Archive for Januar 30th, 2009

30.01.2009 von Detlef Guertler
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Visionarität

von Detlef Guertler

Sie hat eine Vision. Also ist sie Visionärin als Substantiv, und sie ist visionär als Adjektiv, aber wie heißt das Verb, wenn sie Visionäres sagt? Visionieren? Auf deutsch vielleicht möglich, aber auf Schweizerdeutsch nicht – da ist visionieren schon vergeben für “sich etwas ansehen”. Und welche Eigenschaft verkörpert unsere Visionärin, wenn sie Visionäres sagt? Kann man dann sagen: “Das, liebe Frau Merkel, war eine Rede voller Visionarität!”? 

Die Visionärin selbst kokettiert vor dem Publikum des Weltwirtschaftsforums in Davos sogar ein wenig damit. ”Angesichts der täglichen aktuellen Schwierigkeiten weiß ich, dass das für viele ein bisschen zu visionär klingt”, sagt sie ganz am Ende ihrer Rede. Das kann aber eigentlich gar nicht sein – schließlich hatte Merkel schon in ihrer Neujahrsansprache gefordert, dass die deutsche Soziale Marktwirtschaft zum Vorbild für die ganze Welt werden solle.  Und Neujahrsansprachen sind niemals visionär.

Außerdem: Wenn das, was Merkel heute sagt, “ein… weiter lesen

30.01.2009 von Detlef Guertler
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Krisenbremse

von Detlef Guertler

Von Wortistik-Leser und -Schreiber A.S. Reyntjes ein paar Zeilen zur Schuldenbremse erhalten (s.u.), die ich eigentlich gar nicht hier aufnehmen wollte, weil erstens kein Neuwort, und zweitens so gar nicht in die Zeit passend, da die Staatsschulden ja derzeit das einzige sind, was ungebremst zunimmt, um dadurch wenigstens den Fall in die Weltwirtschaftskrise ein wenig abzubremsen.

Aber da fiel mir auf: Bei letzterem, also Abschwung, Krise, Rezession, hat noch niemand eine Bremse erfunden. Als Wort, meine ich. Abschwungbremse, Krisenbremse, Rezessionsbremse, keine bringt es auf mehr als ein Dutzend Google-Treffer. Rein wirtschaftspsychologisch halte ich das für ein denkbar schlechtes Zeichen: Unsere Sprache (oder natürlich: ihre Sprecher) will sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass eine Wirtschaftskrise auch mal einfach da sein und bleiben kann. Dass es also nicht so sehr darum geht, sie so schnell wie möglich wieder in einen Aufschwung zu verwandeln, sondern vielmehr um ein Abbremsen oder -mildern der… weiter lesen