Wehrmut

von Detlef Guertler

Bei Kai Diekmann ist der Wehrmutstropfen selbstverständlich nur ein Schreibfehler (übrigens viel dümmer als der wortistisch völlig berechtigte Wehmutstropfen), aber bei meiner tazblogger-Kollegin Eva Schweitzer war in den vergangenen Tagen Wehrmut in Reinkultur zu beobachten. Wie sie sich seit Freitag ziemlich allein (sorry, ich hatte dieses Wochenende internetfrei) gegen eine Blogmobmeute zur Wehr setzte, die ein nicht-existentes Recht auf uneingeschränkten Textklau erjaulen wollte, und wie sie dabei von Beitrag zu Beitrag und von Kommentar zu Kommentar mehr Freude am Abfahrenlassen entwickelte, das hatte was. Wehr-Mut eben.


45 Kommentare zu "Wehrmut"

  1. Auch unter den Bloggern wurde die Frage, ob sich nomnomnom im Rahmen des Zitierrechts und der diesbezüglichen Rechtssprechung bewegt, kontrovers diskutiert. Nicht nur klassische Journalisten folgten der Einschätzung, dass die Abmahnung der Form nach gerechtfertigt sein könnte. Allerdings haben auch viele Kollegen, die Höhe der Forderung in Frage gestellt. Die Blogger haben nicht versucht, sich irgendeine Rechtsüberschreitung zu ‘erjaulen’.

    Die meisten Blogger haben sich vollkommen zurecht darüber beschwert, dass eine – vernehmlich linke – Journalistin, sich Diensten und Anwälten bedient, denen sich auch die Content-Mafia und die Musikindustrie bedient. Und da Eva Schweitzer sehr früh anfing, den Spiess umzudrehen und dem Delinquenten und Spreeblick in Folge vorwarf, dass sie sich doch hätten melden können bevor sie das veröffentlichen, zog sie sich den Zorn des Mobs zu. Denn immerhin hatte sie es ja unterlassen, den Blogger zu kontaktieren.

    Wenn Eva Schweitzer dann auch noch beginnt, die Blogger zu beleidigen darf sie sich nicht wundern, dass sie auseinandergenommen wird. Dass die Angriffe dabei selten über der Gürtellinie stattfinden verwundert doch bitte keinen Journalisten wirklich, oder? Jeder gute Kollege hat schon kistenweise Leserbriefe bekommen in denen – gespickt mit persönlichen Angriffen – das Abo gekündigt wurde. Sich über das gleiche Phänomen im Netz aufzuregen ist bigott und vor allem nicht konstruktiv.

  2. Die Blogger fordern kein Recht auf Textklau, sondern Augenmaß bei Abmahnungen.

    Ihre Kollegin hat nämlich selbiges völlig verloren.

    Und das alles nur wegen drei, korrekt zitierter, Absätze in einem nicht-kommerziellen Blog.

  3. Da kann ich nur wiederholen, was ich schon in einem (noch nicht veröffentlichten) Kommentar drüben bei Frau Dr. Schweitzer geschrieben habe:

    Wie gut, dass ich mein taz-Abo schon vor Jahren gekündigt habe!

    Der überhebliche selektive Blick auf die – wie sagt man in Ihren Kreisen – Bloggosphäre läßt mich an der Kompetenz der Holzmedien-Journaille mehr als zweifeln.
    Für Ihren weiteren Lebensweg wünsche ich Ihnen und Frau Dr. Schweitzer alles Gute!

  4. @bloodySunday: In meinen Kreisen immer nur Blogosphäre, mit einem g.
    @Thomas: Die Auffassung mancher Blogger, sie würden in einem urheberrechtsfreien Raum arbeiten, nur weil sie mit ihrem Tun kein Geld verdienen, ist irrig. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie würden am liebsten weiter wie kleine Kinder behandelt werden – obwohl sie sich in einer Erwachsenenwelt bewegen.
    @Rene Meissner: Content-Mafia ist ein interessantes Wort. Es versucht, diejenigen zu kriminalisieren, die die Anwendung der geltenden Gesetze einfordern. Newspeak vom feinsten. Da finde ich den Ansatz der Piraten-Partei ehrlicher, sich zum Bruch eben jener Gesetze zu bekennen.

  5. Ich staune, dass Sie sich mit der Verteidigung Ihrer Kollegin so weit aus dem Fenster lehnen,
    denn in dem konkreten Fall von Content-Klau zu sprechen widerspricht zumindest dem gesunden Menschenverstand, wenn nicht sogar der derzeitigen Rechtslage(!) (falls Sie sich die Mühe gemacht haben sollten, das betreffende Posting mal anzuschauen). Hier von Content-Klau zu sprechen ist ebenso polemisch und beschränkt wie die oben erwähnte “Content-Mafia”

  6. Konnte keinen einzigen ernstzunehmenden Blogger oder Kommentator erkennen, der ein “Existenzrecht für Kontent-Klau” forderte. Thema verfehlt, nicht verstanden oder absichtlich ignoriert?

    Ich vermute Letzteres…

  7. @vcm123: Textklau ist meines Wissens kein juristischer Begriff und kann deshalb auch keiner Rechtslage widersprechen.

  8. @Dennis: Richtig, bei ernstzunehmenden Bloggern und Kommentatoren wird das auch nicht passieren. Aber Gegenfrage: Woran erkennt man einen ernstzunehmenden Blogger?

  9. @Detlef Guertler: Bitte lesen Sie einfach und überlesen Sie nicht bloß. Ich habe nach Augenmaß verlangt!

    Denn ich sehe am Ende nur einen korrekt zitierten Text, wenn die Autorin dies als “Textklau” sieht, sollte sie eben anders reagieren als wenn der Blogger ihren Text als seinen Text ausgegeben hätte, ob dies kommerziell oder nicht-kommerziell passiert ist in der Tat unwichtig.

    Dieses, von mir eingeforderte, Augenmaß hat Frau Schweitzer vermissen lassen. Sie hat es nicht interessiert, dass der Blogger “nur” auf ihren Text in der “Zeit” hinweisen wollte und dabei, nach Meinung von Schweitzers Anwälten, einfach nur zu viel zitiert hat.

    Was ist so schwer daran, vom Blogger zu fordern: bitte kürzen Sie das Zitat und erwähnen Sie bitte die Autorin des Artikels.

    Vielleicht sollten Blogger mal solche Fälle erwähnen, wo sie direkt mit solchen formalen Bitten angsprochen wurden. So als Positivbeispiele.

  10. @Detlef

    Ich hab auch bei allen “Flame”-Kommentatoren (um mal die nicht Ernstzunehmenden zu beschreiben) keinen einzigen Beitrag gefunden, bei dem jemand um die Legalisierung von Kontent-Klau “gejault” hätte.

    Ich habe überhaupt keinen Beitrag gefunden, weder in Blogs noch hier, bei dem jemand die Lizenz zum uneingeschränkten Text-Klau gefordert hätte… jaulend oder anders…

  11. @ blogmob. Jeder, der hier bei seinem Kommentar eine m.E. falsche Mailadresse angibt, wird ohne Rücksicht auf den Inhalt des Kommentars gelöscht. Sollte ich dabei jemand treffen, der wirklich über eine so putzige Adresse wie homer@simpsons.de verfügt, kann ich das nicht ändern. Er darf sich dann gerne bei Häuslers oder Schäubles über Zensur beschweren.

  12. @Detlef: Hätte ich annehmen müssen, dass sie wie ihre Kollegin, nur eingeschränkte Kenntnisse vom Diskurs haben, hätte ich Content-Mafia natürlich in Anführungszeichen geschrieben. Das ist ein stehender Begriff und wird gemeinhin für große Unternehmen verwendet, die sich auf die Verwertung von Inhalten konzentrieren und dabei Künstler und Journalisten ausbeuten ohne ihnen ein adäquates Salär zu zahlen. Das sind zum Beispiel die, die durch Änderung der Gesetze versuchen, den Journalisten per se das uneingeschränkte Nutzungsrecht für alle Medien abzutrotzen.

  13. @Rene Meissner: Für “große Unternehmen, die sich auf die Verwertung von Inhalten konzentrieren” gibt es in meiner Branche schon einen stehenden Begriff: Verlage. Ich sehe keinen Bedarf für einen anderen – seit es Verlage gibt, wird ihnen schon vorgeworfen, dass sie “Künstler und Journalisten ausbeuten ohne ihnen ein adäquates Salär zu zahlen”.

  14. @Detlef: Oh, wenn der Vorwurf schon solange existiert, wie die Verlage selbst, dann muss er ja obsolet sein, oder?

    Aber für Journalisten gilt ja möglicherweise inzwischen Seit-an-Seit kämpfen wir mit den Verlagen gegen die zunehmende Konkurrenz der Hobby-Schreiber.

  15. > Detlef Guertler – 02.11.2009
    > @ blogmob.

    Es fällt schwer, sich ein noch ausgeprägteres Armutszeugnis auszustellen, als in einem semi-blog durch die amateurhafte Wortfindung “blogmob” zu glänzen.

    Würde jemand im RL in eine TAZ-Redaktion stürmen und dabei “Ihr veganes, linkes Zeckenzüchterpack!” brüllen – es hätte die gleiche Qualität.

    6, setzen Guertler.

  16. @André B.: Kann es sein, dass Sie die Zielsetzung dieses Blogs entweder nicht kennen oder nicht verstanden haben?
    @Rene Meissner: Ihre Logik scheint mir unlogisch: Oder warum sollte ein Vorwurf dadurch obsolet sein, dass er schon eine lange Zeit besteht? Die Zeit mag Wunden heilen, aber doch keine Konflikte. Überdies kämpfe ich weder mit noch gegen Verlage oder Hobbyschreiber, sondern gegen Dummheit. Die gibt es auf allen Seiten.

  17. @Detlef
    Bei allem Respekt, aber bei den Kommentaren in den Links erkenne ich niemanden, der das “recht auf uneingeschränkten Text-Klau” einfordert.

    Diese Kommentatoren verteidigen einen privaten unkommerziellen Blogger, der einen Text unter Angabe der Quelle und Link auf die Originalseite in von seinem eigenen Text deutlich farblich abgesetzten unterschiedlich dargestellten Format wiedergegeben hat.

    In keinster Weise hat dieser private unkommerzielle Blogger versucht, den Text als sein eigenes Produkt darzustellen.

    Er mag zuviel zitiert haben, als dass das Zitatrecht hier noch greifen würde, richtig.

    Da genügt eine Mail an den privaten Blogger. “Hör mal, Dein Hinweis auf meinen Artikel in Ehren, aber Du zitierst hier auf Deiner eigenen Seite einfach schon zuviel, das geht so nicht”.

    Statt dessen wird hier von einem Blogmob krakeelt der freien Text-Klau fordert. Bitte. Das ist einfach flach, unrichtig und populistisch.

  18. Ich finde, André B. hat es mit seinem Beispiel weiter oben auf den Punkt gebracht!

    Auch ich würde vom “Wortwart der Nation” eine ausgewogenere Wortwahl erwarten, die nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießt, sondern zur sachlichen Auseinandersetzung anregt. Meute, erjaulen, Textklau – das sind höchst einseitige und emotionale Polemken, die gerade der unterlassen sollte, der gegen die “Dummheit” anderer anschreiben (“kämpfen”) will. Finde ich.

    Das mag der werten Kollegin als Ausdruck der Solidarität vielleicht ein wenig Trost spenden – ein schöner Blumenstrauß oder eine Einladung zum Abendessen in gepflegtem Ambiente wäre da aber vermutlich erheblich sinnvoller, als hier zusammen mit – zugegeben ebenfalls sehr emtionalen und unsachlichen Reaktionen – gleich alle Blogger als jaulende Meute zu verunglimpfen. Es finden sich nämlich auch sehr viele sehr nachdenkliche und sachliche – und ja: Sogar geistreiche! – Beiträge zum Thema in den verschiedenen Blogs, die dem verehrten Herrn Wortwart wohl entgangen sein mögen …

    Aber wahrscheinlic habe ich die Zielsetzung dieses Blogs einfach auch nicht verstanden.

  19. @Dennis: Drei deiner Absätze (2 bis 4) stimme ich gerne zu, den anderen drei nicht. Was den letzten Absatz angeht, bin ich gerne bereit zuzugestehen, dass den Blogmob nicht so sehr auszeichnete, was er gefordert hat (ohnehin keine Kernkompetenz von Mobs), als vielmehr wie er sich benommen hat.

  20. @Günther:
    Doch, das mit der Zielsetzung kommt da schon besser hin – aber wenn ich meine Aufgabe in erster Linie darin sehen würde, streitende Parteien zu beruhigen oder Wogen zu glätten, wäre ich Schiedsrichter oder Pfarrer geworden, nicht Journalist.

  21. Bei der Antwort musste ich eben lächeln :-) Dann scheint die billige Polemik dem Medium “Blog” offenbar systemimmanent zu sein. Weil’s so schön einfach ist, herumzuholzen statt nachzudenken?

    Na ja, Sie haben vermutlich Recht, Herr Guertler. Jeder Blogger jault halt rum und das am liebsten in der Meute …

    Jeder! (Vorausgeseetzt, dass flame-wars systemimmanent und keine charakterlich verursachten Geschehnisse sind, s. 1. Satz.)

    Ich bleibe dabei: Wer den Anspruch hat, ein denkender Teilnehmer im Diskurs zu sein, sollte die Selbstreflexion auch im Blog ebenso wenig aufgeben wie im klassischen Print-Medium – da hätten sie wowas doch auch nicht geschrieben – oder doch?

  22. @Günther: Lächeln ist immer gut.

  23. @Detlef: Kann es sein, dass Eva, Dich und andere einfach mehrere Welten vom “Mob” hier draußen trennen; ihr es aber haltet, wie jeder brave Irre in einer Anstalt, der sich für normal – und die Welt draußen für verrückt hält?

    Eva Schweitzer liefert ein Plagiat ab und mahnt dann die Zitate und Verweise auf das Plagiat ab. Da stellt sich nur eine einzige Frage, die da blogkompatibel lautet: WTF?

    http://www.tmz.com/2008/02/15/jeri-ryan-the-real-obama-girl

    Die TMZ Meldung ist ~3 Monate älter als das Geschreibsel von Eva – wer klaut hier von wem?

    Belangloses, wenig lesenswertes Kirk- und (zum Teil inhaltlich obendrein auch noch falsches) Star-Trek Gefasel um die geklaute Idee herumzustricken wirkt in etwa so, wie der einige Zeit zurückliegende Versuch der chinesischen Automobilindustrie, einen Geländewagen von Opel nachzubauen. Er klapperte an allen Ecken und Kanten und fiel bei der Probefahrt auseinander.

    Dann auch noch die bodenlose Dreistigkeit zu besitzen, dem der Plagiatsautorin wohlgesonnenen Blogger einen Winkeladvokaten auf den Hals zu hetzen… wir landen wieder bei der zuvor bereits gestellten Frage: WTF?!

    Immerhin hast Du ja aber erkannt, dass die schamlosen Versuche von einigen – nicht nur technisch rückständigen – Papierschmierern ein Monopol zu erhalten und auszuschlachten manche von uns wütend machen, bravo.

    Nicht wir sind es, die sich wehren – ihr seid es, die ihr euch verzweifelt gegen Veränderungen sträubt, mit denen ihr nicht Schritt zu halten vermögt – und die ihr selten überhaupt auch nur ansatzweise begreift.

    “Data, beamen Sie mich hier raus!”
    - Eva Schweitzer
    http://www.zeit.de/online/2008/21/new-york-kolumne?page=all

    -.-

    Scotty! Beamen Sie mich hier raus, die Tribbles nerven.

  24. Na dann lächle ich doch mal fröhlich weiter und verlängere diesen thread nochmal etwas.

    Mir scheint, dass in der ganzen Diskussion zwei Themen durcheinander geraten sind. Oder sogar drei: Nein: Vier!

    Das eine ist der Umgangston (manchmal zu frei von der Leber weg) hier im Medium, in dem sich ja erst mal niemand direkt wehren kann. Da, meine ich, braucht’s halt ein bissl Selbstbeschränkung, wenn einem mal die Gäule durchgehen wollen – einfach nur, um diskursfähig zu bleiben. Im Medium ist das längst bekannt – siehe Artikel “flame war” auf wikipedia.

    Das zweite Thema (stand ja eigentlich am Anfang) ist die Verhältnismäßigkeit einer Abmahnung, wie im vorliegenden Fall. Das hat sich ja geklärt, weil die Abmahnung vernünftigerweise zurücknommen wurde. Da kann ich sogar die Emotionen mancher Blogger verstehen, denen der Kamm geschwollen ist: Als Blogger oder Forumsbetreiber lebt man ja ständig in Angst vor irgendwelchen Abmahn-Haien, die damit schnelles Geld machen wollen.

    Aber daran ist nicht die verehrte Frau Schweitzer schuld, sondern eine Medienpolitik, die das Medium noch nicht verstanden hat, und die dem Abmahnwahn mancher Anwälte bisher keinen Riegel vorgeschoben hat. Aber jetzt gibts ja die Piratenpartei und damit wird es das Thema irgendwie auch auf die politische Agenda schaffen und eine vernünftige und gerechte Lösung finden.

    Das dritte – und für mich viel spannendere Thema verbirgt sich hinter solchen Begriffen wie “Holzpresse” vs. “Blogmobmeute”. Da scheint gerade eine Art Kulturkampf stattzufinden, bei dem Frau Schweitzer völlig unbeabsichtigt zwischen Fronten geraten ist, zwischen denen sie vermutlich gar nicht stehen wollte.

    So, wie der arme Blogger mit seinem Zitat genau so unbeabsichtigt zwischen die Autoren- und Unternehmer-Fronten geraten ist Frau Schweizer wehrt sich ja zu recht gegen Unternehmen, die mit ihren Texten Geld verdienen wollen, ohne sie daran teil haben zu lassen – was ihr nach meiner Übersicht in keinem der vielen Blogs abgesprochen worden ist! (Das wäre dann das vierte Thema in der ganzen Aufregung.)

    PS: Gibt’s eigentlich schon einen “Blogwortwart” der ganzen Nation? Oder gibt es das Wort überhaupt schon? :-) – Wenn nicht, dann steht es jetzt hier und ich habe vielleicht den Sinn dieses Blogs doch noch verstanden …

  25. @André B:
    Gute Recherche. Selbst gemacht?
    Allerdings gibt es auch noch ältere Quellen, die auf diese Weise einen Zusammenhang zwischen Star Trek und Barack Obama herstellen, z.B.
    http://michellemalkin.com/2008/01/07/what-barack-obama-owes-jeri-ryan/
    und bestimmt noch ein paar mehr. Rein urheberrechtlich handelt es sich dabei nicht um Plagiate, sondern um (zwangsläufig inhaltlich ähnliche) Beschreibungen eines realen Sachverhalts. Eva Schweitzer hat keine der hier vorliegenden Veröffentlichungen abgeschrieben, sondern alles in eigenen Worten formuliert, ist und bleibt also die Urheberin ihres Textes.
    Es sei denn natürlich, Sie finden noch irgendwo in den unendlichen Weiten des Internets die Mutter aller Quellen, jenen Text, den Schweitzer 1:1 kopiert oder allenfalls ins Deutsche übersetzt hat…

  26. @Guertler
    Allein diese gehässige Nachfrage “Selbst gemacht?” zeigt sehr deutlich ihre Einstellung gegenüber dem medienkritischen “Blogmob”. Das was dieser Mob in jedem Fall – im Gegensatz zu ihnen – gelernt hat, ist inhaltlichen Diskurs zu pflegen. Worum es hier geht, haben sie immer noch nicht verstanden.

    taz – au weia …

  27. @Detlef Guertler: Danke für den link! Aber da steht “Blockwartwart” mit “a” – dann reklamiere ich den “Blockwortwart” mit “o” mal für mich.

    Beim längeren Nachdenken dämmert mir aber, dass es so eine Art Blogwartwart” in Deutschland schon länger zu geben scheint:

    http://www.buskeismus.de

    Bei aller geäußerten Kritik an der Pressekammer Hamburg beruhigt es mich gerade sehr, dass die geistige Lufthoheit über die Bloggosphäre dann doch nicht in die Hände der taz fallen wird, sondern – zur Not in nächster Instanz – ibei einem Gericht landet.

    Nur leider kann sich mancher einfache Mensch, der nach Feierabend gelegentlich bloggt und kommentiert, keinen RA Eisenberg leisten, der ihn da klug und engagiert vertritt und auch mal ein Urteil gegen einen anderen prominenten Juristen erwirkt, weil der ein paar krumme Dinger unter anderem mit der domain der taz gedreht hat. Vielleicht hat Andrè B. die (juristische, finanzielle) Ohnmacht mancher bloggenden Zeitgenossen gemeint, als er oben vermutet hat, dass es da mehrere trennende Welten zwischen dem “Mob” undmanchen “Papierschmierern” gibt (?). Jedenfalls hat die verehrte Kollegin Schweitzer den Namen Eisenberg irgendwo in ihren Blogs bzw. Kommentaren zum Thema ausdrücklich erwähnt und damit so Assoziationskette angestoßen, die vollends in die Waffenungleichheit führt.

    @Andrè B. Respekt! Ich habe beide Texte nebeneinander gelegt und muss sagen, auch wenn es nicht 1:1 übersetzt, sondern hier und da erweitert und ergänzt ist – ein enger Zusammenhang zwischen den beiden Texten lässt sich meiner Meinung nach ebenfalls plausibel machen.

    Auch Qualitätsjournalisten kochen halt nur mit Wasser :-) Gelle, liebster Detlef Guertler?

  28. @Günther: Wer seine Gegenüber als “Horde wutschnaubender Möchtegernpiraten, die ihre Nächte im Schlafanzug vom dem Computer verbringen” bezeichnet, der ist wohl kaum unbeabsichtigt zwischen die Fronten geraten. Es mutet eher an wie der Versuch der Figur des John Rambo, sich mit einem Maschinengewehr gegen den vermeindlichen Feind zu stellen und ihn niederzumähen – die gefühlte Rechtslage und die “moralische Überlegenheit” legitimieren es ja.

    @Detlef: Ich mache es wie Eva und Du. Ich copy & paste Fundstücke, reichere mit Halbwissen sowie (VViki-)Querverweisen an und interpretiere anschließend zu meinen Gunsten. Es tut mir leid, sollte ich dabei noch nicht euren Grad an Professionalität erreicht haben – aber als ich volontierte, waren wir noch so ehrlich unsere Plagiate um die Quellenhinweise zu ergänzen – wir sind nicht den Weg der billigen Anekdötchen gegangen, um die Herkunft einer Story zu verschleiern.

    Ein Plagiat ist auch dann ein Plagiat, wenn sich der Plagiateur nicht gleich eine Urheberrechtsverletzung zu Schulden kommen lässt und 1:1 abschreibt.

  29. Das sah nach Meer aus. Sind aber doch nur wenige Teilnehmer an dieser Diskussion.

    Es ist ehrenhaft, Herr Guertler, dass Sie Frau Schweitzer zur Seite stehen. Die Regeln des Urheberrechts sollten von allen Journalisten und Bloggern eingehalten werden.

    Problem ist die Schleppnetzfahndung. Mein Vater arbeitet nur mit Harpune (Dreizack). Netze mag er nicht und Angeln sowieso nicht. Und wenn dann doch mit Netzen gefischt wird, sollte eine Mindest-Maschengröße eingehalten werden. Beifang gehört zurück in die See und nicht in die Fischmehlmühle der Justiz.

    Wer Netzfischer (Internetdektive) beauftragt, sollte deren Fang prüfen bevor juristische Maßnahmen ergriffen bzw. angeroht werden. Schleppnetzfahndung sollte nicht zur Neppnetzfahndung werden.

    “Findet Nemo!” Niemand soll mir nicht entkommen?

  30. @ Gunnar: Heiliger Strohsack, wieso sehen Sie hier Gehässigkeit?! In all den vielhundert Kommentaren, die diese Causa mittlerweile netzweit produziert, ist der von André B. meines Wissens der erste, für den tatsächlich recherchiert wurde – da ich nicht alle Diskussionsstränge parallel verfolge, ist die Frage doch wohl sachlich gerechtfertigt?!
    @ Günther: Der Blogwortwart geht an dich. Auf die anderen von dir aufgeworfenen Fragen bzw. Punkte würde ich gerne eingehen, aber heute wird das vermutlich nichts mehr.
    @ André B.: Die Recherche ist wie bereits gesagt durchaus professionell. Das daraus abgeleitete Urteil und die verwendeten Formulierungen wären in einem Printmedium m.E. nicht angemessen, liegen in einem Blog aber eher im Mainstream.

  31. @Detlef: Einer der – vielen – schätzenswerten Vorzüge von Foren, Blogs and the like ist es, sich auch einmal bodenständig ausdrücken zu dürfen und das auch zu tun – eventuelle Ausnahmen der Entgleisungen (und Typos) eingeschloßen.

    ICH steige nicht erst auf das hohe Podest der intellektuellen Überlegenheit um mich wenig später durch schlanfanzügliche Beleidigungseskapaden wieder in die Tiefe zu stürzen und “voll auf die Fresse zu fallen”. Dann lieber gleich bodennah fliegen.

  32. @Guertler: Das war weder sachlich noch gerechtfertigt.
    André hat das ja nicht für ein Printmedium formuliert, sondern für einen Blogkommentar. Damit hat er in jedem Fall mehr journalistische Qualität an den Tag gelegt (Zielgruppenorientierung z.B.) als sie, wenn sie sich so – nennen wir es mal – herablassend wie ihre Kollegen Eva in einem Meduim bewegen, von dessen Nutzern sie eine sehr falsche und von Vorurteilen geprägte Meinung haben. Er hat sein Ziel erreicht, sie nicht. ;)
    Lassen sie es gut sein. Andre hat im Grunde Recht, Frau Schweitzer hat ganz tief ins Klo gegriffen, und sie können es nicht zugeben, ohne dies Eingeständnis mit abwertenden Mutmaßungen gepaart mit Holzmedien-typischer Arroganz sofort wieder zu relativieren.

  33. @Andrè B. – den Satz habe ich im Original auch gelesen. Ich hab ihn dann aber als sprachverliebtes und gar nicht so ernst gemeintes Wortspiel mit frechen Bildern interpretiert, das spielerisch gemeint war und nicht wörtlich.

    In anderen Zusammenhängen schreibt man sicherheitshalber dann text drumrum – aber das weiß die Frau Schweitzer vermutlich nicht.

    Mir selber ist es mit meiner eigenen Lust am Herumschwurbeln von Sätzen in dieser Diskussion so ergangen, als ich in einem Schweitzer-Blog den Satz unterbringen musste, dass die “eher mesophytischen Kürbisarten meist in laubwerfenden Dornbusch-Wäldern wachsen” – Das hat zwar wirklich nichts zum Thema beigetragen, aber ich fand die Formulierung einfach hirnrissig schön – und ich nehme einfach an, dass Frau Schweitzer das mit den Nächten “im Schlafanzug vor dem Computer” genau so einfach nur aus Freude an den Worten dahin getippt hat, ohne sich darüber klar zu sein, dass manche Zeitgenossen die Ironie nicht mitlesen.

    Wenn sich jemand daher durch meinen Beitrag mit der gebloggten Kürbissuppe drüben im anderen Blog irgendwie gestört fühlt, bitte ich hiermit ausdrücklich um Entschuldigung! Da wollte ich einen Witz machen – aber ich weiß, dass nicht jeder denselben Humor hat …

    Was ich sagen will @Andr`B. ist, dass wir alle – Blogger und Journalisten – mehr im selben Boot sitzen, als wir denken! Dass man ruhig auch mal zugeben kann, wenn man mal was ungeschickt formuliert hat, weil es jemand anderes ganz anders gelesen hat. Dass man auch mal was zurücknimmt – so wie Frau Schweitzer ganz schnell die Abmahnung zurück genommen hat, weil sie keinen Blogger ruinieren wollte, aber sich ärgert, dass andere kommerzielle Unternehmen mit ihrer Arbeit (auch wenns ne freie Übersetzung ist fg) Geld verdienen.

    Wenn wir alle, die wir hier mitdiskutieren, mal voneinander annehmen würden, dass wir in einer gerechteren, freieren und fröhlicheren Welt (ohne Content-Mafia, die nur unser Geld will) leben wollen, dann könnten wir sofort ohne Vorwürfe miteinander diskutieren und die wirklichen Probleme ansprechen, Andrè B.

    Wir kochen doch alle nur mit Wasser! (<– das wird grade mein Lieblingssatz)

  34. damit ist die Pointe natürlich hin, weil der Texteditor hier die html-Tags zensiert.

    Ich wollte im zweiten Absatz oben schreiben: Eckige Klammer = Spitze Klammer

    Zitat: “In anderen Zusammenhängen schreibt man sicherheitshalber dann [IRONIE] text [/IRONIE] drumrum – aber das weiß die Frau Schweitzer vermutlich nicht.

    [Und das weiß der Texteditor hier auch nicht, aber hoffentlich wirds mit dem Nachtrag hier verständlich.]

  35. @Gunnar: Eine höchst interessante Argumentation: Rotzige Pöbelei beweist höhere journalistische Qualität, weil sie der Blogger-Zielgruppe gerecht wird. Es gibt kein Klo, das so tief wäre, wie Sie damit greifen.

  36. Du verschließt den Gürtel Deiner Hose aber nicht über den Brustwarzen, oder Detlef? Dennoch meinen Dank für den tiefen Einblick, den Du mit nur einem Satz gewährst.

    @Günther: Im Kontext mit den anderen Kommentaren und Antworten aus der Feder von Eva ist da imho wenig Spielraum für eine wohlwollende Interpretation der Anfeindung. Allerdings sei ihr zugestanden, dass sie sich in einem Medium bewegt, von dem sie faktisch wenig oder gar keine Ahnung hat, der DAU Bonus sei ihr gewährt.

  37. Vieles was mir hier noch auf dem Herzen lag, ist bereits gesagt worden, so brauche ich es nicht wiederholen. Unter anderem auch der interessante Link zu TMZ, was mir voher auch nicht bekannt war.

    Aber mal noch was grundsätzliches zum Tonfall, was mir am Wochenende auch sauer aufgestoßen ist:

    Frau Schweitzer betitelte ihren Beitrag mit “The Empire Strikes Back”. Klar, ist das die Anspielung auf die Star Wars Filme, wie auch die folgenden zwei weiteren Blogeinträge.

    Aber bitte.. eine Redakteurin bei einer Zeitung wie die TAZ, einer Zeitung die ich bislang immer auch irgendwie mit “Antiimperialismus” verbunden habe, spielt sich auf, als sei sie das Imperium persönlich, und müsse mit ihren Sturmtruppen (dem Anwalt) der gerade den Auftrag einer “Schleppnetzfahndung” (erinnert mich eher an die “Rasterfahndung”) erhalten hat, einen kleinen Blogger dingfest machen und lässt diesen “am Haken” zappeln.

    Irgendwie hat sie es in diesem Beitrag geschafft, all die Attribute von Verhaltensweisen an den Tag zu legen, den ich gerade von einer Person mit einer Biographie wie der ihren bei einer Zeitung wie der TAZ eben NICHT vermutet hätte.

    Und mit ihrem Satz über die Blogger als die “wutschnaubenden Möchtegernpiraten im Schlafanzug”, reiht sie sich ein in die Riege der Leute wie

    -Richard Wagner, der Blogger 2008 in der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung als “arbeitsweltliche Asoziale” bezeichnete.
    - Gerd Blank der im Stern mal vom “Pöbel” aus dem Netz sprach…
    -Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen die Szene pauschal als “Beta-Blogger” darstellten…
    - FAZ Redakteur Marco Dettweiler, der Peter Glaser (Blogger und Ingeborg-Bachmann Preisträger) mal in einer E-Mail anherrschte er solle ruhig weiterbloggen, aber “seriöse Journalisten” nicht mit E-Mails belästigen…

    …und wer weiss wer mir jetzt noch nicht eingefallen ist…

    Da wundert man sich, wenns plötzlich Gegenwind gibt? Da fällt mir nur wieder der Spruch von Benjamin Franklin ein… Wer Eitelkeit zum Mittagsbrot hat, bekommt Verachtung zum Abendbrot….

  38. @Dennis: Ihre Überschrift hat doch etwas prophetisches… in Star Wars wurden die Sturmtruppen besiegt, der Todesstern zertört, die Clone Krieger geschlagen, der Imperator getötet… – lang lebe die Republik :) .

  39. Als Ergänzung zu dem irgendwo-wie gepflegten Kloo-Tiefgriff:

    SCHEISZHAUSFEGER: (mask.): modestius heusleinfeger, foricarius, latrinarius (STIELER 451).

    “Wer (mit züchten zu reden) der gröszte scheiszhausfeger wäre…”.
    (Der zugriffig, züchtig reintisch machende LUTHER herr- und herlich-selbst; iIn den Tischreden. 4, 705)

  40. Pingback: http://www.zeit.de/online/2008/21/new-york-kolumne?page=all « La Triperie

  41. @Detlef Guertler: Es ist ein wenig erstaunlich, wie Sie die staerksten Argumente, die bisher in dieser Diskussion aufkamen, ignorieren. Wenn Sie schon so wortreich und vehement Ihre Kollegin verteidigen, bitte aeussern Sie sich doch auch zu den grossen Bruechen in Frau Schweitzers Verhalten, die die meisten Fragen aufgeworfen haben:

    1. Die Tatsache, dass Frau Schweitzer bei der Beauftragung Ihres Anwalts anscheinend keine Unterscheidung zwischen profitorientierten Unternehmen und einfachen Bloggern gemacht hat.
    2. Der Fakt, dass sie den Blogger nicht vorher kontaktiert, sondern gleich hat abmahnen lassen.
    3. Der Tonfall, in dem sowohl Frau Schweitzer, als auch Sie jetzt ihre Leserschaft verurteilen.

    Ich finde es mutig und richtig, einer/m KollegIn beizustehen. Aber es ist noch viel mutiger und richtiger, seine Impulsentscheidung kritisch zu hinterfragen und differenziert zu begruenden. Statt Fragen zu Frau Schweitzers Verhalten zu ignorieren, duerfen Sie antworten!

  42. Es werden keine weiteren Kommentare mehr angenommen.

  43. HALLO LIEBE HEISE-LESER, DIE IHR EUCH JETZT ERST IN DIE DISKUSSION EINBRINGEN WOLLT:
    AUCH FÜR EUCH GILT, DASS ZU DIESEM BEITRAG KEINE KOMMENTARE MEHR ANGENOMMEN WERDEN. JEDER KOMMENTAR WIRD OHNE ANSEHEN DES INHALTS GELÖSCHT.
    VIELLEICHT VERSTEHT IHR DAS JA BESSER, WENN ICH ES IN GROSSBUCHSTABEN SCHREIBE…

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