Aktendulli
von Detlef GuertlerWenn Sie dieses Wort nicht kennen, sind Sie entweder Analphabet oder Wessi. Ich bin letzteres, und gerade trotz mehrerer Jahre Ost-Erfahrung (und mehrerer Kinder auf ostdeutschen Schulen) das erste Mal über dieses Wort gestolpert. Man könnte es jetzt als Ossi-Wort in die Broiler-und Toni-Ecke abschieben – aber damit würden wir Paul Richard Carl Kohl furchtbar Unrecht tun, der jenes aus dem Büroalltag nicht mehr wegzudenkende Utensil im Jahr 1939 in Chemnitz erfand.
Berechtigter Chemnitzer Lokalstolz führte im Laufe der Jahre zur Ausbreitung des Wortes über das ganze Land. Von der Oder bis zum Brocken, vom Kreidefelsen bis zum Erzgebirge sprach und schrieb man vom Aktendulli, auch kurz: Dulli. Wäre Deutschland damals nicht geteilt worden, hätte die Ausbreitung sicherlich auch das ganze größere Land umfasst. Und heute würde man auch an Rhein und Ruhr, auf Sylt und auf der Zugspitze vom Aktendulli reden und ihm Kränze zum 70. Geburtstag winden.
Doch vom 10. bis zum 51. Geburtstag des Aktendullis gab es die DDR, und nur in ihr war er bekannt – und mit ihrem Dahinscheiden schien auch sein Schicksal besiegelt: Trockene, bürokratieatmende Synonyme aus westdeutschen Amtsstuben übernahmen das Kommando. Und dabei konnte der Aktendulli nun wirklich nichts zur deutschen Teilung. Er hatte auch nie etwas mit der DDR am Hut. Soll jetzt dieses Wort zum unschuldigen Opfer der deutschen Einheit werden? Ich sage: nein! Und sage Ja zum Aktendulli. Sagen Sie mit.
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ihr anliegen, den aktendulli zu retten, in allen ehren. ich als ddr-geborene und -aufgewachsene weiß allerdings inzwischen schon gar nicht mehr, was das ist. und vermisse es auch nicht.
ich frage mich jedoch, was folgender satz bedeutet: “Und dabei konnte der Aktendulli nun wirklich nichts zur deutschen Teilung.” meinten sie etwa FÜR DIE deutsche teilung?
der satz, wie er dort steht, ist jedenfalls völlig unmöglich. vielleicht sollte er jugendlich und locker rüber kommen. vielleicht ist das einfach eine regionale wendung. ich meine aber, wenn man in einer zeitung schreibt, also journalistisch tätig ist, dann sollte man wenigstens die deutsche sprache beherrschen. selbst in der taz.
(im übrigen, falls die übliche retourkutsche zu meiner konsequenten kleinschreibung nun kommt: ich schreibe grundsätzlich klein. aus gründen des schnelleren und unkomplizierteren schreibens)
was ist das denn für 1 ding?foto? beschreibung?dulli loser wessi ,kleinschreiber fragt das…..
@kleinschreiber: Sollten Sie auch Internetausdrucker sein? Dann finden Sie natürlich den Link niemals, den ich im Text oben unter dem Wort “Synonyme” versteckt habe, der zum Wikipedia-Eintrag über Heftstreifen führt, wo auch ein solcher abgebildet ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heftstreifen
Um zu sehen, ob “Synonyme” im Ausdruck farbig kommt habe ich die Druckvorschau des internet-Browsers aufgerufen. Da hat er sich aufgehängt, der Heft-Link. (äh, das Programm)..
Zitatannegret: “…weiß allerdings inzwischen schon gar nicht mehr, was das ist. und vermisse es auch nicht..” Wie auch? Was frau nicht kennt, kann sie nicht vermissen. Im Tal der Ahnungslosen leb(t)en glückliche Menschen?
Ich dagegen vermisse den Aktendulli sehr. Gerade jetzt, da meine Bank die Kontoauszüge mal wieder von Kleinformat auf A4 umgestellt hat. Vielen Dank fürs Synonym – jetzt traue ich mich in den Schreibwarenladen und muss nicht befürchten, dort wegen meiner Wortwahl als Ostler erkannt zu werden. Die treffen ja eh immer die falsche Wahl.