Manilasch
von Detlef GuertlerAber nein, ich bin in keinster Weise ein prinzipieller Gegner von Manifesten. Ich kann das sogar beweisen. Doch wenn ein Text in 17 Thesen nichts Greifbareres hinterlässt als (immerhin weitgehend widerspruchsfreie) Zusammenfassungen der Positionen einiger Blogger zu Internet-Debatten der vergangenen drei Monate, dann kann es sich wohl kaum um ein Mani-fest handeln – sondern allenfalls um ein Mani-lasch.
Sorry, Stefan: Alleine hättest du das bestimmt besser hingekriegt.





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“widerspruchsfrei” im sinne von “in sich nicht widersprüchlich”? oder “keinen widerspruch provozierend”? gegen die zweite variante könnte ich nämlich über 200 wutschnauber bei mir im blog bieten.
@Stefan:
Gemeint war in der Tat Ersteres. Aber auch das eben nicht so ganz.
Wenn es in These 6 heisst:
“Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn.”
Hingegen in These 15:
“Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte.”
Dann passt beides nicht so richtig zusammen: Ein sich ständig veränderndes Archiv ist ein Widerspruch in sich.
Nach meiner Einschätzung äusserte übrigens ein grosser Teil deiner “über 200 wutschnauber” eher “hä?” oder “wassollndas?” als vor Wut zu schnauben.
“Gleichschalter” wäre auch ein schönes Wort für die “Wutschnauber”.
“Gleichschalter” sind Personen, die sich selbst heute “(Qualitäts-)Journalisten” nennen. “Gleichschlater” sind Personen, die heute die Macht haben, Meinungen zu machen und für Geld (Verleger) und Opportunität (Wohlwollen der Herrschenden) versuchen, die “Meinung” der Bevölkerung eines Landes weitgehen hinter den Interessen der Herrschenden und der Verleger, nicht zu vergessen auch hinter ihren eigenen monetären Interessen (man will ja fürs privilegiert sein als Journalist schließlich auch noch bezahlt werden) gleichzuschalten.
Tja, ja, die Weberaufstände waren ein Scheißdreck gegen das, was die “Qualitätsjournalisten” anrichten werden, aber verschwinden werden beide im Sumpf einer traurigen Geschichte auf dem Weg in eine bessere Zukunft.
Ihr werdet es nicht mehr verstehen, aber für Nachrichten und Meinungen wird man in dieser Zukunft nicht mehr bezahlt werden. Eben weil ja jeder Mensch täglich viele Nachrichten hat und auch jeder Mensch zu allem eine Meinung hat, wird keiner mehr einsehen, die zu bezahlen, die fürs laut-hinausposaunen ihrer Nachrichten und Meinungen auch noch Geld wollen.
Ja für Manipulation, Werbung und Propaganda wird man weiterhin viel Geld kassieren können. Einige unserer heutigen Qualitätsjournalisten (vornehmlich die, die nix anderes können) werden sich und ihr KnowHow um die Manipulation einer “öffentlichen Meinung” genau dafür hergeben und irgendwie bis zur Rente durchschlagen.
Aber Manipulation, Werbung und Propaganda wird sich so schon durch die Personen entlarven, die hinter ihr stecken.
@MWD
Hä? wassollndas?
Kann es sein, dass Sie sich von der Geschichte (oder auch nur von Ihren Kollegen) ungerecht behandelt fühlen? So etwas kann die Klarheit der Argumentation trüben…
[...] praktischen Nährwert. Die meisten Kritiken erschienen mir zu harsch, weswegen mir vor allem Detlef Guertlers „Manilasch“-Kritik gefiel. Aber dann machte mein geschätzter Kollaborateur Siggi Becker mich aufmerksam auf den [...]
@MWD meint: “..aber für Nachrichten und Meinungen wird man in dieser Zukunft nicht mehr bezahlt werden.” Ah, ah, ah .. und wenn einer dabei nuschelt, wie P.S. Latour vielleicht? Oder sich nicht zu schade dafür ist, mit einem roten Iro rumzulaufen? – Das Zauberwort heißt “added value”. Wer da nix bringt, der kriegt tatsächlich kein Geld mehr fürs sabbeln.
[...] ist es aber auch nur die erneute Verwendung des Begriffes “Manifest”, der Kritikern grundsätzlich missfällt. Oder der Grundtenor der Erklärung, sich [...]