09.2008 von Detlef Guertler
Wolfgang Hömig-Groß macht mich auf den Engelskreis aufmerksam, der ihm auf einer Seite über den Weg lief, auf der begründet wurde, dass ein höherer Anteil an Radfahrern im Straßenverkehr zu einer geringeren Unfallgefahr für Radfahrer und damit zu einem höheren Anteil von Radfahrern führt.
Nun kann ich den Engelskreis zwar nicht als Neuwort anerkennen: Ich selbst habe ihn das erste Mal 1991 von Klaus Woltron gehört, dem damaligen Generaldirektor von ABB Österreich, der sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs offenkundig schon mit dem Gedanken an das von ihm 1992 im Orac-Verlag veröffentlichte Buch “Der Wald, die Bäume und dazwischen” trug. Dieses Buch (Word-Fassung) “soll Wege zeigen, wie man aus Teufelskreisen Engelskreise machen kann”. Und sogar im Wikipedia-Eintrag zum Teufelskreis taucht der Engelskreis mit auf.
Aber trotzdem stellt sich die Frage, warum jeder den Teufelskreis kennt, und kaum einer den Engelskreis? Warum es 1,25… weiter lesen
21.09.2008 von Detlef Guertler
In den USA versuchen noch vereinzelte kluge Menschen zu verhindern, dass George Bush mit der Wirtschaft jetzt das macht, was er nach dem 11. September mit der Gesellschaft gemacht hat: Scheinbar in atemloser Eile gestrickte Institutionen sprechen vom Wohl des amerikanischen Volkes, meinen die Interessen einer extrem schmalen Elite, und lassen den Rest der Welt die Rechnung zahlen. Wir können nur viel Glück bei der Opposition gegen die Paulson-Bush-Vorschläge wünschen – angesichts der mega-düsteren ökonomischen Perspektive für das Abendland und für die ganze Welt in den kommenden Jahren wäre es für alle Beteiligten sehr hilfreich, die USA als berechenbaren Partner mit dabei zu haben. Und nicht als wild um sich schießenden Desperado.
Wortistisch interessant dürfte dabei werden, wie sich der Name dieser Wirtschaftskrise im Zuge der Verschärfung wandelt. Angefangen hatte das Ganze ja vor gut einem Jahr als Subprime-Krise oder auch US-Immobilienkrise.… weiter lesen
20.09.2008 von Detlef Guertler
von polyphem:
So könnten wir doch tendenziöse Negativmeinungsbildung bzw. Berichterstattung nennen. Zur Zeit wäre es ja vielleicht Realismus. Realisten sind Pessimisten? Zu “meinem Neuwort” gibt es bei Google schon 17 Treffer. Ob auch vertippter Pessimismus dabei ist, habe ich nicht geprüft.
19.09.2008 von Detlef Guertler
Dass ich hier einmal Norbert Walter als Neuwortschöpfer aufnehmen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Und dann noch mit einem Begriff, der nun gar nichts mit seinem Hauptjob als Chefvolkswirt der Deutschen Bank zu tun hat. Aber dann schaute ich gestern abend kurz im ZDF bei Maybritt Illner vorbei, und da beklagte Walter völlig zurecht, dass viel zu viele Kinder von ihren Eltern regelmäßig vor Fernseher und/oder Spielkonsole geparkt, also allein gelassen würden – und nannte diese Kinder dann “Alleinkinder”.
Und dafür: Hut ab. Denn damit setzt Walter einen gelungenen Kontrapunkt zur ewigen Jammerei über die bedauernswerten Einzelkinder, die mangels Geschwistern gar nicht mehr soziales Verhalten lernen könnten – denn mindestens so wichtig wie der Umgang mit anderen Kindern ist für die Entwicklung von Kindern der Umgang mit den Eltern; oder Großeltern oder Patchworkvätern oder was es sonst gerade so an erwachsenen Bezugspersonen gibt. Wenn Kinder kein soziales… weiter lesen
18.09.2008 von Detlef Guertler
Nein, werte Frau Angela Göpfert von der ARD-Onlineredaktion, so geht das nicht. Also rein handwerklich: Wenn Sie die Überschrift “SEC will “Börsenwahnsinn” stoppen” machen wollen, geht das nur, wenn tatsächlich die US-Börsenaufsicht SEC etwas von sich gegeben hat, das man auf deutsch guten Gewissens mit “Börsenwahnsinn” übersetzen könnte. In Ihrem Text findet sich aber kein einziges Zitat der SEC – dafür aber der Titel einer UBS-Analystenstudie: “Stoppt den Wahnsinn.”
Richtig wäre also als Überschrift gewesen: “UBS will “Börsenwahnsinn” stoppen” – aber das wiederum wäre nicht gerade originell, denn natürlich wollen immer die, die gerade am meisten an der Börse geprügelt werden, dass das wieder aufhört. Auch die Überschrift “SEC will Börsenwahnsinn stoppen” ginge natürlich, denn was da gerade passiert, ist ziemlich wahnsinnig (und hat doch Methode), und zumindest einbremsen würde die SEC es gerne. Aber das Wort Börsenwahnsinn hat sie nicht erfunden.
Die UBS aber auch nicht. Sondern… weiter lesen
18.09.2008 von Detlef Guertler
Wenn ein Unternehmen nicht mehr weiter weiß, aber irgendwie überleben möchte (verständlich) oder muss (wie bei schiefliegenden Sparkassen), dann verkauft es eben alles, was es noch hat, am Ende auch sich selbst, und wenn das Management das nicht hinbekommt, dann eben der Eigentümer.
Im Deutschen gibt es dafür zwei gebräuchliche Begriffe:
Notverkauf – 185.000 Google-Treffer (natürlich auch für Notverkäufe bei Privatpersonen), und
Zwangsfusion -6.590 Google-Treffer
Der Zwangsverkauf bringt es nicht einmal auf ein Zehntel des Notverkaufs, vermutlich weil zu nahe an der Zwangsversteigerung, und umgekehrt schafft es die Notfusion gerade mal auf 98 Treffer.
Und die sind fast alle aus dieser Woche.
Und betreffen die heißnadelgestrickten Zusammenschlüsse vorwiegend angelsächsischer Finanzinstitute: Am Montag Merrill Lynch und Bank of America, am Mittwoch Lloyds TSB und HBOS, heute Morgan Stanley und Wachovia, aber weil das zwei Fußkranke sind, könnte der Deal… weiter lesen
14.09.2008 von Detlef Guertler
Oh Scheiße, ist das peinlich:
“Uns stellte sich die keineswegs nahe liegende Frage, wie es zu nennen sei, wenn während des Schnarchens an einer anderen Stelle des Körpers Luft entwiche, unfreundlich als “furzen” oder verniedlicht als “pupsen” bezeichnet. Beides beklagenswert unschöne Beschreibungen für diesen völlig unbeabsichtigten, oft geräuschlosen, laut nur allein lustvoll ausgeübten allzu menschlichen Vorgang.
Ohne auf die Albereien beim Wortfindungsprozess näher einzugehen: Wir haben uns für den unwahrscheinlichen Fall der Dualität der beschriebenen Ereignisse auf die Bezeichnung “purchen” geeinigt. Ein Wort, das sich nicht zwingend ergibt, aber der Sache die Peinlichkeit nimmt.”
Und das in einer sich immer noch als progressiv-überregional verstehenden Tageszeitung! Und das von einer Autorin, die von 1998 bis 2002 zweite stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung gewesen sein will! Da eben jene Charima Reinhardt auch mit all ihren fantasiebegabten Freunden, mit denen sie in entspannter Stimmung auf einem idyllischen Fleckchen Erde in Italien in… weiter lesen
14.09.2008 von Detlef Guertler
Sieht ziemlich unschuldig aus, dieses Wort. Ein bisschen wie ein thailändischer Frauenname, oder wie das angeslangte Gerundium des englischen Verbs to bail, bürgen – bailin’ all over the world, yeah.
Diese Unschuld verliert es aber schlagartig, wenn man es mit seinem großen, wesentlich bekannteren Bruder zusammenbringt, dem Bailout. Bailout ist ein Notverkauf, ein (oft staatlich finanziertes) Herauspauken eines Unternehmens oder eines Schuldners aus einer ausweglosen Situation – so in diesem Jahr geschehen in den USA bei Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac, und in Deutschland bei der Düsseldorfer Dummbank IKB. Beim Bailout wird jemand von einer Last befreit; beim Bailin übernimmt er eine solche.
Üblicherweise übernimmt im real existierenden Kapitalismus mit privatisierten Gewinnen und sozialisierten Verlusten ein solches Bailin der Staat bzw. der Steuerzahler. Dann ist es einfach nur der Kehrwert zum Bailout: Um jemand anderem eine Last abzunehmen, muss eben die Allgemeinheit diese Last schultern. Aber in der… weiter lesen
12.09.2008 von Detlef Guertler
Gerade hatten sich auch die Vorletzten damit angefreundet, dass die Übernahme von VW durch die Porsche AG beschlossene Sache ist, da macht Ferdinand Piech klar, dass in Wolfsburg weder Porsche-Funktionäre noch ebensolche Nachnamenträger etwas zu sagen haben. Sein Wille geschehe, wie im VW-Vorstand so auch im Aufsichtsrat.
Während die ersten Kommentare noch lahm von einem Warnschuss für Wendelin Wiedeking reden oder hilflos nach Motiven für Piechs Stimmenthaltung im VW-Aufsichtsrat suchen, dürfte sich übers Wochenende jene Entwicklung verfestigen, die im nachhinein als die Entporschung des VW-Konzerns bezeichnet werden kann. VW und Porsche, seit Jahrzehnten durch gemeinsame Gene sowie Herkunft und unterschiedliche Aufgaben sowie Besitzverhältnisse siamesisch verbunden und getrennt, könnten sich am Ende in zwei sauber voneinander getrennte Unternehmen verwandeln. Verteilungsmasse ist schon länger genügend vorhanden – und seit heute auch ein Trennungsgrund.
11.09.2008 von Detlef Guertler
Okay, das ist nicht wirklich ein Wort, sondern ein Begriff – aber einer, dem der Wortist eine weitestmögliche Verbreitung in den kommenden Monaten wünscht. Denn angesichts weiter abschmierender Konjunkturen, Bankbilanzen und Immobilienpreise und rapide steigender Zahlen für Arbeitslosigkeit, Konkurse und Zwangsversteigerungen in den USA wird der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain alles tun, um auf möglichst große Distanz zu Noch-Präsident Bush zu gehen. Das wäre dann zwar gelogen, aber dafür ist ja Wahlkampf.
Je intensiver also McCain in Bush-Nähe gebracht wird, desto schlechter seine Wahlchancen. Und dafür passt “Bush 3.0″ hervorragend. In deutschen Medien wurde dieser Begriff bislang noch nicht gesichtet, in den USA schon etwas häufiger. Die erste Nennung dieses Begriffs, die ich gefunden habe, stammt dabei allerdings nicht aus dem aktuellen Wahlkampf, sondern von Anfang 2004, als Mark Fiore bei salon.com einen immer noch sehenswerten Cartoon so betitelte.
Ganz nebenbei: Schon Bush 2.0… weiter lesen