forschlich

von Detlef Guertler

Beim Abendessen quasselt Clemens, 8, die ganze Zeit von Réunion. Weil sich seine große Schwester Leonie derzeit dort im Schüleraustausch aufhält, haben wir uns vorgestern eine TV-Dokumentation über dieses Stück Frankreich mitten im Indischen Ozean angeschaut. Und Clemens sprudelt noch immer über von Vulkanen, Magma-Flüssen, Tiefseefischen und was da sonst noch so alles vorkam. “Réunion ist eben forschlich sehr interessant”, sagt er zwischen zwei Löffeln Ketchup-Reis.

Wenn er wissenschaftlich gemeint hätte, hätte er sicherlich auch wissenschaftlich gesagt. Aber Wissenschaftler kann man auch im Büro oder Bibliothek sein – Forscher nur im direkten Einsatz in Wald oder (Runinen-)Feld, je nachdem. Von wissenschaftlichem Interesse kann demnach alles mögliche sein; von forschlichem Interesse ist wesentlich weniger. Wohingegen das, was zwar von wissenschaftlichem, aber nicht von forschlichem Interesse ist, für Clemens relativ uninteressant ist.


2 Kommentare zu "forschlich"

  1. Ja, nicht festgelegte Kinder- und unbeschränkte, kreative Sprachlogik:

    Ja, der Forscher mit Forscherblick, auf Forscherpfad: unermüdlich forschend; eben forsch(er)lich in seinem Drang.

    “Unerforschlich” und “unerforscht” sind ja als Duden-Wörter; warum nicht auch das Gegenteil dieser Verneinungen?

    Das Forscherliche, also das Erforschliche – das Erforschbare – gibt es sicherlich irgendwo oder gab es irgendwann.

  2. Wer forsch oder unforsch forscht, der findet einiges:

    “Was erforschbar: das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.” (Goethe: “Maximen und Reflexionen”)

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