28.02.2009 von Detlef Guertler
“Im Gegensatz zu Journalisten sind Politiker vom Volk gewählt”, schreibt Eckhard Fuhr heute in der Welt, “sie haben keinen Grund, dafür in Sack und Asche zu gehen, dass sie ihre Arbeit machen.” Weshalb er es für Politikerselbstbewusstsein hält, dass Roland Koch den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender aus dem Amt kegeln möchte.
Sicher, es gehört zu den Aufgaben des ZDF-Verwaltungsrats, über die Personalie des Chefredakteurs zu entscheiden, und da Koch diesem Verwaltungsrat angehört, ist das auch Teil seiner Arbeit. Aber Selbstbewusstsein deswegen, weil man seine Arbeit macht? In diesem wie in jedem anderen Beruf sollte sich Selbstbewusstsein nicht daraus speisen, dann man diesen Job hat, sondern dass man seine Arbeit GUT macht.
Ich hatte in letzter Zeit hin und wieder mit ordentlich Angestellten zu tun, die ein Angestelltenselbstbewusstsein an den Tag legten, das in krassem Gegensatz zu ihrer tatsächlichen Leistung bzw. Nicht-Leistung stand. In diesen Fällen spreche ich eher von… weiter lesen
24.02.2009 von Detlef Guertler
Stehe mit Christian Ankowitsch vor der Wand, an der alle Seiten des gerade in Produktion befindlichen GDI-Impuls-Heftes (Erscheinungstermin 18. März, Titelthema Mobilität, mehr wird noch nicht verraten) hängen. “Wie kommt der X denn da rein?”, fragt Ankowitsch und zeigt auf einen Autoren-Namen. “Langjähriger Freund des Hauses”, antworte ich, “ganz im Gegensatz zum Y.” – “Der Y ist Feind?” – “Das nun nicht gerade. Sagen wir eher: Unfreund.”
Normalerweise sagen wir das nicht. Sprache ist vielfältig in den Extremen, bei heiss und kalt, gut und böse, Freund und Feind – aber nachlässig bei den Mittelwerten. Zwischen heiss und kalt gibt es immerhin lau, warm und kühl, zwischen gut und böse wird`s schon schwieriger und zwischen Freund und Feind gibt`s allenfalls neutral, aber oft nicht mal das, denn wer nicht für mich ist, ist gegen mich.
Aber, immerhin, in der Oeconomischen Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz von anno irgendwann taucht der weiter lesen
21.02.2009 von Detlef Guertler
Der A-Superplus-Blogger Don Alphonso, zu dem ich leider aus bekannten Gründen nicht verlinken kann, hat in seinem Faz-Blog so über das Ende von Vanity Fair geschrieben, dass ich auch gar nicht da hin verlinken möchte. (Wer will, geht auf faz.net und findet ihn da schon irgendwie).
Aber weil es hier ja um Neuwörter geht, hier ein Auszug aus diesem Schwachwerk:
Vanity Fair und Park Avenue waren nichts anderes: Hässlicher und geschmackloser Klimbim mit grosser Attitüde, der nur in Berlin noch etwas gilt, wo man noch nicht erfahren hat, dass die Geschichte in der Zivilisation und ihrer Helfer weiter gegangen ist. Um Berlin herum ist eine mehrere hundert Kilometer breite Zone des Verfalls und des Niedergangs, die Berliner nur selten überwinden, und aus dieser Abgeschiedenheit heraus kann man sehr viele drittklassige Dienstleistungen erklären, die es nur hier gibt: Den angeblich für elitäre Menschen (hier habe ich den Link weiter lesen
19.02.2009 von Detlef Guertler
General Electric hat einmal versucht, ein chemisches Element, Wolfram nämlich, zu patentieren. Damit sind sie am Ende nicht durchgekommen, nicht zuletzt aufgrund des elementaren Charakters der chemischen Elemente. Jetzt soll erstmals versucht werden, ein chemisches Element zu verbieten, Quecksilber nämlich. Auch das wird sich nicht so einfach machen lassen, schließlich können Elemente nur verschwinden, wenn man sie sämtlich zerspaltet (die schweren Elemente) oder wegfusioniert (die leichten Elemente). Aufgrund der bedenklichen Nebenwirkungen, die Kernspaltungen und -fusionen häufig begleiten, kann das nicht die Lösung sein.
Ein Verbot der Verwendung von Quecksilber in der Industrieproduktion ist schon eher möglich, auch wenn man dafür das mit dem Glühbirnenverbot noch mal überdenken muss, weil Energiesparlampen sämtlich eine kleine Prise Quecksilber intus haben. Am einfachsten ist das Einhalten des Verbotsnatürlich, wenn man es so versteht wie jener chinesische Birnenverkäufer, dem taz-Autor Marc Engelhardt auf den Leim gegangen ist: “Einen Stand weiter präsentiert die… weiter lesen
17.02.2009 von Detlef Guertler
von A.S. Reyntjes:
Neudeutsch – als Adaption zweier euphemistischer Schönwörter. Aus Mobilisierung und Fonds wird “Mobilisierungsfonds”.
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Und das ist das Neuwort für “Bad Bank”.
Mit diesem eigenfirmierten “Bad-Bank”-Konzept wollen die Banken ihre Bilanzen reinigen.
Man kann den Erfolgsweg dieses Goodwords noch verfolgen:
Die Tagesschau als „Good TV“ berichtet:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/badbank112.html
16.02.2009 von Detlef Guertler
“Nationalize the Banks! We’re all Swedes now”, heißt ein Artikel von Matthew Richardson und Nouriel Roubini in der gestrigen Washington Post. Und schon die ersten Zeilen machen unmissverständlich klar, was gemeint ist:
The U.S. banking system is close to being insolvent, and unless we want to become like Japan in the 1990s — or the United States in the 1930s — the only way to save it is to nationalize it.
Der Hinweis mit den Schweden zeigt, dass es den Autoren nicht so sehr darum geht, den Staat dauerhaft zum Eigentümer des Finanzsystems zu machen, sondern nur für die Zeit der Krisenüberwindung. So hatten es die Schweden Anfang der 90er Jahre gemacht: alle Krankbanken übernommen, die alten Aktionäre und Vorstände rausgeworfen, die Banken saniert oder geschlossen, und die wieder gesundeten Einheiten zurück an die Börse gebracht. Das ist eine etwas freundlichere Variante der alten Stamokap-Theorie, wonach im… weiter lesen
15.02.2009 von Detlef Guertler
Gerade nach der deutschen Übersetzung für “haircut” gesucht. Natürlich nicht den Haarschnitt, sondern jenen Prozentsatz, um den diverse Beträge gekürzt werden, wenn man die dazugehörigen Werte verkauft oder in Zahlung gibt. Der Pfandleiher gibt ja nicht den ganzen Schätzwert eines Pfandes als Darlehen, und die Europäische Zentralbank rückt den Geschäftsbanken für jeweils 100 Euro Nennwert der als Sicherheit hinterlegten Wertpapiere zwischen 80 und 96 Euro frisches Geld heraus. Diese Differenz nennt sich haircut.
Für die oben beschriebenen haircut-Verwendungen ist der “Sicherheitsabschlag”, den leo als einzige Übersetzung anbietet, durchaus geeignet. Etwas anders sieht das aus, wenn bad banks oder good states den Banken ihre toxischen Papiere abnehmen sollen, für die es ja seit vielen Monaten keinen halbwegs verlässlichen Marktpreis gibt, geschweige denn so etwas wie einen fairen Wert. Und auch die haircut-Verwendung des in Barcelona ansässigen britischen Analysten Edward Hugh ist mit Sicherheitsabschlag nicht korrekt übersetzt. Er… weiter lesen
14.02.2009 von Detlef Guertler
Als Leonie noch im Kindergarten war, war Bobo ihr ständiger Begleiter. Bobo war vier Meter groß, passte aber problemlos in die offene Handfläche. Ob er Mensch, Tier, oder irgendwas dazwischen war, haben wir nie erfahren. Aber er war sooo süß, und immer mit dabei – sogar noch in der ersten Klasse.
Wenn wir Clemens vom Kindergarten abholten, erzählte er uns oft von Amelie. Amelie hatte eine rote Latzhose und eine rote Mütze an und war immer mit Clemens zusammen. Wir brauchten ein paar Wochen, bis wir begriffen hatten, dass es in diesem Kindergarten gar kein Mädchen namens Amelie gab. Hätten wir Clemens gefragt, hätte er uns das auch gleich sagen können: Sein Amelie war ja kein Mädchen, sondern ein Junge. Als Clemens in die Schule kam, kam Amelie nicht mit.
Lucie hatte weder Bobo noch Amelie. Zumindest nichts, wovon wir wussten. Aber das kommt ja auch so hin, schließlich haben… weiter lesen
13.02.2009 von Detlef Guertler
Die Stunde Null kennt man: Das ist der Anfang, nach tabula rasa geht es wieder ganz von vorne los.
Die Nullstunde hingegen, so wie sie in dieser Grafik von Karl Denninger verwendet wird, markiert eher ein Ende: den Moment, in dem ein zusätzlicher Dollar an Verschuldung in den USA keinen einzigen Cent mehr an neuem Bruttoinlandsprodukt bewirkt. 1966 gab es noch mehr als 90 Cent BIP-Zuwachs pro Dollar Schulden-Zuwachs, derzeit sind es gerade noch 20 Cent – und der Trendgerade gemäß ist die Nullstunde im Jahr 2015 erreicht.
Und dann? Gibt es ein tabula-rasa-Ereignis und alles geht wieder von vorne los. Bei Stunde Null eben.
12.02.2009 von Detlef Guertler
Schrecklich bunte, flirrende Zeiten. Die Freiheit des Menschen wird durch klebrige, klumpige Manipulatoren der Werbung bedroht. Auf Schritt und Tritt wollen sie uns Image, Image, Image verkaufen, und keine Chance auf Gegenwehr.
Doch das muss nicht sein: Es gibt jetzt – Dacia! Dacia, das Erfolgsprodukt aus dem Hause Renault für unsere neue Zeit – mit der Extra-Portion Imagefreiheit. Keine aufgeblasene Markenpersönlichkeit, keine Stylisch- oder Coolness, pures Auto. Fühl dich schön, fühl dich frei, fühl dich so imagefrei wie Dacia, dann kannst auch du es schaffen, deine deutschen Verkaufszahlen seit Einführung der Abwrackprämie zu versechsfachen.