Unwahlkampf

von Detlef Guertler

In der Wortwarte entdeckt, wo als Fundstelle ein Leserkommentar vom 14. September auf der Zeit-Homepage angegeben wurde. Der allerdings kam einige Tage später als die offensichtliche erste Verwendung dieses Wortes, nämlich in einem Artikel von Christian Schüle im Rheinischen Merkur. “Der Unwahlkampf 09 ist das Sinnbild einer entspiritualisierten, enttraditionalisierten Gesellschaft”, schreibt Schüle dort unter anderem. Was im Umkehrschluss bedeuten müsste, dass unsere Gesellschaft vor kurzem noch spirituell und traditionell war, weil bislang kein Bundestagswahlkampf jemals als Unwahlkampf bezeichnet wurde.

Ich würde da eher Wolfgang Münchau folgen, der in der FTD die aktuelle Nicht-Auseinandersetzung als Zwischenstation auf dem Weg zur Etablierung eines Fünfparteiensystems sieht, in dem dann jeder mit jedem koalieren können müsste, was im Fall einer Schwarz-Gelb-Regierung im Jahr 2013 erreicht wäre, im Fall einer Neuauflage von Schwarz-Rot schon ein bis zwei Jahre früher, weil die diesmal keine ganzen vier Jahre halten dürfte. Dann würde der Unwahlkampf von heute schon bald wieder hitzigen Gefechten weichen.

Aber das kann man jetzt auch noch die paar Tage bis zur Wahl abwarten. Denn die wird ja trotz Unwahlkampf keine Unwahlergebnisse bringen.


3 Kommentare zu "Unwahlkampf"

  1. “Sinnbild einer entspiritualisierten, enttraditionalisierten Gesellschaft”
    Blablabla. Lesen unsere Großschreiber eigentlich ihre eigenen Texte? Ein Nichts als Sinnbild? Ein Unding, ein Unfug.

    Aber: Diese ent-.. Gesellschaft ist mir lieber als eine spiritualisierte, traditionalisierte Gesellschaft.

  2. Hülsenakrobaten und ihre Sinnbilder. Legislaturperioden werfen ihre Schatten voraus und was aus einer Gesellschaft wird bestimmt jeder für sich selbst.

    Spiritualität und Tradition ist mehr so eine Begriffsmatsche.

  3. Für mein Sprachgefühl ist dieser 09er Wahlkampf stark ent-schärft, persönlich ent-zerrt.

    Wo Schröder 2005 promillig spiritualisiert (nicht geistig begnadet!) sich ent-hemmte; sind Merkel (oder Kärkel) und Steinmeier (oder -müller) sprachleere, ent-behrliche Politiker, die sich öffentlich nicht ent-zaubern, um zu erklären, warum sie sich von ent-hemmten Geldkriegern Hunderte Milliarden Euros haben ent-binden lassen, ohne jede grundgesetzliche Verpflichtung: Ent-zücken (für die Zinsjäger) und Ent-zug (für die Entborgten) – wie noch nie in der Währungsgeschichte.

    Da treten in den angeblichen Volksparteien keine Kämpfer mehr auf, sondern Verschweiger: der alte und neue Gelddadel und die assoziierten Unadelheiten, die geld-holden Unholde.

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