Kartoffelindikator

von Detlef Guertler

Indikatoren zeigen etwas an. Manchmal steht vor ihnen das, was sie anzeigen (wie beim Konjunkturindikator), manchmal, wie sie es anzeigen (Früh- oder Spätindikator) und manchmal, woraus sie bestehen. Wie eben beim Kartoffelindikator. Den hat ökonomisch die FTD entdeckt: Weil sich in Russland in diesem Frühjahr der Saatkartoffel-Umsatz verdreifacht hat, muss die wirtschaftliche Lage grauenhaft sein – weil so viele Leute die Saatkartoffeln gekauft haben, um sie im eigenen Garten auszusäen, statt Rosen oder Flieder.

Chemisch allerdings haben ihn schon vor geraumer Zeit einige Schüler des Hainberg-Gymnasiums in Göttingen analysiert. Unsere Hauptfrage war: Gibt es weitere Indikatoren außer dem Radieschenindikator, die bis zu vier pH-Werte anzeigen?” schreiben sie. Ihre Antwort: “Es gibt mehrere Naturstoffindikatoren, die bis zu vier verschiedenen pH-Werte anzeigen können In unserem Fall wären das: Holunderindikator, Rosenblätterindikator, Radieschenindikator und Ligusterindikator. Keine guten Resultate erhielten wir bei: Malvenindikator, Weintraubenindikator, Blaue-Kartoffelindikator, Auberginenindikator und Alpenveilchenindikator.”

Schlechte Performance des Kartoffelindikators in Göttingen. Wird er in Russland besser abschneiden? Oder kann man sich auch dort auf den Radieschenindikator verlassen?


Ein Kommentar zu "Kartoffelindikator"

  1. Auch ein Indikator: der Mensch als „gestaltende Macht in der Natur“.

    Davon schrieb schon – ganz ohne Wissenschaftsslang Curt Grottewitz (alias: Max Curt Pfütze)

    Dr. Curt Grottewitz (1866 – 1905) : Aus: „Der Mensch als Beherrscher der Natur“
    „Ueberaus genügsam, wie auch die verpflanzte Kartoffel als Kind einer rauhen Gebirgszone sich erwies, geeignet, selbst hoch im Gebirge auch bei uns (bis tausend Meter Höhe in Deutschland) auszudauern, bis zum siebzigsten Grad nördlicher Breite noch tragend und zufrieden selbst mit den kärgsten alten Sandböden der verflossenen Eiszeit, bot die Kartoffelpflanze zugleich der Erdkultur in ihren (ständig noch durch Zucht zu steigernden) Stärkereserven tatsächlich eine „Hungersnot-Reserve” ohnegleichen. Ihre Bedeutung wird auch nicht durch den Umstand herabgesetzt, daß ein arbeitender Mensch nicht ohne weiteres von ihr ganz leben kann, wenn er gesund und stark bleiben soll, sondern ihre wahre Mission lag darin, daß sie eben zu den anderen Kulturgewächsen fortan noch als wirkliche Reserve trat und jede Notlücke dort mit ihrer unverwüstlichen Eigenkraft zu ergänzen und zuzustopfen geeignet war. Und in dieser gar nicht zu überbietenden Hilfsbedeutung hat sie in der Tat den Ruf als eine der größten Erretterinnen der Menschheit vollauf wahrgemacht.
    Im späteren siebzehnten und im achtzehnten Jahrhundert nach den unsagbaren Nöten des Dreißigjährigen Krieges begann man das sehr allgemein endlich einzusehen. In Frankreich erwarb sich in den Jahren vor der Revolution der Chemiker Parmentier das Verdienst einer besonders nachdrücklichen Propaganda unter gleichzeitigem Experiment auf noch immer verbesserte Kulturrassen. Auch in Preußen geschah in diesem Jahrhundert viel, unter manchem Widerstand der Bauern selbst gegen das fremde Gewächs. Die Engländer trieben sie durch ihr Kolonialreich zugleich in die ganze übrige Alte Welt hinaus. Schließlich paukten furchtbare Hungersnöte bis ins neunzehnte Jahrhundert immer mehr die absolute Notwendigkeit ein. Noch drohten böse Krankheiten und Schädlinge mehrfach das gewonnene Spiel zu verderben: beide Male wieder aus Amerika selbst eingeschleppt, so gegen Mitte des Jahrhunderts der Kartoffelpilz, später, in der zweiten Hälfte, der Kartoffelkäfer. Aber der Siegeslauf war nicht mehr ernstlich aufzuhalten.“ (Veröffentlicht 1928)

    Einen wirkungsvollen Boni-Indikator als K a p i t a l k ä f e r mag kein Aktien- und Wertpapier-Großwirt „gesetzlich erfinden“ lassen wollen.

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