29.11.2009 von Detlef Guertler
“Das ist doch mal wieder ein Wort für deine Wortistik”, meint meine Frau heute morgen beim Zappen – die Schiebelade von Milka. Schiebelade? Na, Schokolade zum Schieben eben, passt hervorragend zum ersten Advent.
“Das gefällt mir überhaupt nicht”, quengle ich etwas unausgeschlafen zurück. Das klingt wie Schublade und nicht wie Schokolade, und überhaupt ist Schokolade etwas zum Essen und nicht etwas zum Schieben. Aus einer völlig nebensächlichen Eigenschaft des Produkts macht man kein neues Wort – Ritter Sport hat ja auch nie versucht, sich als Quadratschokolade zu verkaufen.
Andererseits ist es doch immer eine Erwähnung wert, wenn einer unserer Hypermarkenartikler bzw. dessen Werbeagentur den Versuch macht, ein neues deutsches Wort zu schöpfen. In jedem Fall besser als ein multilingualmixender Versuch wie Nivea Visage DNAge – und auch der hat es bis in die Wortistik geschafft. Zwar als Unword, aber any promotion ist ja good promotion. Also… weiter lesen
28.11.2009 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
Südeuropa, ländliches Gebiet. Man hört viele Tiere, besonders morgens und abends: Hähne und Kühe, Ziegengemäh, das Dauertschilpen von Webervögeln, ab und zu ein obstinates Käuzchen. Der schnurrbärtige Hirte, seitwärts auf seinem Schimmel sitzend, mit den beiden Hunden, die jeden Fremden verbellen. Die Herde ist unsichtbar, doch nicht zu überhören. Vom Berghang kommt ununterbrochen ein Geläute und Gemäh, aber nicht einmal im Feldstecher sieht man ein einziges Tier …
Gemäh = vielstimmiges, wiederholtes Mähen von Ziegen oder Schafen
25.11.2009 von Detlef Guertler
Google zu boykottieren ist so wie eine Tarnkappe aufziehen, wenn wir Springers Cheflobbyisten Christoph Keese glauben können:
„Steig doch aus, wenn dir unser Preismodell nicht passt“ mag man bei 10 Prozent Marktanteil sagen, bei über 85 Prozent aber könnten Vorschriften des Wettbewerbsrechts berührt sein. Unter dem Druck der drohenden Netzunsichtbarkeit entscheiden sich die meisten Verlage zähneknirschend dafür, den „Gefunden- werden-Schalter“ auf ihrer Webseite nicht umzulegen, erleiden mit dieser Entscheidung jedoch zugleich einen Schaden, weil sie gezwungen sind, die Null-Beteiligungs- Strategie von Google zu akzeptieren.
Wenn ich mich richtig an die Nibelungen erinnere, war das mit der Tarnkappe eigentlich ganz hilfreich. Da konnten Gunter und Siegfried zusammen die alleinstehende Dame Brunhilde verprügeln und -gewaltigen, und diese merkte nicht mal, dass dem schlappen Burgundenkönig der unsichtbare Held geholfen hatte. Könnte doch auch für einen Verlag ganz attraktiv sein, oder?
via turi2
22.11.2009 von Detlef Guertler
Im Autoradio zufällig bei Radio Eins hängengeblieben, wo die Moderatoren nach dem nächsten Lied gleich zu “unserem Allgemeinwissenschaftler Mark Benecke” rüberschalten wollten. Bis dahin war zwar mein Radio schon ausgeschaltet, so dass ich wohl nie erfahren werde, was Benecke über Monsterspinnen zu sagen hat – aber Allgemeinwissenschaftler ist prima. Das klingt zwar eine Nummer kleiner als “Universalgelehrter”, meint aber sonst so ungefähr das gleiche. Dadurch müssen sich Wissensgeneralisten wie Mark Benecke, Christian Ankowitsch oder Detlef Gürtler nicht ständig an Goethe oder Humboldt messen lassen, sondern dürfen eine eigene Klasse für sich bilden: Wer zur Erforschung, Erweiterung oder Verbreitung des Allgemeinwissens beiträgt, ist eben ein Allgemeinwissenschaftler.
Dann fehlen nur noch die passenden Lehrstühle…
21.11.2009 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
„Um zu vermeiden, dass fremder Sperrmüll zugelagert wird, stellen Sie Ihr Sperrgut erst kurz vor dem Abholtermin bereit, spätestens jedoch bis 6 Uhr morgens am Abholtag“, heißt es auf dem amtlichen Vermerk.
Da wir wenig Lust haben, um 4 Uhr früh aufzustehen, um Sperrmüll auf die Straße zu tragen, bringen wir unsere Sachen schon am Vorabend vor die Tür. Die beiden alten Laptops. Den Koffer, der nicht mehr schließt. Den zersprungenen Spiegel. Das Bügelbrett. Die olle Matratze. Den Schnellkocher. Die uralte Kaffeemaschine. Den Roller. Den kaputten Drucker. Den blauen Teppich, den die Motten gefressen haben und der einmal so schön war.
Es ist dunkel und kalt, es nieselt. Doch kein Gedanke, dass andere Leute eigenen Sperrmüll dazutäten, im Gegenteil: Noch während wir mitten am Werk sind, kommen die ersten Sperrmüllspechte herbei und kucken und wühlen und prüfen. Picken sich einzelne Gegenstände heraus. Es ist wunderlich, was ihnen… weiter lesen
19.11.2009 von Detlef Guertler
“Herbstens kommt das Grübeln”, schrieb André Mielke vor vier Herbsten in der Welt am Sonntag. Aber herbstens kommt nicht in den Duden. Der kennt logischerweise winters und sommers, und auch das Adverb frühjahrs: im Frühjahr; während des Frühjahrs. Aber herbstens – Fehlanzeige.
Dabei gibt es so viel, was herbstens kommt: Nebel, Stürme, Schnee, Grau, Halloween, Glühwein, um nur ein paar Highlights zu nennen. Sollten da die Jungs und Mädels von der Duden-Redaktion nicht ein Einsehen haben?
16.11.2009 von Detlef Guertler
“Sowohl der taz als auch der Republik kann ja nichts besseres passieren, als dass sich eine echte Bild-taz-Kontroverse entspinnt”, schrieb ich hier vor drei Wochen zum Start des Kai-Diekmanns-Blogs. Und habe damit die taz mal wieder unterschätzt: Sie hat es nämlich ihrer fundamentaldiskursiven Tradition entsprechend geschafft, daraus eine taz-taz-Kontroverse zu machen.
Wir hatten in Sachen Erektionsmaximierung etwas in petto, mit dem der Neublogger jetzt ganze Bilderstrecken füllen kann, freute sich am Sonntagabend Blogwart Mathias Bröckers: sage und schreibe sechzehn Meter Fleisch. Die Wand des taz-Hauses, mit Blick auf’s BILD-Büro, ziert seit heute ein Relief des Künstlers Peter Lenk – das eben jenen Neublogger Diekmann mit vierstöckig ausgefahrenem primären Geschlechtsmerkmal zeigt. Bröckers weiter: Genosse Kai, da sind wir sicher, wird über seinen Megapimmel über die Maßen entzückt sein.
Aber die Chefredakteurin Ines Pohl distanziert sich wutschäumend:
Die taz versucht täglich, mit seriösem, unabhängigem Journalismus… weiter lesen
15.11.2009 von Detlef Guertler
“Im übrigen bin ich der Meinung, dass Tigerentenhausen zerstört werden sollte”, wünscht sich Klaus Jarchow als letzten Satz jedes Artikels in einer von ihm imaginierten neuen Tageszeitung. Ein attraktiver Gedanke, aber gleich unter jedem Artikel? Also ein- bis 20mal pro Seite?
Um auszuprobieren, wie stark der Gewöhnungs- bzw. Stakkato-Effekt ist, würde ich mir als ersten Schritt wünschen, dass Jarchow selbst jeden seiner Blog-Einträge mit diesem Satz beendet. Und wenn sich Tigerentenhausen dann in den herkömmlichen journalistischen Sprachgebrauch einschleicht, kann man das mit der Zeitungsgründung immer noch überlegen.
14.11.2009 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
Im Badischen gibt es die Bezeichnung „altledig“ für einen Menschen, der – ob Frau oder Mann – unverheiratet ist, obwohl er über das Heiratsalter eigentlich schon hinaus ist. Wie erbarmungslos! Wie treffend!
Gewiss, in dem Wort schwingen Normvorstellungen mit, die uns mehr oder weniger fremd geworden sind. So hat sich der Begriff vom Heiratsalter im Vergleich zu früher verschoben. Heute ist es völlig in Ordnung, sehr lange und gründlich zu prüfen, bevor man sich ewig bindet. Und auch, wenn jemand die Eheschließung für sich selbst grundsätzlich ausschließt, ist das eine achtbare Entscheidung.
Schwerer zu verstehen ist es schon, wenn ein Paar ÜBERHAUPT keine Entscheidung trifft. Es gibt Paare, die seit zehn, fünfzehn Jahren zusammen sind, die ein gemeinsames Haus bewohnen, womöglich Kinder haben und alle Zeichen einer gemeinschaftlichen Lebensplanung an den Tag legen. Und die doch nicht verheiratet sind.
Warum?
Drei mögliche Erklärungen.
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13.11.2009 von Detlef Guertler
von A.S. Reyntjes
Das ominöse! Da sich clam aussprechende! – Als ob es „Krieg“ bedeuten könne – nein, es muss heißen: „könnte“? (Natürlich es hat nichts mit der schon vergessenen, vorjährigen Kanzler-Frage zu tun.)
Eine Scheu vor dem K-Wort befällt die Politiker, die den Kriegseinsatz in Afghanistan, nach Bushs Wollen und Tollen als Fortsetzung des Irak-Angriffs, im Bundestag beschlossen haben.
Führt denn die Bundeswehr in Afghanistan Krieg? Was bedeutet das – wo es nach Polizeirecht zugeht, so dass unsere Soldaten flüchtende Taliban nicht mit Waffeneinsatz verfolgen und „bekriegen“ dürfen.
Und was bedeutet der Krieg am Hindukusch, der eine prophezeite Heimat-Vorwärtsverteidigung darstellt?
Verteidigungsminister zu Guttenberg hat als erster Regierungspolitiker von «kriegsähnlichen Zuständen» gesprochen.
Die Andeutung kann nur der Anfang der Wahrheit sein. (Aber nicht das Ende dieses Krieges.)
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Michael Friedman bereitet die Deutschen und ihre flugfähigen Soldaten als Rettungsengel für Kriegseinsätze allerorten vor, weil es… weiter lesen