Archive for Dezember, 2008

31.12.2008 von Detlef Guertler
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soziale Weltmarktwirtschaft

von Detlef Guertler

Eigentlich sollten Weihnachts- und Neujahrsansprachen ja getragen-besinnlich daherkommen. Nur ja nichts, was die festtägliche Stimmung und Verdauung stören könnte! Während sich Horst Köhler (Deutschlands bester Beweis für die Mediokrität jener Gruppe leitender Angestellter, die noch vor kurzem als Top-Manager gefeiert wurde) zu Weihnachten wie üblich an diese Vorgabe hielt, schießt Angela Merkel zum Jahreswechsel scharf. Da gibt es nämlich eine Passage in ihrer Neujahrsansprache, die geradezu als Renaissance des deutschen Sendungsbewusstseins verstanden werden kann. Der Wortlaut:

Die weltweite Krise berührt auch Deutschland. Finanzielle Exzesse ohne soziales Verantwortungsbewusstsein, das Verlieren von Maß und Mitte mancher Banker und Manager – wahrlich nicht aller, aber mancher – das hat die Welt in diese Krise geführt. Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt. Nur wenn wir diese Ursachen benennen, können wir die Welt aus dieser Krise führen. Dazu brauchen wir klare Grundsätze: Der Staat ist der Hüter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung.weiter lesen

30.12.2008 von Detlef Guertler
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Machtwörtchen

von Detlef Guertler

Lucie kommt ins Esszimmer. Schlecht gelaunt. “Was ist denn los, Lucie? Ich dachte, du spielst mit Leonie, Carlotta, Emilia und Antonia?” – “Geht nicht. Die sitzen am Computer und spielen Sims, und da kann ich nicht mitmachen.”

“So geht das nicht”, sagt Matthias, steht auf, und geht ins Sims-Zimmer. “Die sollen das jetzt beenden.”

Kurz darauf ist er wieder zurück. “Und?”, frage ich: “Machtwort gesprochen?”. – “Na, ja, fast. Die Mädchen haben versprochen, in einer Viertelstunde aufzuhören.” – “Also doch eher ein Machtwörtchen?” – “Genau.”

30.12.2008 von Detlef Guertler
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Weltraumklimawandel

von Detlef Guertler

In genau 11Monaten, am 30 November 2009, beginnt der Weltklimagipfel in Kopenhagen, auf dem die Nachfolge-Regelung für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden soll – die dann ab 2012 in Kraft tritt.

Es sind also noch genau 11 Monate Zeit, um eine Kehrtwende in der Welt-Klima-Debatte zu erreichen. Nicht viel, auch wenn 2008 ein scheißkaltes Jahr gewesen sein dürfte, und wenn der superflaue Sonnenwind darauf hindeutet, dass uns eher eine Eiszeit droht als ein Treibhaus.

Da wir uns wg. 2. Weltwirtschaftskrise schlicht nicht mehr so viel Klimawandelverhinderungsluxus leisten können, schon gar nicht, wenn das mit der Erderwärmung gar nicht so sicher ist wie es uns die Rahmstorfs eintrichtern wollen, dürfte im Jahr 2009 jede Erklärung Hochkonjunktur haben, die terrestrischen Klimawandel mit der Sonnenaktivität in Beziehung setzt.

Der geringste Sonnenwind seit Beginn der Aufzeichnungen vor 50 Jahren ist dafür natürlich wie geschaffen.Er führt… weiter lesen

28.12.2008 von Detlef Guertler
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Wii-Knie

von Detlef Guertler

Als alle nur noch darauf warteten, die Geburt Christi zu feiern, wurde jenseits des Ärmelkanals auch noch ein Wort geboren: das “Wii Knee”, zu deutsch: Wii-Knie. Und während die Geschichte von der Geburt Christi in diesen Tagen millionenfach erzählt wurde, wurde die Geburt des Wii-Knies noch kein einziges Mal geschildert. Wohlan, so lest mir zu:

Es muss so um den dritten Advent herum gewesen sein, dass Kate Devlin, Medizin- und Schottland-Korrespondentin des Daily Telegraph, sich auf die Suche nach einer Weihnachtsgeschichte machte. Nicht einer der üblichen Medizin-Weihnachtsgeschichten, mit Plätzchen, Diät oder Depressionen, nein, eine ganz andere. Und weil die ganz anderen, ganz neuen Geschichten grundsätzlich nicht vom Leben, sondern von Journalisten geschrieben werden, dachte sie sich eine aus: Viele Menschen würden zu Weihnachten eine Wii-Konsole bekommen, und weil da bei einigen Spielen nicht nur Maus oder Joystick bewegt werden, sondern der ganze Spieler, kann es zu Verletzungen kommen… weiter lesen

27.12.2008 von Detlef Guertler
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faustischsten

von Detlef Guertler

Wollte mich gerade leise darüber aufregen, dass sich der Spreeblick “Deutschland faustischstes Weblog” nennt, was erstens Goethe beleidigt und zweitens ein ziemlich unerlaubter Superlativ ist, habe dann aber feststellen dürfen, dass schon Rudolf Borchardt am 12. Mai 1918 diesen Superlativ verwendet hat, und wenn der Borchardt das darf, dann die vom Spreeblick auch.

26.12.2008 von Detlef Guertler
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Kalenderschokolade

von Detlef Guertler

Küchenschränke aufgeräumt; was soll man auch sonst am 2. Feiertag machen, wenn man nicht ans nächste Buchkapitel heranwill und die Quittungen für die Spesenabrechnungen schon sortiert sind? Dabei ganz hinten eine Pralinenschachtel gefunden, die niemand von uns je gekauft hat, und von der sich auch keiner erinnert, sie jemals geschenkt bekommen zu haben. Jetzt aber nichts wie weg damit, das Haltbarkeitsdatum ist immerhin schon seit einem halben Jahr abgelaufen.

“Kinder, Pralinen!”, rufe ich durch die Wohnung – der Kakao für beiden Kleinen ist schon warm, die 13jährige Leonie hingegen trainiert sich gerade auf Tee um. Sie greift nach den Pralinen, isst eine, verzieht sparsam das Gesicht und sagt: “Schmeckt ja wie Kalenderschokolade.” Mit all dem Abscheu in der Stimme, den diese kleinen, allzu gut abgehangenen Milchschokoladestückchen in ihr erweckt haben, als sie noch Schoko-Adventskalender bekam. Von den gestern selbst gebackenen Vanillekipferln kann sie hingegen gar nicht genug bekommen.

Und da… weiter lesen

24.12.2008 von Detlef Guertler
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Weihnachtsoptimierung

von Detlef Guertler

Selten versammelt ein ökonomisches Fachbuch so viele Neuwörter auf einmal wie das des Eichstätter Ökonomen Bernd Stauss: Optimiert Weihnachten. Eine Anleitung zur Besinnlichkeits-Maximierung. Kleine Auswahl gefällig?

Besinnlichkeitsdefizit, Gesangswiderstandskosten, Bescherungsaufschiebungskosten, Weihnachtsbaumständer-Adäquanz, Marzipankartoffeln-Inputmenge, Heißhungerbefriedigungs-Isoquante, Weihnachtseffektivität, Geschenkewunschermittlung,

und das sind nur die, die sich aus der wirklich putzigen Rezension dieses Buches in der FTD entnehmen lassen. Es handelt sich offenbar um eine durch und durch augenzwinkernde Anwendung klassischer betriebswirtschaftlicher Instrumente und Formeln auf das für ganze Branchen betriebswirtschaftlich so entscheidende Weihnachtsfest – sozusagen ein 99seitiger Insiderwitz.

Man kann sich darüber aufregen wie Superbloggerin (Platz 3 der Superblogs 2008 in der Kategorie Bloggerinnen) Miriam Meckel:

So weit ist es jetzt. Ich stelle mir vor, wie die Familie am Adventskranz oder unter dem Weihnachtsbaum zusammensitzt und ihre Besinnlichkeit maximiert. “Sing schneller, Oma”, “konzentrier Dich beim Beten, Schatz, wir haben keine Zeit zu verlieren”, “und jetzt die einsdreißigweiter lesen

24.12.2008 von Detlef Guertler
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Heiligmorgen

von Detlef Guertler

“Papa, jetzt ist Heiligmorgen, oder?” – “Ja, Lucie.”

22.12.2008 von Detlef Guertler
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reistrocken

von Detlef Guertler

Seit der letzten Werbepause bei Sissi quält mich ein böser Verdacht: Kann es sein, dass ich daran schuld bin, dass der Henkel-Konzern sein neues Deo Fa Reis Dry genannt hat? Nein, natürlich habe ich denen nicht geraten, irgendwelche Reis-Extrakte in die Deo-Schmiere zu mischen, aber die Namensgebung, die ist so, ja, die ist geradezu deutsch. Die Weltmarktfassung heißt nämlich Fa Rice Dry, und angesichts der schon traditionellen Henkel’schen Anglomanie hätte das Zeug eigentlich auch in Deutschland so heißen müssen, wo man es ohnehin unwillkürlich so ausspricht, weil Reis und Dry die Zunge verknoten (oder man sagt gleich Reis Drei).

Und da fiel mir ein: Ich hatte doch mal, im Juni 2004, in der wichtig, wichtig, wichtigen Zeitschrift Cicero genau diese Anglomanie gegeißelt:

Am 17. April war heavy Action auf der Düsseldorfer Galopprennbahn. Der “Friendship Day” von Henkel, ein Teil des “Corporate-Citizenship-Programms” des Konzerns, beiweiter lesen

21.12.2008 von Detlef Guertler
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Herbeinachten

von Detlef Guertler

War gerade auf der Suche nach einem Wortspiel mit Weihnachten, das noch niemand gemacht hat. Einzig obiges habe ich gefunden. Wäre doch eigentlich ein wunderhübsches Wort für unsere Sprachpuristen, um endlich diesen Latinizismus “Advent” loszuwerden, oder? Dann würden wir heute das 4. Herbeinachten feiern…

Als Nebenprodukt meiner Suche ist das folgende Weihnachtswortspielranking abgefallen. (Die Google-Treffer beziehen sich dabei jeweils auf die Suche nach dem Wort in Anführungszeichen und mit 100 Treffern pro Seite). Wenn Ihnen beim Warten aufs Christkind noch weitere “Weihnachts”wörter einfallen, immer her damit.

Schweinachten: 1110 Treffer
Zweinachten: 995 Treffer
Einachten: 516 Treffer
Freinachten: 99 Treffer
Schreinachten: 98 Treffer
Geweihnachten: 88 Treffer
Biernachten: 73 Treffer
Feinachten: 45 Treffer
Kleinachten: 43 Treffer
Dreinachten: 39 Treffer
Meinachten: 32 Treffer
Schweinnachten: 31 Treffer
Bleinachten: 18 Treffer
Vorbeinachten: 12 Treffer
Deinnachten: 9 Treffer
Meinnachten: 8 Treffer
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