Archive for Oktober, 2008

31.10.2008 von Detlef Guertler
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D-Bomben

von Detlef Guertler

Wie oft wurde schon Kapitalisten-Legende Warren Buffett mit seinem sechs Jahre alten Satz zitiert, dass es sich bei Derivaten um “finanzielle Massenvernichtungswaffen” handelt? Für Buffett Massenvernichtungswaffen findet Google 3600 Treffer, für Buffett “weapons of mass destruction” sind es mehr als 100.000 Treffer. Die wortistisch logische Konsequenz, derivative Finanzinstrumente deshalb D-Bomben zu nennen, ist hingegen bislang nur ganz, ganz vereinzelt gezogen worden. Von William Cate beispielsweise, der mutmaßlich im November 2007 Hedge-Fonds vorgeworfen hat, mit D-Bomben zu zündeln.

Spätestens nach dem Short-Squeeze in VW-Aktien, der Anfang dieser Woche nach Schätzung des Daily Telegraphs den Hedge-Fonds 30 Milliarden Euro Verlust eingebracht hat, dürfte sich die D-Bomben-Einschätzung auch in der Branche langsam herumsprechen. Und in der Normalsprache könnte es auch bald so weit sein, schließlich ist damit zu rechnen, dass im weiteren Verlauf der Subprime-Kredit-Finanz-Weltfinanz-Weltwirtschaftskrise noch weitere Optionen-, Swap- und Futures-Märkte im- oder… weiter lesen

30.10.2008 von Detlef Guertler
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Verbalgemüse

von Detlef Guertler

Gerade wollte ich Klaus Jarchow für die knackfrische Verwendung des ebenso knackfrischen Wortes Verbalgemüse in der Medienlese loben, da muss ich feststellen: Genau das nämliche Wort ist schon leicht angestoßen, nämlich bereits vor einer Woche einer Tastatur entsprungen - der von Klaus Jarchow, diesmal auf seinem Stilstand.

Lieber Herr Jarchow: Ich gebe zu, ich hätte das schon vor einer Woche bemerken sollen. Aber nicht nur mein Tagewerk wäre einfacher, wenn Sie mir bei frisch erfundenen Neuwörtern gelegentlich einen kleinen Hinweis zukommen ließen, sondern auch Ihres – Sie müssten dann keine Listen mehr führen, welche ihrer Neuwörter noch von der Weltpresse unbemerkt sind, um diese bei nächster Gelegenheit erneut zu Markte zu schreiben.

29.10.2008 von Detlef Guertler
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Bänker

von Detlef Guertler

Als ich heute mit drei Wochen Verspätung (sorry, zu viel Finanzkrise um die Ohren) bemerkte, dass die Aktioneure des Lebendigen Deutschs vorgeschlagen haben, den Banker durch den Bänker zu ersetzen, war ich sicher, dieses Wort doch schon längst so benutzt zu haben – vielleicht auch schon als eigenen Wortvorschlag an dieser Stelle. Aber nein: Es gab keinen einzigen Beleg dafür, dass ich irgendwo den Bänker schon so geschrieben hätte, wie man ihn ausspricht. Nur gandalf349 hat in seiner Rezension zu meinem Buch “Vorbild Deutschland” (das jetzt noch viel aktueller ist als bei Erstveröffentlichung 2003) diesen Begriff als Selbstbeschreibung benutzt. Asche auf mein Haupt, ich werde ab sofort den Bänker immer mit Umlaut schreiben. Und herzlichen Dank an die Aktioneure. Und an Anatol Stefanowitsch, der sich ebenfalls für die Bänker erwärmen kann.

28.10.2008 von Detlef Guertler
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Neuronenfasching

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes

„Neuronenfasching” – nein, du dummes ‚Googerl’: nicht. Neuronforschung! – hat der psycho – und chemilogisch versierte taz-Wahrheitsforscher MICHAEL GÜCKEL (warum heißt der nicht Glückel?) erst- und bisher einmalig nominalisiert.

Einigen Lesern ist das als Selbstbegückel-, pardon: -beglückung schon aufgefallen.

Das Zuckerl-Stückerl handelt von dem Wuppertaler S. Holm Feelgood, der keinerleid Missempfindungen erfährt, ein Anti-Woody.
Wenn das per Gentest nachweisbar wird, können die Highspeed-Banker noch mancherlei Un-SINN erfinden; es würde auch den Zentralräten aller Ethinien, Religionen, Aufsichtsräten und Regierungen aller Bildungsrepubliken nicht mehr auffallen.

Wie hatten wir es doch so lumpig-plumpig bisher:

Wir mussten es treiben, wie es der Aufklärer Lessing uns zügig vorleerte, äh: in Versen lehrte:

Ein trunkner Dichter leerte
Sein Glas auf jeden Zug;
Ihn warnte sein Gefährte:
Hör’ auf! du hast genug.
Bereit, vom Stuhl zu sinken,
Sprach der: Du bist nicht klug;
Z u… weiter lesen

27.10.2008 von Detlef Guertler
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Postbankert

von Detlef Guertler

Wenn ich Klaus Jarchow folge, was ich bisweilen sehr gerne tue, kann man Bankert als “Synonym für den gemeinen neoliberalen Gierschlund” verwenden. Dann wäre ein Postbankert also ein gemeiner neoliberaler Gierschlund bei der Postbank. Aus aktuellem Anlass begeben wir uns auf die Suche nach Postbankerts, und zwar dort, wo noch kein Analyst nachgeschaut hat, wo man aber mitten im Zentrum des Sturms sein dürfte: in den USA. Bei der PB Capital Corporation, der 2001 von der BHF-Bank übernommenen US-Tochter der Postbank.

Vielleicht war ja Thomas Leissl, der langjährige Managing Director von PB Capital, ein Postbankert. In seiner Amtszeit wurden die Investments des Unternehmens schließlich stark auf Bereiche konzentriert, die heute schon bei der Nennung Bauchschmerzen verursachen: Im Herbst 2006 waren von den mehr als 7 Mrd. Dollar “Assets” von PB Capital 30 Prozent Commercial Real Estate Lending (durchschnittliche Bonität BB+), 43 Prozent Corporate and… weiter lesen

26.10.2008 von Detlef Guertler
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Weltfinanzmarktordnung

von Detlef Guertler

“Wir brauchen eine neue Weltfinanzmarktordnung”, sagt Niedersachsen-Wulff gerade bei Anne Will. Und diesen Begriff hat er so gut wie erfunden – ganze sechs Google-Treffer bisher. Die “Weltfinanzordnung” bringt es auf mehr als 4000 Treffer, die “Finanzmarktordnung” auf knapp 2000, die “Weltmarktordnung” auf 258 (Süß die Frage von Google: “Meinten Sie Flohmarktordnung?”), die “Weltkapitalmarktordnung” auf einen Treffer, und noch völlig jungfräulich sind die “Weltmarktfinanzordnung” und die “Weltkapitalordnung”.

Wulffs Begriff enthält immerhin die Behauptung, dass es auch in Zukunft einen Weltfinanzmarkt geben wird, der geordnet werden muss. Das ist reichlich optimistisch in einer Zeit, in der es eine Währung nach der anderen zerbröselt, ein Land nach dem anderen insolvent wird und das einzige wachstumsträchtige Segment des Welthandels der Tauschhandel sein dürfte. “Weltfinanzordnung” wäre deshalb allemal die sicherere Aussage. Aber vielleicht weiß Wulff ja mehr als wir…

25.10.2008 von Detlef Guertler
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Stagdeflation

von Detlef Guertler

Nein, natürlich hat Nouriel Roubini nicht von mir abgeschrieben, als er im Januar 2008 prognostizierte, dass der ölpreis wieder auf 60 Dollar pro Barrel sinken würde – ich hatte ja Silvester 2007 auch von einem Rückgang auf 50 Dollar je Barrel geschrieben.

Als Roubini damals im selben Beitrag von Stag-Deflation schrieb, hatte ich mir lange überlegt, ob ich das als Neuwort hier aufführen sollte. Ich hatte mich dann dagegen entschieden – weil das Wort “Deflation” völlig ausreicht: Eine deflationäre Entwicklung, die mit ordentlichem Wirtschaftswachstum einhergeht, war und ist mir nicht vorstellbar, Deflation, also sinkende Preise, sind vielleicht nicht theoretisch, aber praktisch immer mit Stagnation oder Rezession verbunden.

Jetzt hat Roubini diesen Begriff wieder ausgegraben; und er ist noch unangebrachter als im Januar. Denn jetzt ist ja wohl klar, dass von ökonomischer Stagnation vielleicht in China oder Indien die Rede sein kann, während der Rest… weiter lesen

24.10.2008 von Detlef Guertler
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Nebenwitwer

von Detlef Guertler

Eine hübsche Wortschöpfung von taz-Kollege Robert Misik. Während die Nebenwitwe vereinzelt schon für die Rolle der Geliebten eines Verblichenen verwendet wurde, hat ein selbige Rolle spielender Geliebter bisher kein eigenes Wort für sich gehabt. Jetzt darf man ihn wie Haiderfreund Stefan Petzner Nebenwitwer nennen.

Was überhaupt die Frage aufwirft, warum die Vielfalt der Patchwork-Familien noch keine Entsprechung in einer Vielfalt von Witwen und Witwern gefunden hat. Den Hauptwitwer gibt es noch gar nicht, obwohl er doch neben (oder über) dem Nebenwitwer durchaus vorkommen könnte, auch für die Hauptwitwe nur ein Google-Treffer bisher. Den Unterwitwer sucht man ebenso vergebens wie die Unterwitwe, wogegen es zwar keine Zweitwitwer, aber immerhin vier Treffer für die Zweitwitwe gibt. Der Slogan “Neue Witwer braucht das Land” wäre nun zwar übertrieben, aber für “neue Witwerwörter” ließe sich das durchaus so sagen.

Übrigens: Zweitwitwe dürfte das einzige Wort der deutschen Sprache… weiter lesen

23.10.2008 von Detlef Guertler
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Nacktscanner

von Detlef Guertler

Riesen-Aufregung um neue Sicherheitstechnik am Flughafen – vermutlich nur, weil jene Geräte, die früher noch “Personal Security Scan” hießen, jetzt als “Nacktscanner” bezeichnet werden. Das macht sich sowohl bei Blogs als auch bei Zeitungen hervorragend als Blickfang in der Schlagzeile, und wird deshalb dutzend- bis tausendfach hochgezogen. Und weil es sich um eine treffende Beschreibung der Verfahrensweise dieser Geräte geht, auch völlig verdient.

Der erste von mir gefundene Treffer für den Nacktscanner stammt übrigens aus dem Februar 2008 aus dem Schweizer Gratisblättchen “20 Minuten”. In der Blogosphäre tauchte das Wort laut Technorati übrigens vor neun Tagen das erste Mal auf. Bei spiegel.de wurde im Jahr 2004 schon mal darüber berichtet, wobei die Bindestrichvariante “Nackt-Scanner” verwendet wurde, allerdings mehrere Absätze nach dem offensichtlich vom Schreiber favorisierten “Intim-Scanner”, der aber genauso schräg ist wie der “Strip-Scanner”, von dem ebenfalls spiegel.de im Februar 2008 schrieb.

22.10.2008 von Detlef Guertler
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Adoptivsprache

von Detlef Guertler

Asche auf das Haupt des Wortisten, dass er Ende Januar nicht mitbekommen hatte, was eine gesamteuropäische Intellektuellengruppe unter Leitung von Amin Maalouf zum Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs der EU-Kommission vorschlug:

Die EU sollte das Konzept einer persönlichen Adoptivsprache fördern, die als zweite Muttersprache jedes Lernwilligen in der EU zu betrachten wäre. Sie sollte fester Bestandteil der Schul- und Hochschulbildung sowie des Berufslebens sein und Aspekte wie Geschichte, Kultur und Literatur eng einbeziehen. Bei dieser Adoptivsprache würde es sich nicht um die Sprache handeln, die normalerweise für die internationale Kommunikation benutzt wird.

Musste der Wortist erst gestern in Berlin zur Eröffnung des Studienkollegs von Studienstiftung des Deutschen Volkes und Hertie-Stiftung gehen, um im Vortrag des scheidenden Rektors Jürgen Trabant auf diesen Begriff gestoßen zu werden. Das wäre wirklich eine großartige Sache: Wenn Kindern nicht das immer gleiche Englisch eingetrichtert wird (womit man für teuer Geld in… weiter lesen