Archive for Mai, 2009

12.05.2009 von Detlef Guertler
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überliberal

von Detlef Guertler

Wird jemand als “ultraliberal” bezeichnet, wie es Nicolas Sarkozy gelegentlich passierte, so sagt das weniger über dessen eigenen Standpunkt aus als vielmehr etwas über den des Bezeichnenden. Der ist nämlich konservativ oder sozialistisch oder sonst etwas, aber ganz bestimmt nicht liberal – ihm passt die ganze Richtung nicht, und deshalb haut er drauf. So ähnlich wie einst der auch wenig erfolgreiche Versuch der DDR, die “Bonner Ultras” als Kriegstreiber zu diffamieren.

Doch wenn einem die Richtung irgendwie schon passt, aber trotzdem übertrieben vorkommt, dann darf man es mit jenem Adjektiv versuchen, das der Schweizer Club-Betreiber Carl Hirschmann verwendete, nachdem er mal ausprobierte, wie sich die Mai-Krawalle in Zürich so anfühlen und prompt eine Ladung Gummischrot ins Gesicht bekam: “Ich vertrete die Meinung, dass unser ‹überliberales› Kapitalismussystem langfristig zum Aufstand der Arbeitskräfte führt. Schlimmstenfalls auch zur Revolution.”

Das wäre nun in der Tat für die Schweiz eine… weiter lesen

10.05.2009 von Detlef Guertler
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omnipatent

von Detlef Guertler

“Insgesamt 22 Auftritte hatte die omnipatente Familienministerin Ursula von der Leyen seit November 2005 in TV-Talkshows”, schreibt uns Peter Turi heute morgen. Und schenkt uns damit ein wunderhübsches Wort zum Muttertag. Denn omnipatent ist nicht nur inhaltlich präziser als “allgegenwärtig”, und nicht nur moderner als “Hansdampf in allen Gassen”, und nicht nur eleganter als “multifunktional einsetzbar”, nein, omnipatent ist geradezu die Leiteigenschaft jener Millionen von Menschen, die alles auf einmal und gleichzeitig können müssen, die dabei nie die Nerven verlieren dürfen und immer ein freundliches Wort auf den Lippen haben müssen – der Mütter also.

Steckt darin nicht eigentlich der ganz tiefe, geradezu genetisch-urwüchsige Unterschied zwischen den Geschlechtern? Des Mannes Streben nach Macht, Ruhm, und dem ganz großen Mammut, und jenem der Frau, in jeder Situation den Laden und die Sippe am Laufen zu halten? Hie das Ideal der Omnipotenz, da jenes der Omnipatenz. Ist jener sagenumwobene kleine… weiter lesen

06.05.2009 von Detlef Guertler
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Stromautobahn

von Detlef Guertler

Ich habe dieses Wort erstmals in der heutigen FTD gelesen, wo damit das bezeichnet wurde, was man früher Überland- oder Hochspannungsleitung nannte. Aber offenbar wird das Wort Stromautobahn seit etwa drei Jahren immer häufiger verwendet, und auch immer häufiger ohne die anfangs gerne hinzugefügten Anführungszeichen. Der älteste Beleg, den die Google-Archivsuche findet, stammt übrigens aus einer Überschrift der Stuttgarter Zeitung vom 2. Juli 1997.

Ich finde Stromautobahn gut. Da ist sofort klar, dass es sich um dicke Kabel für jede Menge Strom handelt, der ganz weit weg transportiert wird. Überlandleitung klingt im Vergleich dazu miefig, und Hochspannungsleitung zu technisch. Möge also die Stromautobahn sich durchsetzen.

Und wenn man schon dabei ist, kann man doch auch andere Infrastrukturnetze autobahnisieren. Dann könnten die Sprachschützer endlich den Anglizismus Pipeline entsorgen, und nur noch von Öl- oder Gasautobahn sprechen.

03.05.2009 von Detlef Guertler
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Frühwarner

von Detlef Guertler

Schon lange denke ich darüber nach, wie man Kassandra neutral benennen könnte: Eine Kassandra sieht ja alles Unheil voraus, nur ist sie mit Apollons Fluch behaftet, so dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenkt. Heute kam ich drauf, als ich bei Nouriel Roubini die Liste jener Ökonomen (ja, sogar Wirtschaftsjournalisten sind darunter) las, die wie er selbst rechtzeitig auf einen oder mehrere jener Aspekte hingewiesen hatten, die sich zur aktuellen 2. Weltwirtschaftskrise zusammenballten:

- Robert Shiller was one of the earliest ones to study in detail and warn about a housing bubble;
- Kenneth Rogoff and a few other economists warned early on about the unsustainability of the US current account deficits and of the global imbalances;
- Raghu Rajan presented one of the earliest and sharpest analyses of the agency problems and incentive distortions deriving from  compensation schemes in financial institutions; Nassim Taleb and a few
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02.05.2009 von Detlef Guertler
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Komparaparativ

von Detlef Guertler

Hatte ich hier eigentlich schon von Charlie & Lola erzählt, meiner derzeitigen Lieblingskinderserie? Ja, hatte ich. Aber dabei noch nicht Lolas beliebteste grammatische Eigenart erwähnt. Wenn ihr jemand sagt, dass er größer, stärker, schlauer ist als sie (was bei Vierjährigen ja vorkommen soll), antwortet sie regelmäßig: “Ich bin aber viel größerer”, oder eben stärkerer oder schlauerer. Was eine völlig normale Reaktion auf einen Komparativ ist, nur eben in der deutschen Grammatik nicht vorgesehen. Da darf man nur antworten “Ich bin aber noch größer.”

Mal angenommen, die deutsche Grammatik würde Lolas “größerer”-Form offiziell genehmigen: Würde man sie dann Komparaparativ nennen?