Hochdeutscher
von Detlef Guertler“Woher kommt eigentlich der NametutnichtszurSache?”, will Lucie (10) am Frühstückstisch wissen. “Aus Schwaben vermutlich”, antworte ich, “zumindest redet er ziemlich Schwäbisch.” – “Wusst` ich`s doch, dass der kein Deutscher ist”, triumphiert Lucie. “Natürlich ist ein Schwabe ein Deutscher”, protestierte ich, doch Lucie gibt sich nicht so schnell geschlagen: “Aber kein Hochdeutscher.”
Interessanter Ansatz. Als ich in Schriesheim bei Heidelberg aufs Gymnasium ging, gab es dort zwar jede Menge eingeborener Kurpfälzer, darunter auch einige, die in breitestem Kurpfälzisch kommunizierten, aber so etwa ab der 8. Klasse wurden letztere immer seltener – beim Abitur waren die Hochdeutschen unter sich. Vermutlich lässt sich auch heute noch ähnliches erleben. Zumindest für soziolinguistische Studien (und Gürtlersche Frühstücke) müsste das Substantiv Hochdeutscher also eigentlich brauchbar sein.
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Neben dem “NametutnichtszurSache” besteht die Frage nach dem „NameistSchallundRauch“. – Wobei wir nicht bei schwäbischen oder hohenlohisch-pfälzischen Dialekterscheinungen landen, sondern zu Fausts (also Goethes) pantheistischem G l a u b e n s – Bekennntis und Sprachbewusstsein be- oder aufgerufen sind:
„Gefühl ist alles: / Name ist Schall und Rauch, / Umnebelnd Himmelsglut.“
Das eine ist eine lokale Angelegenheit; das andere eine globale, ja transzendentale.
Apropos Goethe. Der sagte zu diesem Thema: “Jede Provinz liebt ihren Dialekt; denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.” Ich hoffe doch sehr für alle Nur-Hochdeutschen, dass ihre Seele gut durchlüftet ist! Andererseits ist Hochdeutsch ja nicht das Gegenteil von Dialekt, sondern das Gegenteil von Niederdeutsch …