Archive for Februar, 2009

11.02.2009 von Detlef Guertler
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Wikipediade

von Detlef Guertler

Noch nie wurde hier ein Neuwort aufgenommen, für das es bei Google bereits so viele Treffer gibt: nämlich mehr als 1,3 Millionen.

Was aber schlicht daran liegt, dass Google nicht zwischen wikipedia.de und Wikipediade unterscheiden kann. Okay, war bisher nicht nötig, weil es die Wikipediade noch gar nicht gab. Aber jetzt ist sie bei Stefan Niggemeier in den Kommentaren aufgetaucht, wo sie für den zu schweren Medienkrisen führenden Scherz verwendet wurde, dem neuen Wirtschaftsminister mit den vielen Vornamen in seinen Wikipedia-Eintrag noch einen “Wilhelm” einzuschieben (Bekennerbrief im Bildblog, Debatten eigentlich überall).

Natürlich ist die Wikipediade der Köpenickiade nachempfunden, die mit dem Schuster und dem Hauptmann. Ich mag statt der Wikipediade eigentlich das hier empfohlene Bügelbrett für solche vorsätzlich-frechen Wikipedia-Manipulationen lieber – aber weil der Vorschlager bei Herrn Niggemeier ein auch hier gerne und oft gesehener Zyklop ist, stelle ich die Wikipediade natürlich gerne zur Diskussion.

10.02.2009 von Detlef Guertler
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Verzettelwirtschaft

von Detlef Guertler

Heute als Überschrift in der FTD. Wenn’s so da steht, sieht es aus, als hätten das schon viele geschrieben. Hat aber noch keiner. Umso besser für die FTD. Ob man dieses Wort wirklich zur Beschreibung von Merkels Wirtschaftspolitik verwenden sollte, ist zumindest diskussionswürdig – aber für den Zustand der CSU passt es umso besser und nachhaltiger.

10.02.2009 von Detlef Guertler
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Evolutionierung

von Detlef Guertler

Obiges Wort habe ich gerade in einem Manuskript geschrieben und bin erst nach dem Schreiben darüber gestolpert. Gibt’s das überhaupt? Nachgoogeln zeigte: Gibt es schon, aber ganz selten, nur 92 Treffer, und Google fragt auch gleich: “Meinten Sie Revolutionierung?” Nein, meinte ich nicht: Bei der Revolutionierung bricht alles von jetzt auf nachher um und kümmert sich nicht um die vorgefundene Situation, bei der Evolutionierung entwickelt sich etwas aus eben jener Situation heraus und nimmt sich die Zeit, die die Umstände jeweils erlauben. Evolutionierung wäre also viel angenehmer als Revolutionierung, aber sie scheint die Massen nicht so wirklich zu begeistern.

(Apropos Massen: Der schönste der 92 Evolutionierungstreffer stammt aus dem INKOTA-Brief 3/2001 (pdf) und geht wie folgt: “Vor gut dreißig Jahren rief Rudi Dutschke “Die Revolutionierung der Revolutionäre ist die Voraussetzung für die Revolutionierung der Massen” auf den überfüllten Versammlungen im Dahlemer Otto-Suhr-Institut. Zeitgemäß müsste wohl heute… weiter lesen

09.02.2009 von Detlef Guertler
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Intellektuellenschmiede

von Detlef Guertler

So nennt Klaus Jarchow den Suhrkamp-Verlag, ja sogar “größte deutsche Intellektuellenschmiede”. Und jetzt sitze ich hier und kaue darauf herum. Folgender Zwischenstand:

1. Eine Intellektuellenschmiede müsste Intellektuelle schmieden, also aus etwas, das vorher nur ein Rohstoff war, ein gebrauchsfertiges Endprodukt machen. Das macht Suhrkamp zwar mit Büchern, aber meines Wissens nicht mit Menschen – hier wird niemand zum Intellektuellen gemacht, sondern maximal bereits vorhandene Intellektuelle einem größeren Personenkreis als solche bekannt gemacht. Womit Suhrkamp immerhin so manches Intellektuellen-Image geschmiedet hat. Größte deutsche Intellektuellenimageschmiede könnte also hinkommen, obwohl Rowohlt, der Spiegel oder die taz möglicherweise mithalten können, kommt ganz drauf an, wie man die Intellektuellen definiert.

2. Wenn überhaupt jemand Intellektuelle schmieden kann, dann eigentlich nur eine Bildungs- oder Ausbildungsstätte, also Schulen, Universitäten oder Akademien. Die Henri-Nannen-Schule ist beispielsweise eine Journalistenschmiede.

3. Noch eigentlicher ist das Entscheidende aber vermutlich nicht die Schmiede, sondern der Schmied: Intellektuelle werden nicht von… weiter lesen

08.02.2009 von Detlef Guertler
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Nub

von Detlef Guertler

“Ich hab’ ein Wort für dich”, sagt Leonie, als sie endlich wieder auf unserer Terrasse in Marbella sitzt (Winterferien in Sachsen): “Nub.” – “Nub? Was soll das denn sein?” – “So nennen wir in Afra jemand, der zwar ganz viel für die Schule lernt, aber trotzdem nicht wirklich gut ist.” – “Also sowas wie ein Streber, aber mit durchschnittlichen Noten?” – “Genau.” – “Nub oder Noob?” – “Weiß ich nicht, wir haben das noch nie geschrieben, sondern nur gesagt.” – “Selbst erfunden oder von irgendwo übernommen?” – “Keine Ahnung, kannst ja mal googeln.”

Also google ich. “Noob” (gesprochen Nuhb) gibt es: als Abkömmling des Newbie, der wiederum ein Neuwort für einen Neuling ist. ”Nub” (gesprochen Nabb) gibt es auch: als Kernstück, aber auch als Knopf oder Noppe. Beides stimmt nicht mit der von Leonie genannten Bedeutung überein. Muss es aber auch nicht, wer von uns kennt sich… weiter lesen

07.02.2009 von Detlef Guertler
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Austrittsprivileg

von Detlef Guertler

Falls Sie erwägen sollten, wegen der derzeit etwas ungeschickten Kommunikationspolitik des Vatikan aus der katholischen Kirche auszutreten: Seien Sie sich darüber im klaren, dass Sie zu einer kleinen, privilegierten Gruppe gehören. Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man aus dieser Kirche austreten, sagt Eberhard von Gemmingen, der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan: “In anderen Ländern ist dies gar nicht möglich, weil die Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann.”

Seien Sie sich Ihres Austrittsprivilegs also bewusst – und nutzen Sie es!

06.02.2009 von Detlef Guertler
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Schönheitsregen

von Detlef Guertler

Im strömenden Regen barfuß und mit hochgekrempelter Hose auf der Dachterrasse geschuftet, um den Abfluss wieder freizubekommen und damit den See trockenzulegen, der sich auf dem Dach gebildet hatte und durchs Mauerwerk ins darunter liegende Schlafzimmer tropfte. Durchgefroren (ja, auch in Marbella kann es kalt sein) sitze ich am Kamin und entbibbere mich langsam. Clemens kommt zu mir und kuschelt sich an. “Ich mag Regen nur, wenn es Schönheitsregen ist.” – “Schönheitsregen?” – “Ja, so ein ganz leichter, weicher Regen. Den mag ich.”

Doch, da kann man drüber reden. Aber wenn ich mir so die Decke in unserem Schlafzimmer anschaue: Die knapp 200 Millimeter Niederschlag, die in dieser Woche über Marbella niedergingen, sind ganz bestimmt kein Schönheitsregen gewesen.

05.02.2009 von Detlef Guertler
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bullschittig

von Detlef Guertler

Im Stilstand schreibt Klaus Jarchow über Bullshit, sucht dabei ganz offensichtlich nach dem passenden Adjektiv dazu – und landet schließlich bei “bullshittig”, genau wie hier in Anführungszeichen gesetzt.  Eine ordentliche Wahl, weil das englische Ursprungs-Substantiv noch erkennbar ist, aber das Adjektiv ganz normaler deutscher Grammatik unterliegt: bullshittig, bullshittiger, am bullshittigsten. Im deutschen Internet gibt es dafür immerhin 85 Treffer.

Aber wie oft in solchen Fällen gibt es Alternativen. Man kann am Bullshit kleben, und deshalb bullshitig schreiben (39 Google-Treffer), oder man greift zur radikaleren Eindeutschung und kauft ein c. Dann sieht der Bullschitt zwar nicht mehr wie Bullshit aus, aber das Wort wird wenigstens so geschrieben wie gesprochen.

Noch gibt es keinen Treffer dafür – echt bullschittig das!

04.02.2009 von Detlef Guertler
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Krisland

von Detlef Guertler

Sorry, liebe Kollegen von der FTD, dass ich Krislands ersten Auftritt bei euch vor einer Woche verpasst hatte. Damals hieß es noch “Rettung für Krisland”, aber natürlich ließt ihr Experten skeptisch über die Rettung sein. Heute heißt es dann “Krislands Jet-Set-Konzern ist pleite”, und dafür braucht ihr auch keine skeptischen Experten mehr bemühen.

Und wie nennt ihr es, wenn die isländische Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kaupthing-Gläubigern nicht nachkommen sollte? Fiesland?

03.02.2009 von Detlef Guertler
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Bad bank

von Detlef Guertler

Die Macher der Rubrik “Das Kapital” in der Financial Times Deutschland wurden hier schon mehrfach so hoch gelobt, dass wir hier geradezu den Eindruck haben, dass uns jetzt erstmals ein Ball zurückgespielt wurde. Und zwar mit folgendem Satz:

Mit Blick auf das Amüsement der britischen Finanzpresse über den Umstand, dass die Deutschen partout kein eigenes Wort für diese Schrottbank finden, hier daher ein Vorschlag: Bank für angelsächsischen Kredit.

Es geht, natürlich, um die Bad Bank, und es geht, natürlich, so nicht, werte Kollegen: Das mag zwar inhaltlich ziemlich richtig sein, aber “Bank für angelsächsischen Kredit” ist als Wort schlicht unbrauchbar. Nun ist zwar “Kreditanstalt für Wiederaufbau” auch nicht viel besser, aber das ist lange her, und solange es noch darum geht, über das Für und Wider einer solchen Bad Bank zu debattieren, muss etwas knackigeres her.

Was gibt es denn da schon im Angebot?

Schrottbank, wie von den… weiter lesen