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vonDetlef Guertler 07.02.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Falls Sie erwägen sollten, wegen der derzeit etwas ungeschickten Kommunikationspolitik des Vatikan aus der katholischen Kirche auszutreten: Seien Sie sich darüber im klaren, dass Sie zu einer kleinen, privilegierten Gruppe gehören. Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man aus dieser Kirche austreten, sagt Eberhard von Gemmingen, der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan: „In anderen Ländern ist dies gar nicht möglich, weil die Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann.“

Seien Sie sich Ihres Austrittsprivilegs also bewusst – und nutzen Sie es!

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/02/07/austrittsprivileg/

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kommentare

  • „Seien Sie sich Ihres Austrittsprivilegs also bewusst – und nutzen Sie es!“

    Wieso sollte ich? Das Privileg besteht darin, dieser Kirche angehören zu dürfen.

    Was genau, denken Sie, ist vorgefallen, was einen dazu bewegen sollte?

    Das Geschrei um den zurückgenommenen Ausschluss von den Sakramenten bei den vier Bischöfen der Piusbruderschaft war zwar gewaltig, enthielt aber keine Substanz. Bzw fuhr jeder Schmäher neue und andauernd wechselnde „Argumente“ auf, immer auf Grund einer vorgefassten Absicht „Haut den Lukas“ (der ganze anscheinend drei Jahre lang mühsam zurückgehaltene Brass gegen den Papst kam da zum Vorschein); aber nach meinem Eindruck war nichts Beeindruckendes dabei, was vor auch nur minimaler Kenntnis der katholischen Sakramentenlehre und des Kirchenrechts Bestand haben konnte.

    Also wäre es nützlich, wenn Sie Ihre persönlichen, hoffentlich besseren Einwände darlegen wollten, da so viel Unterchiedliches und Seltsames zu der Frage im Raum herumschwirrt..

    “ wegen der derzeit etwas ungeschickten Kommunikationspolitik des Vatikan“

    Auch diesbezüglich frage ich mich, wo der Vatikan heute eigentlich anfangen sollte, solche Dinge zu erklären. Der religiöse Analphabetismus ist derart fortgeschritten, da hat der Vatikan es wohl einem vermeintlich intelligenten Publikum überlassen, sich über die Zusammenhänge zu informieren. Benedikt ist eventuell kein großer Diplomat, dafür aber ehrlich.

    „Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man aus dieser Kirche austreten, sagt Eberhard von Gemmingen, der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan: “In anderen Ländern ist dies gar nicht möglich, weil die Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann.”

    Missverständnis. Die Taufe kann auf Erden nicht rückgängig gemacht werden, da sie ein unauslöschliches Merkmal, Gnadenakt Gottes ist, über den der Mensch nicht verfügen kann. Allerdings kann man in allen Ländern der Welt der Kirche Geld zukommen lassen (in Deutschland und Österreich, den Ländern des Reichsdeputationshauptschlusses, sowie der Schweiz, u.a. durch die Kirchensteuer), oder man kann es sein lassen. Im zweiten Fall kann man in den genannten Ländern die Kirchensteuer sperren. Das nennt sich zwar missverständlicherweise „Kirchenaustritt“:

    Man ist und bleibt aber auch dann Mitglied der Kirche, so, wie jeder Getaufte immer ein Mitglied der Kirche bleibt, dh man behält gewisse, durch die Taufe erworbene Rechte (zB den Anspruch auf die Rücknahme einer Exkommunikation, falls man von dieser betroffen worden wäre, sobald der Anlass für die Exkommunikation beseitigt wäre).

    Warum genau glauben SIE, dass man jetzt austreten sollte?

  • Ungeschickt agiert nicht der Vatikan, sondern die Deutsche Bischofskonferenz. Mörder, Räuber und Tyrannen dürfen die Sakramente der Kirche empfangen, Holocaust-Leugner aber nicht? Soll das zum Maßstab einer weltweiten Kirche werden? Die Sache zeigt nur, dass Deutschland nicht reif ist für einen deutschen Papst. Es kann ihn nicht loslassen, er muss Deutscher bleiben, deutsch denken, auf das deutsche Strafgesetzbuch schwören – um uns nicht bloßzustellen vor der Welt, uns Deutsche. Ein Abgrund an Verklemmtheit.

    Vom Holocaust heißt es in jeder zweiten Festrede, er sei „das Unfassbare“. Kann es dann einer nicht fassen, wird er bestraft. Wer „das Unvorstellbare“ sich nicht vorstellen kann, muss schweigen oder eben glauben. Das habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, urteilt das Gericht, da es um eine Tatsachenbehauptung gehe. Wer aber meint, die Erde sei eine Scheibe, darf es sagen. Holocaust-Leugner sind gefährliche Spinner, die müssen in den Knast. Das habe man aus der NS-Zeit gelernt. Vielleicht sollte man besser von den USA lernen.

    Die Bischöfe handeln unter Druck der deutschen Medienmacht. Nun seid wenigstens ihr deutsch, ihr deutschen Hirten! Die des Skandals wegen Austretenden wohl auch. Mir wäre es lieber, man ließe den Papst ziehen, Römer und Weltpapst werden, und bürgerte stattdessen die tote Prinzessin Diana ein – damit wären doch viele beschäftigt. Außerdem könnte man sich endlich der Vergangenheit stellen – es sind nun wirklich bald alle gestorben.

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