19.01.2009 von Detlef Guertler
Kleiner Wettbewerb gefällig?
Gesucht wird das Wort mit den meisten Google-Treffern. Mehr als eine Milliarde Treffer müssen das schon sein, denn Google bringt es schon auf 2,7 Milliarden Treffer und schlägt damit locker das Internet mit nur 2,15 Milliarden. Microsoft hingegen schafft es mit schlappen 736 Millionen nicht in den Klub der Google-Milliardäre, in den sich China gerade noch so mit 1,04 Milliarden hineingemogelt hat.
Wer bietet mehr?
18.01.2009 von Detlef Guertler
“Jubelsieg für Schwarz-Gelb” titelt GMX zur Hessenwahl – was aber mindestens doppelt schief ist. Erstens hat nur die FDP Grund zum Jubeln: Dass Roland Kochs CDU von der Selbstdemontage der SPD mit keinem einzigen Prozentpünktchen profitieren kann, ist eine ähnlich schallende Ohrfeige wie das Ergebnis der Sozis selbst. Und zweitens ist ein “Jubelsieg” keinen Hauch kräftiger als ein “Sieg”: Jeder Sieg ist für den Sieger uneingeschränkter Grund zum Jubeln, und nur, wenn mal nicht, wird ihm ein Dementi oder eine Relativierung vorangestellt, wie etwa beim Pyrrhus-Sieg oder dem Arbeitssieg.
Also hätte Roland Koch eine krachende Sieg-Relativierung verdient. Mein Vorschlag: Bittersieg – bislang noch ohne jeglichen Google-Treffer, obwohl das Wort nicht nur für solche Landtagswahlen, sondern auch für zu niedrige Siege in Champions-League-Rückspielen brauchbar wäre. Andere Vorschläge?
17.01.2009 von Detlef Guertler
“Glaubt man einer aktuellen Studie, haben bereits rund 20 Prozent aller US-Teenager Nacktbilder von sich über elektronische Medien versandt”, schreibt spiegel.de in einem Bericht über einen angeblichen neuen Trend in den USA namens Sexting, also eben jenes Versenden von textilfreien Bildchen über Internet oder Handy.
Allerdings ist erstens der Spiegel-Satz glatt gelogen. Laut der Studie haben 20 Prozent der befragten US-Teenager
“sent/posted a nude or semi-nude picture/video of yourself”
und sogar einem Online-Redakteur sollte auffallen, dass “nude or semi-nude” NICHT das Gleiche ist wie “Nacktbilder”.
Und zweitens ist es zwar nicht direkt gelogen, aber höchst angreifbar, aus den “20 Prozent der Befragten” auf “20 Prozent aller US-Teenager” zu schließen. Denn erstens handelte es sich nach Angaben der Studien-Verfasser um eine Online-Befragung des Unternehmens TRU, an der im September/Oktober 2008 insgesamt 1260 US-Teenager und junge Erwachsene teilgenommen haben – wonach also all jene Teenager, die nicht an solchen Online-Umfragen… weiter lesen
16.01.2009 von Detlef Guertler
Hätte sich nicht Stefan Raabs Redaktion für den dominikanischen Schlitzrüssler begeistert, hätte ich nie dieses Neuwort gehört – wann schaue ich schon mal “Das!” im NDR. Aber die Raab-Sklaven schauen alles, und bescherten uns deshalb gestern in “TV Total” den Ausschnitt mit den ersten Filmaufnahmen, die jemals von diesem “ungewöhnlichsten Säugetier der Welt” (Die ZEIT) gemacht wurden (im Sende-Mitschnitt ab 4’12).
Und da sagt der NDR-Sprecher am Ende tatsächlich “ein wahrhaft fossierliches Tierchen”. Vielleicht war es ja wirklich das erste Mal, dass hohes Alter und Niedlichkeit kombiniert wurden. Aber angesichts unserer demographischen Entwicklung sollte diesem Adjektiv eine glänzende Zukunft in den Kontaktanzeigen von 50plus-Zeitschriften bevorstehen.
14.01.2009 von Detlef Guertler
Von Regine Heidorn beim Twittern gefunden als Übersetzung für “to agree to differ” – wofür es in der Tat bisher keinen deutschen Ausdruck gibt – obwohl doch Deutschland als Mutterland des protagonistischen Konflikts eine lange und glorreiche Tradition der Einigkeit über den Dissens hat.
Die Hintergründe zum Twitterfund fand Regine Heidorn beim Brainblogger, und einen ersten Treffer fürs Zweinigen 1997 bei Vera Birkenbihl (hier auf Seite 5). Womit wir gerne Frau Birkenbihl mit zwölf Jahren Verspätung zur Worterfindung gratulieren.
13.01.2009 von Detlef Guertler
Von A.S.Reyntjes
Neuwörter im ICE-Tempo:
„… internetmerische“ Mittelschicht…“
… hat Harald Schmidt sich ausgedenkt und ausgeschenkt in einem bundesdeutschen ICE, in dem er sich mit seiner 5900 € teuren BahnCard von vielen belästigt fühlt: von Senioren z. B. – Diesen segmentiert Figürchen kann er noch ausweichen, mit der diktatorischen Parole: „Strikt zu meiden ist die Nähe von Senioren. Es gilt die einfache Formel: Senior + Bahn = Stress.“
“HIER SCHREIBT HARALD SCHMIDT:” Und „Schwarze Mamba“ heißt seine Kolumne, aus der ich nicht weiter zitieren möchte.
Eine lässig versprühte Kanne Senioren-Urin! Luschtige Urteile über Mitfahrende Komplett-idioten (das ist aber mein Sammelbegriff für die unwürdig-nichtsnutzigen, lärmenden Zeitgenossen, die dem Harald Schmidt das Stuttgart-Köln-Hin-und-Her-Fahren-und-Schreiben vermiesen.
Pardon: Ich weiß, Schmidt schreibt schwarzzüngige Satiren. – aber irgendwer bei FOCUS muss ihn auf den prekären Schreibschwanz getreten sein, dass er in Stil, Wortwahl und Indignation – pardon: Intention – so schiefmäulig-zynisch übertreibt, dass von… weiter lesen
13.01.2009 von Detlef Guertler
Inflation heißt, klar, auf deutsch Geldentwertung. Deflation ist das Gegenteil von Inflation, und hat bislang keine deutsche Übersetzung. Die brauchte man bislang auch nicht, weil es ja in der realen Welt keine Deflation gab, sondern immer nur Inflation – weshalb man die Deflation dem ökonomischen Diskurs überlassen konnte, und der braucht für seine Fachbegriffe keine Übersetzungen.
Jetzt wird die Deflation aber real werden, und das nicht nur ein paar Wochen, ein Quartal lang, sondern richtig heftig. Also werden wir eine Übersetzung dafür brauchen, damit die Menschen da draußen auch verstehen, was da passiert. Mein Vorschlag: Wertentwertung. Zwar sind sinkende Preise rein ökonomisch nicht gleichbedeutend mit sinkenden Werten, aber für den Hausgebrauch passt das doch allemal. Und es macht vor allem auch deutlich, warum Deflation ein Problem sein kann – wenn man die nur damit erklärt, dass halt alles billiger wird, fühlt sich ja dadurch niemand so richtig bedroht.
12.01.2009 von Detlef Guertler
Lese gerade bei Anatol Stefanowitsch “Seit wann machen wir im Deutschen Sinn?”, stolpere dabei über den “Sinnmachenhasser” Bastian Sick, und frage mich, ob das passende Substantiv wirklich Sinnmachen heißen sollte, oder nicht doch besser Sinnmachung. Das stand schließlich auch schon im ersten im Spiegel gedruckten Text, der sich über die Kombination von machen und Sinn mokierte. Zitat:
“It makes no sense” wird seither fröhlich übersetzt, etwas mache keinen Sinn. Obwohl das numinöse Etwas gar nichts tun kann. Es hat vielleicht Eigenschaften, aber keinen Tatendrang. Weshalb die deutsche Sprache auch darauf beharrt, etwas habe einen Sinn. Oder ergebe einen Sinn. Sinnlos, schon redet alle Welt statt von der Sinnfindung und Sinngebung von der Sinnmachung.
Erschienen im Spiegel am 27. 9. 1993, also ziemlich genau ein Jahrzehnt vor Sicks erstem Zwiebelfisch. Allerdings stand der Text damals im “Rückspiegel”, als Zitat aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Und dort wurde die Ursache… weiter lesen
11.01.2009 von Detlef Guertler
Als ziemlich angegraute traditionssozialistische Organisation ist die Linkspartei nicht allzu eifrig in der Neuwortschöpfung tätig. Dass ich in meinem Jahresrückblick auf 2009 in der WELT den Linken-Chef Oskar Lafontaine gleich mehrere Neuwörter habe prägen lassen (etwa “Volkssturmkoalition” und “Angela Brüning”), war also durchaus Teil des halbsatirischen Ansatzes dieser Prognose.
Jetzt hat sich Ulrich Maurer mal ein Neuwort einfallen lassen: “Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler werden enteignet, um die Zockerschulden der Commerzbank und ihrer bisherigen Eigentümer zu begleichen”, schreibt der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei-Bundestagsfraktion in einer Pressemitteilung zum Staatseinstieg bei der Commerzbank. Den Begriff Zockerschulden könnte er zwar aus dem Katzencontent-Blog von anne1957 übernommen haben, aber so wie ich Linkspolitiker kenne, treiben sie sich nicht auf solchen Seiten herum. Lassen wir ihn also als Maurer’sche Neuwortschöpfung gelten.
Und was passiert, kaum dass man mal ein neues Wort schöpft? Man bekommt Beifall aus einer völlig unerwarteten Richtung.… weiter lesen
08.01.2009 von Detlef Guertler
“Wundert mich eigentlich, dass du von mir noch nicht begrüßelt wurdest”, mailt mir Corinna Freudig, meine Inhouse- und Co-Chefredakteurin beim Kundenmagazin von PwC Deutschland. Ich hingegen hatte mich gewundert, dass sie ihre Mail an mich mit “Grüßel” beendete. Aber das war durchaus beabsichtigt, wie sie mir erklärte: “ursprünglich bloßer Tippfehler… dann für putzig befundener Tippfehler… schließlich zeitweilig verwendete Ausstiegsformel… mittlerweile Mail-Markenzeichen… letzteres ist übertrieben…”
Natürlich habe ich danach sofort nachgeschaut, ob ich vielleicht doch schon mal begrüßelt worden bin. Und siehe da: Am 13. Juni 2007 hatte mir Corinna schon einmal den Grüßel-Gruß zugemailt. Die Vermutung, dass der putzige Tippfehler nur für putzige Mails verwendet worden wäre, konnte ich nach Lektüre der Mail von damals aber sofort ad acta legen. Denn die Zeilen über dem Grüßel hießen:
“Und ich werde angesichts der Termine wirklich etwas unruhig: Die Urlaubszeit beginnt, NRW hat ab nächster Woche Ferien, es ist kein einziges… weiter lesen