Nub

von Detlef Guertler

“Ich hab’ ein Wort für dich”, sagt Leonie, als sie endlich wieder auf unserer Terrasse in Marbella sitzt (Winterferien in Sachsen): “Nub.” – “Nub? Was soll das denn sein?” – “So nennen wir in Afra jemand, der zwar ganz viel für die Schule lernt, aber trotzdem nicht wirklich gut ist.” – “Also sowas wie ein Streber, aber mit durchschnittlichen Noten?” – “Genau.” – “Nub oder Noob?” – “Weiß ich nicht, wir haben das noch nie geschrieben, sondern nur gesagt.” – “Selbst erfunden oder von irgendwo übernommen?” – “Keine Ahnung, kannst ja mal googeln.”

Also google ich. “Noob” (gesprochen Nuhb) gibt es: als Abkömmling des Newbie, der wiederum ein Neuwort für einen Neuling ist. ”Nub” (gesprochen Nabb) gibt es auch: als Kernstück, aber auch als Knopf oder Noppe. Beides stimmt nicht mit der von Leonie genannten Bedeutung überein. Muss es aber auch nicht, wer von uns kennt sich schon in Anglizismen aus. Also schreiben wir Nub, sprechen es Nuhb, meinen damit einen Streber mit durchschnittlichen Noten, und fragen uns und die Leser, ob es dafür in irgendeiner Ecke Deutschlands bereits ein gebräuchliches Wort gibt.


4 Kommentare zu "Nub"

  1. Noob ist im Gamer-Slang jemand der nicht besonders gut ist, trifft es also ziemlich genau finde ich.

  2. @quarktasche: Im Gamer-Slang bin ich nicht so firm, aber das glaube ich gerne. Allerdings macht die Herkunft vom Newbie deutlich, dass es eigentlich um Neulinge geht – die ja nicht nur beim Gamen nicht besonders gut sind. Aber dann kann man doch trotzdem den Nub für jemand nehmen, der schon bemüht, aber trotzdem nicht besonders gut ist, einen irgendwie mittelprächtigen Schüler/Kollegen/Spieler/Freund. Die deutsche Sprache ist, wie wohl die meisten Sprachen, nicht besonders stark bei der Beschreibung von Durchschnitt und Mittelpracht, etwas ist spitz oder stumpf, man ist hungrig oder satt, aber nichts dazwischen, man ist Streber oder Hänger, und dazwischen gibt es ganz viele Nubs.

  3. Newbie/Noob kann durchaus auch die Konnotation von “es zu sehr versuchen” (engl. “trying too hard”) tragen, sowohl im Originalkontext des Gaming als auch in erweiterten Anwendungen in anderen Bereichen.

    Eine andere Konnotation des Begriffs Noob/Newbie ist die Unfähigkeit, aus Erfahrungen (und Fehlern) zu lernen. Klingt auch recht plausibel im Zusammenhang mit der genannten Verwendung von “Nub” für eifrige aber mittelmäßige Mitschüler. Klingt in etwa wie das Gegenteil des “schlampigen Genies” (gute oder exzellente Noten trotz geringen Arbeitsaufwands).

  4. Nub ist eine Abwandlung von Newbie (Neuling) und hat seine größte ursprüngliche Verbreitung im Gamer-Slang.
    Mögliche Abwandlungen:
    englisch: Noob, Boon, Newb
    deutsch: Nap, Nappel
    Wobei das “Nap” von einigen als Abkürzung für “Not A Pro” angesehen wird, sprich “Kein professioneller Spieler”.
    Beim Schreiben darf dann auch gerne Leetspeak verwendet werden (das Ersetzen von Buchstaben durch Zahlen und Sonderzeichen, die ähnlich aussehen).

    Newbie an sich ist dabei eigentlich kein Wort, das nur im Gaming-Bereich verwendet wird, sondern ist z.B. auch im “normalen” englischen Sprachgebrauch zu finden. Als Beispiel wäre da die Fernsehserie Scrubs aufzuführen, in der der Chefarzt seinen strebsamen Schützling im englischen Originalton den Spitznamen “Newbie” gegeben hat (was meistens von einem Heranpfeiffen, wie bei einem Hund, begleitet wird). Im deutschen wurde dies mit “Flachzange” übersetzt, was ein bisschen merkwürdig ist, allerdings den arroganten Charakter unterstreicht.

    Generell wird in Communities, die technisches Können voraussetzen, gerne das Wort Newbie (inkl. der Abwandlungen) verwendet, da meist eine lange Einarbeitungszeit (streben!) und hohe Affinität mit dem Thema verlangt wird. Daher macht es den Leuten, die in dem jeweiligen Bereich viel können, besonderen Spass jene Leute, die versuchen auf das gleiche Niveau zu kommen, es aber nicht schaffen, trotzdem als Neuling zu bezeichnen, ungeachtet dessen, wie lange sie es schon versuchen.

    Oder im Gaming Slang: Ich hab nen Clanwar, zieh die Gegner zu Null ab, obwohl sie länger dabei sind als ich und um sie noch ein bisschen zu flamen/ragen, bezeichne ich sie als Naps!

    Das heißt, sie sind schlecht/durchschnittlich, obwohl sie sich Mühe geben. Da die meisten Gamer doch eher jünger sind und noch zur Schule gehen, läßt sich dieses Prinzip entsprechend gut auf Mitschüler anwenden.

    Vergleichbare Beispiele von Wörtern, die aus dem Gaming-Bereich kommen, aber auch in der Schule verwendet werden, wären:
    - “Cheater” für jemanden, der bei Arbeiten etc. bescheisst
    - wenn man Mitschüler oder Lehrer bewußt provoziert und dazu bringen will, dass sie austicken, dann “raged” man ihn
    - wenn man jemanden beleidigt, dann ist das “flamen”
    - wenn man jemandem z.B. aus Langeweile die guten alten Papierkügelchen an den Kopf schnippst und trifft, dann ist das ein “Headshot” oder “Header”

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