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vonDetlef Guertler 29.11.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Das ist doch mal wieder ein Wort für deine Wortistik“, meint meine Frau heute morgen beim Zappen – die Schiebelade von Milka. Schiebelade? Na, Schokolade zum Schieben eben, passt hervorragend zum ersten Advent.

„Das gefällt mir überhaupt nicht“, quengle ich etwas unausgeschlafen zurück. Das klingt wie Schublade und nicht wie Schokolade, und überhaupt ist Schokolade etwas zum Essen und nicht etwas zum Schieben. Aus einer völlig nebensächlichen Eigenschaft des Produkts macht man kein neues Wort – Ritter Sport hat ja auch nie versucht, sich als Quadratschokolade zu verkaufen.

Andererseits ist es doch immer eine Erwähnung wert, wenn einer unserer Hypermarkenartikler bzw. dessen Werbeagentur den Versuch macht, ein neues deutsches Wort zu schöpfen. In jedem Fall besser als ein multilingualmixender Versuch wie Nivea Visage DNAge – und auch der hat es bis in die Wortistik geschafft. Zwar als Unword, aber any promotion ist ja good promotion. Also darf sich auch die Schiebelade in dieser Kategorie tummeln: Danke, verehrte Milka-Produktmanager, für diesen Versuch, er war ja gut gemeint; und wenn ihr noch ein wenig weiterübt, kommt eines Tages bestimmt auch ein gut gemachtes Neuwort von euch.

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kommentare

  • € (oder @….:) polyphem, der auch mit einem Auge die Schoko erkannte:
    „Mach uns eine Schokolade! Und bring von den gefüllten Waffeln!“ (E. Kästners schokoladiges „Doppeltes Lottchen“. S. 114):

    (Meine) Mokolade – damit sie, die zarte Creme-, Mandel-, Milch-, Mokka-, Nuß-, Schmelz-, Tafel-, Trüffel-, Voll-, Edel-, Halbbitter- oder sonstwie Voll-, Butter- oder Garnicht-Milch-Lade, nicht in der Wortlade verschwindet!

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