Archive for September, 2009

16.09.2009 von Detlef Guertler
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Rührreibschweißen

von Detlef Guertler

Friction heißt Reibung, stir heißt Rühren, und welding heißt Schweißen. Zusammen heißt das auf englisch Friction Stir Welding (FSW) und ist eine in den 90er Jahren vom britischen Welding Institute entwickelte und patentierte Technik, bei der eben ein dünner Rührer zwischen zwei Metallstücken entlanggeführt wird, die er durch die entwickelte Reibungshitze zusammenschweißt – unterhalb des Schmelzpunktes der Metallstücke, so dass sich dieses Verfahren gerade für anspruchsvolle Produkte eignet, etwa in der Luft- und Raumfahrt. Sagt zumindest die TU Kaiserslautern.

Und spricht nicht von FSW oder Friction Stir Welding, sondern von Rührreibschweißen. Ein hinreißend aussehendes und klingendes Wort, das geradewegs einem Monty-Python-Sketch über die Aktion Lebendiges Deutsch entsprungen zu sein scheint. Ich fühlte mich sofort wieder an die Dünnbrammengießwalzanlage erinnert, die Anfang der 90er Jahre der Käufer des Eko-Stahl-Werkes in Eisenhüttenstadt aufstellen sollte. Keine Ahnung, ob das jemals passiert ist; oder ob es damals nicht doch besser… weiter lesen

15.09.2009 von Detlef Guertler
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Weizenaufstand

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes

Am 15. September 2009 hat ein FAZ-Feuilletonist den Kraftausdruck „Weizenaufstand“ geboren; ein revolutionär-kampferprobtes, kampf-‚gewohntes’, kämpferisches Neuwort?

Norman Borlaug, Vater der “Grünen Revolution”, ist tot

FAZ-Direkt im Click:
„Der Mann hat mit Grashalmen gegen ein “Monster” gekämpft. Das Monster, das Millionen Leben raubte, das war für Norman Borlaug die Bevölkerungsexplosion ausgerechnet in jenen Landstrichen, in denen die Erde schon von Natur aus wenig zu bieten hatte.
(…) “
Und weiter (in der Druckausgabe): „Er kreuzte ein Zwergenwuchs-Gen aus einer japanischen Sorte in den Weizen ein. Die neuen Halme waren kürzer und gedrungener, vor allem aber kräftiger, so dass der Stengel [sic!] immer größere Ähren mit immer mehr Korn zu tragen imstande waren.“

“Mexiko-Weizen“ nennt man ihn, was hier als semantisch „Weizenaufstand“ verallgemeinert wird, also Weizenkleinwüchsigkeit. Einfach, praktisch, ohne Aufwand, wenn das Vieh auf Spaltböden und mit Anntibiotika gezüchtet wird: der „Kurzhalmweizen“.

*

„Grüne… weiter lesen

13.09.2009 von Detlef Guertler
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Tigerenten-Koalition

von Detlef Guertler

Wer war`s?  Wer hat beim Nicht-Duell zwischen Merkel und Steinmeier das Wort Tigerenten-Koalition eingebracht? Die Twitterer meinen, Maybritt Illner sei`s gewesen – zu der so ein niedliches Begrifflein durchaus passen würde. Ich hingegen habe genau wie die FTD Frank Plasberg im Ohr (in dessen Sendung “Hart aber fair” das Wort in der vergangenen Woche offenbar auch schon benutzt wurde), kann das aber nicht beschwören, weil ich erst so richtig aufgewacht bin, als Merkel sich indigniert diesen Begriff als nicht von ihr kommend (alles andere hätte auch sehr verwundert) verbat.

Geschöpft haben den Begriff aber natürlich weder Plasberg noch Illner: Schon rund um die Bundestagswahl 2005 mit ihren etwas unklaren Mehrheitsverhältnissen wurde dieser Begriff vereinzelt verwendet. Die erste Nennung, die ich gefunden habe, vom 14. September 2005, zählt eigentlich nicht, weil dort blödsinnigerweise von einer “Tiger-Enten-Koalition” die Rede war – muss… weiter lesen

12.09.2009 von Detlef Guertler
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Beschleunigungsdruck

von Detlef Guertler

“Wir hatten Beschleunigungsdruck” rechtfertigt Sascha Lobo im Gespräch mit dem Journalistenmagazin V.i.S.d.P. den Stil des von ihm mitangerichteten sogenannten Internet-Manifests. Einen Stil, den der V.i.S.d.P-Interviewer zusammenfasst als

Überall Substantivierungen, Passiv-Konstruktionen, Null-Aussagen

und den Wolf Schneider im gleichen Magazin als jenen “prätentiösen Jargon” bezeichnet,

von dem ich gehofft hatte, dass sich ihm, wenn schon nicht der Printjournalismus, dann wenigstens das Internet für immer verweigern würde.

Aber leider funktioniert das mit dem Beschleunigungsdruck bei Lobo und seinen Mitstammlern genau umgekehrt wie bei der Dampfmaschine.

Um der in dem Triebwerk enthaltenen Masse die Beschleunigung zu erteilen, ist eine Kraft erforderlich, der Beschleunigungsdruck, die vom Dampf ausgeübt werden muss,

heißt es in einem Text des Dampfmaschinenmuseums Frankenberg.

Bei der Dampfmaschine erzeugt der Dampf also Beschleunigungsdruck. Bei Alpha-Bloggern erzeugt der Beschleunigungsdruck hingegen Dampf.

09.09.2009 von Detlef Guertler
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pirativ

von Detlef Guertler

Die ernsthafteste, professionellste und (damit zwangsläufig) vernichtendste Auseinandersetzung mit den irreführend Internet-Manifest genannten 17 Thesen von 15 Bloggern stammt von Ulf J. Froitzheim und ist dankenswerterweise nicht im Kommentarsumpf des Manifests selber platziert, sondern dort nur verlinkt. Meine Lieblingsstelle beschäftigt sich mit der 13. These:
Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.
Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

Froitzheims Antwort:
Tja, wenn der ECKpfeiler mitten im Zentrum steht, ist es meist eine wacklige Angelegenheit – erst recht, wenn man ihn dann auch noch als Hebel zweckentfremdet. Ich würde ja vier Stück nehmen und sie an die Eckenweiter lesen

08.09.2009 von Detlef Guertler
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forschlich

von Detlef Guertler

Beim Abendessen quasselt Clemens, 8, die ganze Zeit von Réunion. Weil sich seine große Schwester Leonie derzeit dort im Schüleraustausch aufhält, haben wir uns vorgestern eine TV-Dokumentation über dieses Stück Frankreich mitten im Indischen Ozean angeschaut. Und Clemens sprudelt noch immer über von Vulkanen, Magma-Flüssen, Tiefseefischen und was da sonst noch so alles vorkam. “Réunion ist eben forschlich sehr interessant”, sagt er zwischen zwei Löffeln Ketchup-Reis.

Wenn er wissenschaftlich gemeint hätte, hätte er sicherlich auch wissenschaftlich gesagt. Aber Wissenschaftler kann man auch im Büro oder Bibliothek sein – Forscher nur im direkten Einsatz in Wald oder (Runinen-)Feld, je nachdem. Von wissenschaftlichem Interesse kann demnach alles mögliche sein; von forschlichem Interesse ist wesentlich weniger. Wohingegen das, was zwar von wissenschaftlichem, aber nicht von forschlichem Interesse ist, für Clemens relativ uninteressant ist.

07.09.2009 von Detlef Guertler
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Manilasch

von Detlef Guertler

Aber nein, ich bin in keinster Weise ein prinzipieller Gegner von Manifesten. Ich kann das sogar beweisen. Doch wenn ein Text in 17 Thesen nichts Greifbareres hinterlässt als (immerhin weitgehend widerspruchsfreie) Zusammenfassungen der Positionen einiger Blogger zu Internet-Debatten der vergangenen drei Monate, dann kann es sich wohl kaum um ein Mani-fest handeln – sondern allenfalls um ein Mani-lasch.

Sorry, Stefan: Alleine hättest du das bestimmt besser hingekriegt.

06.09.2009 von Detlef Guertler
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Triumpersonat

von Detlef Guertler

“Wie nennt man eigentlich ein Triumvirat, wenn nicht nur Männer daran beteiligt sind?”, will meine Frau wissen.

“Das kommt praktisch nicht vor”, antworte ich. “Ein Triumvirat entsteht so gut wie immer aus Hinterzimmer-Klüngelrunden, und da sind Männer üblicherweise unter sich.” – “Und wenn doch?” – “Könnte man das Triumpersonat nennen.”

Kann es sein, dass die Emanzipation erst dann am Ziel ist, wenn statt Triumviraten nicht so sehr Triumfeminate als vielmehr Triumpersonate gebildet werden?

 

05.09.2009 von Detlef Guertler
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Zuweisermarketing

von Detlef Guertler

Plötzliches Schaudern: Krankenhäuser bezahlen Fangprämien an Ärzte, die ihnen Patienten überweisen! Krankenhauslobbyisten meinen, es handle sich um Einzelfälle – dabei handelt es sich tatsächlich allenfalls um Auswüchse eines seit der jüngsten Gesundheitsreform florierenden Systems. Denn seither werden Krankenhäuser von den Kassen nicht mehr entsprechend ihrer Kosten bezahlt (das war eine Einladung zum unwirtschaftlichen Wirtschaften), sondern nach Fallpauschalen: Ein Blinddarm ist ein Blinddarm und wird honoriert wie ein Blinddarm.

Die Konsequenz: Eine Klinik, die überleben will, braucht Fälle. Und da sich diese Fälle in den seltensten Fällen unaufgefordert in der Aufnahme melden, müssen sie von irgendwoher kommen, in der Regel vom behandelnden Arzt. Und deshalb müssen Kliniken “Zuweisermarketing” betreiben.

Dazu gibt es schon längst dicke Bücher. Ein kleiner Auszug aus dem Vorwort zu Zuweisermarketing mit sektorenübergreifender Kommunikation:

Der Erfolg eines modernen Krankenhauses entsteht heute nicht mehr allein durch perfekte Leistungen am Patienten im stationären Bereich, sondern auch bei derweiter lesen

03.09.2009 von Detlef Guertler
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zupzug

von Detlef Guertler

Gestern in Olaf Gersemanns sehr lesbarem “Welt”-Artikel über die Lehren aus der Finanzkrise:

Große (und kleine, aber stark vernetzte) Banken stellen ein Systemrisiko da – und sind daher “zupzug“: zum Pleitegehen zu groß. Keine Regierung wird umhinkommen, eine Zupzug-Bank, die sich verzockt hat, zu retten.

Ich halte zupzug für eine geniale Übersetzung von “too big to fail” und werde es gerne bei nächster Gelegenheit verwenden – und die kommt, keine Sorge.

Der bearbeitende Redakteur des Welt-Schwesterblatts “Berliner Morgenpost”, in dem viele Welt-Artikel parallel erscheinen (manchmal auch umgekehrt), war hingegen von dieser Übersetzung offenbar weniger begeistert. Dort lautete die Passage nämlich:

Große (und kleine, aber stark vernetzte) Banken stellen ein Systemrisiko dar – und sind daher “too big to fail”, zum Pleitegehen zu groß. Keine Regierung wird umhinkommen, eine solche Bank, die sich verzockt hat, zu retten.

Oder sind die Morgenpost-lesenden Bolle-Berliner zu dumm,… weiter lesen