31.07.2009 von Detlef Guertler
“Ich möchte ein neues Verb in die deutsche Sprache einführen”, beantragt der sehr verehrte Klaus Jarchow, das Konken eben, benannt nach dem gleichnachnamigen DJV-Vorsitzenden, der häufig irgendwie merkwürdige Sätze zum Internet von sich gibt.
Ich kann mich diesem Antrag nicht anschließen. Viel zuviel der Ehre – die Quasi-Unsterblichkeit eines eigenen Wortes gönne ich Herrn Konken nicht. Die deutsche Sprache ist zudem nicht allzu offen für die Verbalisierung von Nachnamen. Mir fallen nur zwei Beispiele ein: das Müllern nach Torjäger Gerd Müller (“plötzlich müllert’s vor dem Kasten, das Volk schreit Uwe, wie mir scheint, da schießt der Müller glatt daneben, denn er war ja nicht gemeint”, dichtete Fredl Fesl), und das Verballhornen nach dem Lübecker Buchdrucker Johann Ballhorn.
Hab’ ich noch ein Verb übersehen? Ach ja: Das Mauzen. Denn “Mauzen Sie nicht!” gab uns der ebenfalls sehr verehrte Wolf Schneider mit auf den Weg, als… weiter lesen
29.07.2009 von Detlef Guertler
“Wir müssen weg von der Klickschinderei”, forderte gestern Christiane Schulzki-Haddouti, und wohl nicht ganz unabhängig davon fiel auch der FTD auf, dass der “Klickschinderei Grenzen gesetzt” werden.
Zuerst erschien mir dieses bislang recht selten verwendete Wort für das Erzielen möglichst multipler Page Impressions klar zu sein. Aber dann fremdelte es doch. Denn was werden wohl die meisten Leute bei einem Wort mit -schinderei assoziieren? Richtig: den Leuteschinder. Wer Klicks schindet, tut demanalog ihnen also Gewalt an. Dabei wird die Gewalt eigentlich den Lesern angetan, die die ganze Klickerei auf sich nehmen müssen.
Nur eine Berufsgruppe assoziert mit der -schinderei etwas ganz anderes: Journalisten. Ihnen ist nämlich die Zeilenschinderei höchst präsent, das Auswalzen nichtsnutziger Inhalte, um die gewünschte Textlänge zu erreichen.
Wer also, wie Fiete Stegers, Stefan Niggemeier oder Christiane Schulzki-Haddouti, in Fachblogs und anderen Fachmedien über Klickschinderei parliert, kann nicht… weiter lesen
21.07.2009 von Detlef Guertler
“Oh nein, nicht schon wieder Schnarchwasser”, stöhnt meine Frau, als ich mir des Geschmacks wegen eine Kleinigkeit Wein in das Wasserglas gieße. Sie ist davon überzeugt, dass spätabendlicher Alkoholgenuss meinerseits zu schnarchbedingter Schlaflosigkeit ihrerseits führt.
Ich kann das zwar schlecht beurteilen: Ob mit oder ohne Alkohol schlafe ich bestens – wenn nur diese ewigen Rippenstöße meiner Frau nicht wären, die mich immer wieder aus der Rücken- in die Seitenlage befördern will. Aber Schnarchwasser ist für diese Situation sicherlich ein angemessenes Wort.
20.07.2009 von Detlef Guertler
Der Unmut gegen hoch bezahlte und noch höher abgefundene Manager hat gerade eine Landesregierung gekippt und wird nach dem Abgang von Wendelin Wiedeking noch eine ganz neue Dimension erreichen. Und das mitten im a) Sommerloch und b) Wahlkampf. Da ist es ebenso logisch wie begrüßenswert, dass diesen einzigartigen Führungskräften auch einzigartige Vokabeln zur Seite gestellt werden. Wie eben der Gierlappen, den sich SPD-Mittelbänkler Joachim Poß einfallen ließ.
Anders als meist berichtet, meinte Poß damit nicht nur Wiedeking, sondern, ganz vorausschauend, den Porsche-Chef lediglich als pars pro toto:
„Der Mann hat objektiv versagt und Milliarden in Sand gesetzt“, sagte Poß der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Diese Gierlappen sind dabei, die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft zu zerstören.“
Ob Oskar Lafontaine uns daraus auch noch den Gierlappitalismus bastelt?
18.07.2009 von Detlef Guertler
Klingt ziemlich hässlich, diese Kombination aus zwei ohnehin schon unangenehmen Lebewesen. Und genau so hässlich hat es Matt Taibbi auch gemeint, als er im “Rolling Stone” über Goldman Sachs schrieb:
“The world’s most powerful investment bank is a great vampire squid wrapped around the face of humanity, relentlessly jamming its blood funnel into anything that smells like money.”
Schlimmer geht’s nimmer, oder? Aber Wortistik-Leser Ingolf Hetzel, der die Vampirkrake im Handelsblatt gefunden hat, hat sie auch in echt entdeckt. Und, mal ehrlich, auf dem einen Bild sieht die Vampirkrake gar nicht so schlimm, und auf dem anderen Bild fast schon niedlich aus – für dieses Tier ist es also geradezu eine Beleidigung, mit Goldman Sachs in einem Atemzug genannt zu werden.
17.07.2009 von Detlef Guertler
Ein interessantes Problem, das sich da bei Porsche ankündigt. Und das der Wortist inhaltlich punktgenau bereits im Dezember 2007 voraussagte - wenn auch zeitlich etwas unpräzise, nämlich nicht für Juli 2009, sondern bereits für Juni 2008:
Knalleffekt im Hause Porsche: Wendelin Wiedeking verlässt die Kommandobrücke. Offiziell wurde ihm der Absatzeinbruch in den USA und die weltweit sinkende Nachfrage nach dem Breitwagen Cayenne zum Verhängnis – tatsächlich war es wohl das Veto, das der Porsche-King gegen den Kompromiss einlegte, den Ferdinand Piëch mit dem wiedergewählten Christian Wulff ausgehandelt hatte: Niedersachsen gibt seinen Widerstand gegen die Fusion von VW und Porsche auf, wenn dafür die neue Holding in Wolfsburg angesiedelt wird. Wiedekings Abfindung ist die erste in der Unternehmensgeschichte, die mehr als 100 Mio. Euro beträgt.
Mehr als 100 Millionen, das wil jetzt auch die Süddeutsche gehört haben. Und das für einen Manager, der das ihm anvertraute… weiter lesen
17.07.2009 von Detlef Guertler
So nennt Patrick Beuth in der Frankfurter Rundschau Sascha Lobo, weil er sich als Werbefigur an Vodafone verkauft habe. “Ausgerechnet Sascha Lobo, dieses Wesen, das doch bislang halb Mensch, halb iPhone war.”
Das ist allerdings gleich aus diversen Gründen völlig unrichtig:
Erstens muss man ein verflucht kurzes Gedächtnis haben, um Herrn Lobo nur mit dem iPhone in Verbindung zu bringen – der war auch schon lange vor jenem Stückchen Hardware genau das gleiche Wesen wie heute.
Zweitens muss man ein absolut überhaupt gar nicht vorhandenes Gedächtnis haben, wenn man Herrn Lobo jetzt vorwirft, sich zu verkaufen – als ob er jemals etwas anderes gemacht hätte. Neuigkeitswert hat allenfalls, dass er es diesmal zu einem ordentlichen Preis tut (hoffe ich zumindest für ihn).
Drittens, viertens und fünftens lassen wir erst mal weg, aber sechstens ist natürlich das eigentlich feine Wörtchen Netzbeschmutzer auch wortistisch nicht korrekt. Zum Beschmutzer gehört, dass… weiter lesen
14.07.2009 von Detlef Guertler
“Ölspekulanten in Regulierungsangst” hat die FTD ausgemacht. Und das ist nun endlich mal eine Angst, vor der wir keine Angst haben müssen. Wenn es nach uns ginge, dürfte die Zeile auch “Ölkonsumenten in Regulierungsvorfreude” heißen.
12.07.2009 von Detlef Guertler
Wer die Sprache des Engländers benutzt, redet englisch.
Wer die Sprache des Franzosen benutzt, redet französisch.
Wer die Sprache des Polen benutzt, redet polnisch.
Und wer die Sprache des Jargons benutzt? Redet jargonisch, meint Thomas Knüwer (gefunden via Stilstand), und erhebt damit den Jargon in den Stand einer eigenen Sprache. Denn wenn es sich nur darum handelte, eine Sprache wie das Deutsche mit Jargon-Ausdrücken anzureichern, müsste das Ergebnis nicht jargonisch, sondern jargonig heißen.
Gegen das Jargonische als eigener Sprache spricht allerdings, dass es wohl nie ein Wörterbuch Deutsch – Jargonisch geben. Aber, wie “Werbisch – Deutsch” beweist, ließen sich statt dessen annähernd unendlich viele Jargonisch-Wörterbücher produzieren. Sollte ein Verlag diese Serien-Idee aufgreifen wollen, mache ich gerne den Herausgeber.
11.07.2009 von Detlef Guertler
Wenn Eltern drei oder mehr Kinder haben, nennt man sie kinderreich.
Und wenn Kinder drei oder mehr Eltern haben? Nennt man das Patchwork-Familie. Für die Kinder selbst gibt es meines Wissens keinen eigenen akzeptierten Begriff. Da passt elternreich doch hervorragend.