Archive for August, 2009

30.08.2009 von Detlef Guertler
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homophobphob

von Detlef Guertler

Interessante Frage von Martin Zimny bei Stefan Niggemeier:

“Wenn ich Angst vor Menschen habe, die Angst vor Schwulen haben, was bin ich dann? Homophobphob?”

Auch wenn es derzeit eher wenig Anlass gibt, homophobphob zu sein – allein das Schriftbild dieses Adjektivs ist so großartig, dass es unbedingt hier hergehört.

30.08.2009 von Detlef Guertler
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Währungskasino

von Detlef Guertler

“Australien und Neuseeland werden Währungskasinos”, schreibt die Financial Times Deutschland, und stimmt uns ein auf eine Rückkehr der schlechten noch-gar-nicht-so-alten Zeit, als über die sogenannten “Carry-Trades” insbesondere Hedge-Fonds große Mengen vorwiegend exotischer, vor allem aber hoch verzinster Währungen gekauft hatten, wofür sie sich in Niedrigzins-Währungen verschuldet hatten.

Im vergangenen Jahr landete nicht zuletzt aufgrund solcher Spielchen Island im faktischen Staatsbankrott. Auch jedes andere von Carry-Trades betroffene Währungsgebiet kann kapitalen Schaden nehmen. Erst wird der Wechselkurs in Sphären fernab aller ökonomischen Vernunft nach oben getrieben (weil ja so viele Fonds so ziemlich zur gleichen Zeit einsteigen), um dann, wenn es kracht, umso rapider abzusacken. Denn dann rennen alle Zocker gleichzeitig zum Notausgang: Jeder weiß, dass die Verkaufswelle den Währungskurs implodieren lässt, und damit ansehnliche Buchgewinne in hässliche reale Verluste verwandelt – aber je früher man selbst verkauft, desto besser steht der Kurs noch, desto besser schneidet man also ab, was in… weiter lesen

28.08.2009 von Detlef Guertler
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Gegenauge

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:

Der Jupiter übertrifft alle anderen Planeten an Größe und Masse. Er ist so groß, dass mehr als tausend Erden in ihm Platz fänden, und so schwer, dass noch die Bahn der Sonne merklich durch ihn beeinflusst wird – über eine Entfernung von 780 Millionen Kilometer hinweg. Verschwände die Sonne plötzlich aus dem All, würden die übrigen Planeten ihre Runden um Jupiter ziehen.

Wenn Jupiter erscheint, beherrscht er den Nachthimmel als strahlend helles Gestirn. Kein Wunder, dass er nach dem römischen Götterkönig benannt ist. Nur die Venus und der Mond sind noch heller.

Mit dem Fernrohr blickt man auf eine turbulente Wolkenhülle, die sich in Parallelstreifen von hellen Zonen und dunklen Bändern gliedert, so dass der königliche Planet fast einem Osterei gleicht. Durch seine Atmosphäre wirbeln Stürme von unvorstellbarer Wucht, Gewitter entladen sich mit Urgewalt. Auch der sogenannte „Große Rote Fleck“ auf Jupiters Südhalbkugel ist nichts anderes als… weiter lesen

26.08.2009 von Detlef Guertler
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Geschichtsgymnasium

von Detlef Guertler

“Ich will auch auf so ein besonderes Gymnasium”, fordert Clemens. Der ist zwar mit 8 Jahren noch etwas jung dafür, sieht aber bereits Handlungsbedarf. Seine älteste Schwester Leonie ist vor zwei Jahren auf das Hochbegabtengymnasium St. Afra im sächsischen Meißen abgewandert, und seine andere Schwester Lucie geht ab nächster Woche auf die Salzmannschule, ein Sprachengymnasium im thüringischen Schnepfenthal. 

Nun sind wir im Moment zwar etwas angespannt bei dem Gedanken, das dritte Kind irgendwo zwischen dem mecklenburgischen Greifswald und dem westfälischen Holzwickede unterzubringen, aber natürlich sollte dem Jungen recht sein, was den beiden Mädchen billig ist – schon gar, wenn der Vater gerade ein ganzes Buch lang dafür plädiert, jedem Kind die bestmögliche, individuell zu ihm passende Bildung zu ermöglichen.

“Was soll das denn für ein Gymnasium sein, Clemens?” – “Ein Geschichtsgymnasium natürlich.” Natürlich, was sonst. Wir Eltern schauen uns fragend an: Gibt es sowas… weiter lesen

24.08.2009 von Detlef Guertler
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Head Fake

von Detlef Guertler

Formuliert von den geschätzten Kollegen der Rubrik “Das Kapital” der Financial Times Deutschland:

Am Mittwoch sind wir gleich in zwei Publikationen von US-Brokerhäusern auf einen uns bis dahin unbekannten Terminus technicus gestoßen, der unserer Meinung nach das Zeug hat, in den kommenden Monaten große Karriere zu machen. Es handelt sich um den Begriff “Head-Fake”, den man als Mischung aus Täuschungsmanöver und falschem Frühling übersetzen könnte.
In der Börsenwelt ist ein Head-Fake, wenn ein bestimmter Wert samt geeigneter Indikatoren in eine Richtung tendiert, nur um kurz darauf abrupt in die umgekehrte Richtung zu drehen. Die Analysten der Citigroup benutzen den Ausdruck in einer fast rein charttechnischen Analyse der US-Kapitalmärkte, denen sie mittelfristig verlorene Jahre vorhersagen. Wofür sie allerdings auch fundamentale Gründe finden, die sie im Satz zusammenfassen: “Die Folgen von 25 Jahren Exzess kann man nicht in 12 bis 18 Monaten kurieren.” Und das von der Citigroup, live aus Amerika!

23.08.2009 von Detlef Guertler
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Gießwannenprinzip

von Detlef Guertler

AS Reyntjes macht auf ein Wirtschaftsfeuilleton aufmerksam:

Der Spanien-Korrespondent der FAZ und Autor Paul Ingendaay beschreibt in der FAZ-Krisen-Großtat-Serie „Glossar der Krise“… „Die Gießkanne“, genauer das politisch und kulturell und finanztechnisch diffamierte „Gießkannenprinzip“. Ingendaay meint nicht das wasserspendend-natürliche „grüne Plastikexemplar oder die Edelstahlausführung mit schwanenhalsartig geschwungener Tülle“… – sondern die vermaledeite „öffentlich-redensartlich geschundende Über-all-hingießende Kanne der finanzwirtschaftlichen Verschwendung”.

Womit ja schon rein quantitativ der Gießkanne unrecht getan wird. Für so viele Multimilliarden ist sie nicht geschaffen. Deshalb wäre es vermutlich passender, von einem Gießwannenprinzip zu reden. Das zwar alles ersäuft, aber dafür wenigstens alles gleichermaßen.

20.08.2009 von Detlef Guertler
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Problemathlet

von Detlef Guertler

Schon doof, dass ausgerechnet Raubauz Robert Harting Leichtathletik-Gold für Deutschland geholt hat. So frech, wie er sich mit seinen Sprüchen in den Vortagen benommen hatte, hätten wir ihm doch eigentlich eher einen tragischen Absturz gegönnt. Aber nein, so müssen wir ihn eben bejubeln. Und haben dafür das schöne Wörtchen “Problemathlet” gefunden.

Das man übrigens in doping-verdächtigen Sportarten (also allen bis auf Schach) problemlos in jeden Wettkampfbericht integrieren könnte…

16.08.2009 von Detlef Guertler
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Bildungswunder

von Detlef Guertler

(Vorsicht, schamlose Eigenwerbung)

“Warten auf das Bildungswunder” überschrieb Susanne Meyer im Frühjahr 2003 eine Sammelrezension von Bildungsbüchern in der Zeit. Und danach ging es in ihrem Text weiter mit

“Wird Pisa die Schulen verändern? Wann? Eine Suche nach Büchern, die Mut machen
Darf man ungeduldig werden?”

Das ist jetzt sechseinhalb Jahre her. Pisa hat die Schulen tatsächlich verändert. Und jetzt hat auch das Warten auf Wunder und auf Bücher, die Mut machen, ein Ende. Mein neues Buch “Wir sind Elite. Das Bildungswunder”, das heute erscheint (Gütersloher Verlagshaus, 17,95 Euro) ist ganz bestimmt eins von ihnen. Kleiner Auszug aus dem Vorwort:

Es gibt keine Wunder in der modernen Gesellschaft. Was auch immer geschieht, ist erklärbar, zumindest im nachhinein; und das, was nicht geschieht, erst recht. Wir sind zu aufgeklärt, um noch an Wunder zu glauben.
Und doch passieren sie. Politische, soziale, ökonomische Umwälzungen, die vorher
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15.08.2009 von Detlef Guertler
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Sozialstaatsbesuch

von Detlef Guertler

Wer hätte das gedacht, dass unserem Bundesministerium für Arbeit und Soziales so ein hübsches nettes Wort einfällt? Es klebt mehrfach in der U-Bahn-Station Französische Straße und wirbt dafür, zum nächsten Tag der Offenen Tür der Bundesregierung am 22./23. August in eben jenem Ministerium vorbeizuschauen. Hoffentlich gibt`s da dann auch irgend etwas originelles, und nicht nur die immer gleichen Info-Broschüren.

Übrigens: Wäre das nicht auch ein wunderschönes Motto für die deutsche Tourismuswerbung? Für den gemeinen chinesischen (oder japanischen oder amerikanischen oder spanischen) Touristen ist schließlich das in Deutschland praktizierte Sozialstaatsverständnis etwa genauso unbekannt wie Autobahnen ohne Tempolimit. Im Werbefilmchen dazu lässt man einen Knappen-Chor zur Melodie von Balu`s Dschungelbuch-Klassiker “Probier`s mal mit Solidarität” singen, oder Dieter Bohlen fistelt “You`re my Hartz you`re my soul”, und im 4-D-Kino gibt`s, von Bernd Eichinger geschrieben, von Dieter Ballhaus verfilmt, den Realo-Schocker “Kostendämpfung im Gesundheitswesen”, mit Helge Schneider in der Doppelrolle als Dr. Spiel und… weiter lesen

13.08.2009 von Detlef Guertler
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Ordo-Marxismus

von Detlef Guertler

Vermutlich hat es Klaus Jarchow ja nicht so gemeint, als er in seinem Stilstand von den “doktrinären Betonfestungen des Ordo-Marxismus” schrieb und Neues Deutschland, Junge Welt und Linkszeitung darunterlinkte. Vermutlich meinte er Ortho-Marxismus als Kurzform für einen orthodoxen Marxismus, was ja auch gut zum Doktrinären, zu Beton und zu Festung passt. Und natürlich auch zu jenen drei Medien.

Ordo-Marxismus (für den es sonst noch keinen einzigen Treffer gibt) müsste nämlich etwas anderes sein. Der Ordo-Liberalismus betont die Wichtigkeit einer ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenordnung für Kontrolle und Zähmung des Marktes, da ohne eine funktionierende Rahmenordnung Märkte zur Selbstzerstörung neigten. Was ja in jüngster Zeit von den globalen Finanzmärkten wieder trefflich bestätigt wurde.

Schon etwas länger her ist der Beweis, dass der Marxismus zur Selbstzerstörung neigt, wenn man ihm keine ordentliche Rahmenordnung verpasst. Der Ordomarxismus müsste sich deshalb mit der Frage beschäftigen, wie eine Rahmenordnung aussehen müsste, um… weiter lesen