faustischsten
von Detlef GuertlerWollte mich gerade leise darüber aufregen, dass sich der Spreeblick “Deutschland faustischstes Weblog” nennt, was erstens Goethe beleidigt und zweitens ein ziemlich unerlaubter Superlativ ist, habe dann aber feststellen dürfen, dass schon Rudolf Borchardt am 12. Mai 1918 diesen Superlativ verwendet hat, und wenn der Borchardt das darf, dann die vom Spreeblick auch.
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Dem Faustischsten, wenn er die Patsche reicht,
Versagt die Schönste den Tanz nicht leicht.
(JWG Faust. II AI (Weitläufiger Saal. Faunen)
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Ah: “Faun” heißt es da im Zitat:
Also so:
Dem Faunischten,
Wenn er die Patsche reicht,
Versagt die Schönste
Den Tanz nicht leicht.
(… und den weiteren Taumel; wie JWG als Faust es reimt: “Dem Taumel weih ich mich, dem schmerzlichen Genuß, / Verliebtem Haß, erquickendem Verdruß”.
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Wie? – Nein, auch nicht richtig gefingert?
Eher: das Fäustchen? Händchen? Die Fingerchen? Das Pfötchen?
Wow & oh, jetzt hör’ ichÄs wohl: ganz einfach so:
“Dem Faun, wenn er die Patsche reicht,
Versagt die Schönste den Tanz nicht leicht.”
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Was Faune faustisch gesehen, also auch von und mit ihren Händchen erfolgreich macht, also ihren Pfötchen … – na, da sei doch ein Superlativ risikiert:
… am Faustischsten gelang den Faun’n
der Zugriff bei den Frau’n.
Aber, ob’s bei allen gilt, sozusgen im Frauen-Plural?
Sie man bescheiden, e i n Faun für etliche bekickste F.:
… am faustischsten gelang dem Faun
der Zugriff bei den Fraun, (ähem..),
die ihm vertraun.
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Aber, ad multos annos et manus (JWG original):
“Zwar die brave Faust gewinnt,
Doch der Geist bewährt den Ruhm.”
(In: “Requiem dem frohsten Mann des Jahrhunderts”).
Doch, eine Handschrift bietet das Liebes- und Generationen-Spiel um Hand und Händchen – mit Finger- und Fäustchen um Kopf und Kragen, Lieb und Leib – so an:
“Zwar die brave Faust gewinnt,
Doch der Geist bewahrt den Ruhm.”
Ecce, das ‘Faustischste’ – es ist noch nicht entschieden.