churchillen

von Detlef Guertler

Wer gechillt ist, ist cool, meinen meine Töchter. Und wer gechurchillt ist, ist auch dann cool, wenn`s heiß
ist, meint mein Kollege Alain Egli vom GDI Gottlieb Duttweiler Institute in der gerade erschienenen Ausgabe der von mir chefredigierten Zeitschrift GDI Impuls. Ein kleiner Auszug:

Wins­ton Churchill ließ sich als britischer Premier­minister im Krieg auch von widrigsten Verhält­nissen nicht unterkriegen – und siegte. Diese sogenannte Resilienz zeichnet gerade in Krisen­zeiten die überlebensfähigsten und ­-willigsten Unternehmen aus. Doch Resilienz gibt es jetzt auch schon im Regal: «Survival Stores» bieten alles Notwendige fürs Churchillen: günstige Le­bensmittel, haltbare Kleidung und Fahrrad statt Auto.

In der älteren Generation mag es durchaus Vorbehalte dagegen geben, dem Ex-Kriegsgegner Churchill ein eigenes Verb in der deutschen Sprache zu verehren. Aber es gibt nun mal niemand, der so wie er die Tugenden des Durchhaltevermögens verkörpert (ohne allzusehr in die Untugenden des Starrsinns zu verfallen). Und möglicherweise finden die Jüngeren das Neuverb ja ganz schön gechillt.


Ein Kommentar zu "churchillen"

  1. Alfred Kerr (1867 – 1948): Pupillarische Sicherheit

    Wir lachen, wenn der Feind uns droht
    Mit Hungertod.
    Uns nährt (und bläht) Kartoffelbrot.
    Wir essens, wir gedenken auch
    Sir Edward Grey’s – mit manchem Hauch.
    Der Donner rollt wie Sturm auf See
    Und grollt den Namen Edward Grey.
    (Doch mancher Hauch sagt flüsternd still:
    Churchill! Churchill!)
    *
    (In der Zeitschrift „Pan“. 1913)
    *
    „Pupillarisch“ (lt. Duden veraltet): das Mündel oder die Sicherheit des Mündels betreffend

    Karl Kraus nannte das Textchen unresiliant ein „Kriegsliedchen“ (in: “Grimassen”. Aufsätze 1902-1914)

    Das Gedicht hatte keine hohe Resilianz. Kerr floh, musste fliehen, 1933 über Prag und andere Stationen nach G.B. und konnte dort als “Vorsitzender des Deutschen P.E.N.-Club im Exil in London” überleben.

    Der von A.K. geschmähte Winston Ch., als „Erster Lord der Admiralität“ churchillte zunächst die Politik und Strategie im Ersten Weltkrieg entscheidend mit, bis er seine Kompetenzen und seien Kriegsglück verchillte, so dass er am 18. Mai 1915 als „Erster Lord der Admiralität“ zurückchillen musste, um in chillness and endurance auf seine Chance (im Weltkrieg II) zu warten: „to offer blood, toil, tears and sweat“ (so in seiner ersten Rede als Premierminister am 13. Mai 1940; eindrucksvoll übersetzbar und wirksam nicht nur für die deutsche “Volksaufklärung und Propaganda”, im Berliner Goebbelsschen Ministerium).

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