08.07.2009 von Detlef Guertler
Seit langem keinen so spannenden Krimi mehr gelesen wie das Bafin-Protokoll des Rettungsaktions-Wochenendes vom 26. bis 28. September 2008 für die Hypo Real Estate (HRE), das die FTD heute veröffentlicht hat (PDF). Hier wird deutlich, wie nahe das deutsche Bankensystem vor der Kernschmelze stand, und wie ahnungslos die Politik in die Krise hineingerutscht ist. Nur ein paar Auszüge:
Sonntag, ca. 18 Uhr:
<Finanzstaatssekretär> Asmussen erklärt, dass er zunächst Rücksprache mit Minister Steinbrück und dem Bundeskanzleramt halten müsse. Bis morgen sei eine Lösung nicht möglich. <Deutsche-Bank-Chef> Ackermann weist darauf hin, dass das BMF seit Donnerstag Bescheid wisse. Er werde jetzt gehen und sein Institut darauf vorbereiten, dass morgen früh der Interbankenhandel zusammenbrechen werde.
Sonntag, 22.45 Uhr:
Asmussen verlangt eine Entscheidung über das Angebot der Bundesregierung in den nächsten 20 Minuten. Die Verteilung der Lasten <der HRE-Rettung> müsse wie folgt sein: Der Bankensektor müsse die Mehrheit der Kosten… weiter lesen
06.07.2009 von Detlef Guertler
Über Stefan Niggemeier den Grubenhund kennengelernt – als Begriff für das absichtliche Verbreiten von Falschinformationen, mit denen schlecht bis gar nicht recherchierende Journalisten gefoppt werden sollen. Gefällt mir – sowohl das Wort als auch der Vorgang. Anders als das hoaxige Bügelbrett kann der Grubenhund gezielt in der Journalistenausbildung eingesetzt werden, oder gar von einer privaten oder öffentlichen Institution für mediale Qualitätssicherung verwendet werden: Wer einmal einer solchen Falschmeldung aufgesessen ist, wird sich in Zukunft zweimal überlegen, ob er Meldungen ungeprüft übernimmt, nur weil sie ihm plausibel klingen.
Im Jahr 2011 wird der Grubenhund 100 Jahre alt – ein guter Anlass, um ihm zur gebührenden Aufmerk- und Wirksamkeit zu verhelfen.
04.07.2009 von Detlef Guertler
“Ist „Zwangskredit“ ein Neuwort?”, fragt Hertha Langenberg, und verweist auf eine Vorabmeldung der Bild am Sonntag zu einem Interview mit Finanzminister Peer Steinbrück, in der es hieß:
“Für den Fall, dass die Wirtschaft weiterhin nicht ausreichend mit Krediten versorgt werden sollte, kündigte Steinbrück deutlich weitergehende Maßnahmen an: „Wenn es im zweiten Halbjahr zu einer echten Kreditklemme kommen sollte, wird sich die Bundesregierung mit der Bundesbank zusammensetzen und nach Lösungen suchen müssen. Dabei müsste man dann über Maßnahmen nachdenken, die es noch nicht gegeben hat“, sagte der Finanzminister. Auf die Frage, ob er dabei an die Einführung von Zwangskrediten denke, sagte Steinbrück: „Ich will darüber jetzt nicht spekulieren. Aber wir werden alle Anstrengungen unternehmen müssen, die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten sicherzustellen.”
Nun ist der Begriff nicht ganz neu. Er kommt sowohl in Prozessberichten als auch in Kommentaren zur Steuerpolitik als auch in wirtschaftshistorischen Darstellungen… weiter lesen
02.07.2009 von Detlef Guertler
“Ich sag’s Ihnen”, sagt mein Agent Michael Meller, “wenn die Bundestagswahl vorbei ist, werden die Unternehmen reihenweise pleite gehen, so wie Quelle jetzt hätte pleite gehen müssen. Das wird dann eine regelrechte Quellenplage.”
Ganz so schlimm sehe ich das nicht. Ich halte mich an die geschätzten FTD-Kollegen vom Kapital, die behaupten, dass wir nicht so sehr Pleiten, als vielmehr Kündigungen sehen werden: “Dass die Großfirmen in Deutschland nach der Bundestagswahl Massenentlassungen vornehmen werden, pfeifen derweil die Spatzen von den Dächern.” Aber Quellenplage gefällt mir trotzdem.