31.03.2009 von Detlef Guertler
Gefahr im Verzug! Der Playmobil-Hersteller Geobra will Pfarrer Markus Bomhard aus Wiesenbach im Taunus verbieten, seine mit Playmobil-Figuren dargestellten Bibel-Erzählungen weiter Playmo-Bibel zu nennen. Er war deshalb schon gezwungen, auf den Namen Klicky-Bibel umzustellen.
Das geht natürlich gar nicht. Deshalb ist die wohl eleganteste Lösung für das Problem, die Playmobibel schlicht in den deutschen Wortschatz aufzunehmen – dann kann auch keiner mehr dagegen klagen. Also: Mitmachen!
(über turi2)
30.03.2009 von Detlef Guertler
Sachen gibt’s…
Die Bakteriengattung Wolbachia zum Beispiel, die in den Zellen von Insekten lebt und nur von Weibchen weitergegeben werden kann, weshalb sie die Insekten-Männchen kurzerhand schon im Ei tötet oder in Weibchen verwandelt.
Oder die polynesische Schmetterlingsart Hypolimnas bolina, die sich kürzlich innerhalb weniger Generationen von einer Wolbachia geschuldeten fast völligen Entmännlichung so erholt hat, dass sich wieder ein praktisch ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter eingestellt hat. Es scheint eine wolbachiaresistentes Gen aufgetaucht zu sein, das sich entsprechend schnell verbreitet hat. Das sei “der rascheste evolutionäre Wandel, der je beobachtet wurde”, meint jener Sylvain Charlat, der ihn beobachtet hat.
Und wie findet man so was? Wenn man danach sucht, ob schon mal jemand das Wort Blitzrettung verwendet hat, das dieser Tage immer wieder auftaucht, wenn es um Opel geht – ja ja, die mit dem Blitz auf dem Kühlergrill, das… weiter lesen
29.03.2009 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
Heute Nacht war’s wieder mal soweit: Die Uhren wurden umgestellt – aus Winterzeit wurde Sommerzeit.
Die meisten Menschen stecken den kleinen Zeitsprung ohne Beeinträchtigung weg. Doch nicht alle. Mehrere Bekannte von mir (vielleicht auch einige Wortistik-Leser?) tun sich schwer damit. Kommt die Sommerzeit, so klagen sie über Müdigkeit und Leistungsschwäche, über Stimmungstiefs und Mangel an Appetit. Wenigstens für einige Tage; danach sind sie wieder im Lot.
Wie nennt man solch eine Empfindlichkeit? Ich schlage den Ausdruck „Uhrenfühligkeit“ dafür vor. Ich weiß nicht, ob es schon einschlägige medizinische Untersuchungen des Phänomens gibt. Jedenfalls müsste die Uhrenfühligkeit sauber gegen die weitaus gravierendere Frühjahrsmüdigkeit abgegrenzt werden, die in diesen Wochen ja ebenfalls grassiert.
Eine Art kleiner Jetlag ist es schon, dem wir uns zweimal im Jahr aussetzen, im Frühling und im Herbst. Doch die Beschwerden im Herbst fallen gelinder aus; seltener vernimmt man Klagen von uhrenfühligen Menschen. Kunststück: Denn dann… weiter lesen
28.03.2009 von Detlef Guertler
Anatol Stefanowitsch hat im Bremer Sprachblog einen Versuch der Neuwortschöpfung mittels Wikipedia aufgespürt und nachrecherchiert: Der Nutzer mit der IP-Adresse 85.178.31.116 hatte dort am 21. Mai 2007 das Wort Beitragsersuch als deutsche Übersetzung für “Call for Papers” eingeführt und diesen Verstoß gegen eine Wikipedia-Grundregel (keine eigenen Forschungsergebnisse einstellen) dadurch kaschiert, dass er am gleichen Tag an vier anderen Stellen im Netz dieses Wort unter verschiedenen Namen untergebracht hatte. So geht’s natürlich nicht, weshalb der Begriff auch binnen Stunden aus Wikipedia getilgt wurde.
Andererseits: Zu den Verben besuchen und versuchen gibt es die männlichen Substantive Besuch und Versuch. Zum Verb gesuchen gibt es das sächliche Substantiv Gesuch, zum Verb suchen das weibliche Substantiv Suche und zu den Verben heimsuchen, untersuchen und noch einmal versuchen die weiblichen Substantive Heimsuchung, Untersuchung und Versuchung. Warum gibt es kein Substantiv, welchen Geschlechts auch immer, zu den Verben… weiter lesen
27.03.2009 von Detlef Guertler
Im Tagesspiegel verwendete Hartmut Wewetzer dieser Tage den Umweltismus in Anführungszeichen:
Einiges spricht dafür, dass es sich bei der Anti-Gentechnik-Lobby um eine quasireligiöse Bewegung handelt. Der Schriftsteller Michael Crichton brachte das 2003 auf den Punkt. „Heute ist der ,Umweltismus’ (environmentalism) eine der mächtigsten Religionen der westlichen Welt“, sagte Crichton in einer Rede. In der sehnsuchtsvollen Vorstellung der „Umweltisten“ existierte in ferner Vergangenheit ein Garten Eden, in dem der Mensch in Einheit mit der Natur lebte.
Und schon vor anderthalb Jahren hatte Michael Stephan auf die Lücke aufmerksam gemacht, die im Deutschen besteht, wenn man environmentalism übersetzen möchte:
Für die hier von <Vaclav> Klaus intendierte eher negative Bedeutung als „-ismus“, also im Sinne von in etwa „Umweltismus“, existiert keine deutsche Entsprechung, daher verwende ich das englische Wort unübersetzt.
Nun mag den Deutschen, zumindest den meisten von ihnen, unbenommen sein, Umweltbewegtheit als etwas rundum Positives zu verstehen.… weiter lesen
25.03.2009 von Detlef Guertler
Ein hübsches Wort, das sich der Berliner Mobilitätsforscher Andreas Knie da in der neuen Ausgabe der von mir chefredigierten Zeitschrift GDI Impuls ausgedacht hat.
So wie das Autofahren mit dem Navi vereinfacht wurde, könnte das Handy zu einem Navigationsgerät für den öffentlichen Verkehr, zu einem NavÖ, werden.
Denn mein Handy weiß ja, wo ich gerade bin – und wenn ich ihm sage, wo ich als nächstes hinwill, kann es mir doch eigentlich den schnellsten, bequemsten und/oder billigsten Weg dorthin weisen.
Dafür müssten nur die ÖPNV-Unternehmen und die Mobilfunker sich in irgendeiner Form einig werden, wie so etwas technisch und finanziell gehen kann. Leider entsteht dabei ein Kulturkonflikt, etwa so tief wie der Marianengraben.
Wer es schafft, diesen Graben aufzufüllen, könnte allerdings eine völlig neue Branche schaffen, global einsetzbar und für jeden von Nutzen, von der Umwelt ganz zu schweigen. Vielleicht ist das passende Wort,… weiter lesen
24.03.2009 von Detlef Guertler
“Wir brauchen Ordnung in der Globalisierung”, sagte Horst Köhler in seiner heutigen Berliner Rede, wobei er sich diese Ordnung nicht so sehr als Aufräumen des globalen Wohnzimmers denkt, sondern eher als Befüllung des globalen Ladenregals:
Diese Ordnung muss dafür sorgen, dass globale öffentliche Güter wie internationale Finanzstabilität, Begrenzung der Erderwärmung und die Gewährleistung freien, fairen Handels gemeinsam definiert und bereitgestellt werden.
Und weil Ordnungspolitik eine echte deutsche Spezialität ist, gilt das bestimmt auch für die noch zu entwerfende Globalisierungsordnungspolitik. Mal sehen, ob nach dieser Krise noch genügend Globalisierung übrig bleibt, die man ordnen könnte.
Mein Lieblingssatz aus der Köhler-Rede lautet übrigens: “Die Weltwirtschaft ist deutlich unterversichert.”
24.03.2009 von Detlef Guertler
Da sind wir gespannt: «Die Gratis-Blase wird demnächst unter unseren Augen platzen», sagt Edwy Plenel, Chefredakteur des werbefreien französischen Online-Magazins Mediapart, das nach dem ersten Jahr seines Bestehens auf 17.200 zahlende Abonnenten gekommen sein will.
Eigentlich passen die beiden Wortbestandteile nicht wirklich zusammen. Gratis sind Medien (und um diese Branche geht es hier ja) dann, wenn sie komplett durch Anzeigen finanziert werden und/oder wenn der Anbieter bewusst Verluste in Kauf nimmt, etwa um einen Konkurrenten aus dem Markt zu drücken. Um zu einer echten Blasenbildung zu kommen, müsste das Gratis-Angebot mit der Hoffnung auf in Zukunft drastisch steigende Erlöse verbunden sein: Ich verschenke mein Produkt jetzt (oder lasse es klauen), damit ich so viele Marktanteile gewinne, dass ich später Monopolist und dann auch Milliardär werde.
Mit dieser Strategie erfolgreich war beispielsweise Ebay. Aber auch der Siegeszug der Microsoft-Textverarbeitung Word hängt stark damit zusammen: Ursprünglich war Wordstar… weiter lesen
22.03.2009 von Detlef Guertler
Intelligence kann auf Deutsch Intelligenz oder Klugheit heißen, aber auch Geheimdienst oder Aufklärung. Jetzt wäre es schön zu wissen, welche dieser Übersetzungen im Markennamen “Vanish Oxi Action Intelligence” gemeint ist – um den in diesem Produkt seit kurzem enthaltenen Fleckenfinder besser verstehen zu können.
Wenn Intelligence eher Aufklärung bedeutet, können wir uns den Fleckenfinder als eine Art Navi in der Waschlauge vorstellen: Dem Tensid wird der Weg zum nächstgelegenen Schmutzpartikel gewiesen.
Wenn Intelligence eher Klugheit bedeutet, kommt das Waschmittel ohne solche Hilfsmittel aus – es ist ja selbst klug genug, um den Schmutz lokalisieren und zerstören zu können. Dann dürfte es auch nicht mehr lange dauern, bis die ersten Waschmittel an IQ-Tests teilnehmen.
Und wenn Intelligence eher Geheimdienst bedeutet, dürfen wir uns den Dosierlöffel als eine Art Schlapphut vorstellen, den sich das Tensid aufsetzt, um den verschmutzten Stoff in seiner Gesamtheit zu erkunden. Allerdings würde davon das Gewebe… weiter lesen
21.03.2009 von Detlef Guertler
Gerade zurück aus dem Restaurant “garum” an den Strandpromenade von Marbella. Diesmal haben wir das Hauptgericht ausgelassen und uns auf die Nachspeisen konzentriert: Sechs davon, mit sehr exotischen Namen und Rezepten, kamen im Verlauf des Abends zusammen – mindestens vier davon echte Treffer.
Auf einen Namen dafür konnten wir uns nicht einigen. “Dessert tasting”, meinte unser Besuch, aber ich plädierte dringend für die an die Weinprobe angelehnte Dessertprobe. Das Prinzip ist jedenfalls empfehlenswert, unabhängig davon, wie man es nennt.