hausmenschlich

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:

Irren ist männlich: Jahrhunderte hindurch hat die deutsche Sprache die Wörter „Haus“ und „Frau“ untrennbar zusammengeknüpft. Erst seit wenigen Jahrzehnten dürfen Frauen sich in anderen Sphären bewähren als in der des Hauses. Wohingegen viele Männer Fähigkeiten entwickeln, die man dazumal als „hausfraulich“ gekennzeichnet hat. Um nun aber nicht in umgekehrte Richtung zu diskriminieren, schlage ich vor, künftig von „hausmenschlichen“ Fähigkeiten zu sprechen. Ein Ausdruck, der jedem und jeder gerecht wird. Oder?

hausmenschlich = auf die Haushaltsführung bezogen; vormals „hausfraulich“


2 Kommentare zu "hausmenschlich"

  1. Nicht nur im Mittelalter, auch noch bei Schiller gab es das Nomen “H a u s m a n n” (männl.):

    Es ist der schnelle Verschleiß sozialer Rollen und sozio-beruflicher Zuschreibungen, die verbale Kurzatmigkeit der Erinnerungen und der eigenen ausgewählten Verwendung von Vokabeln, die den Nicht-Gebrauch von alten oder ungewöhnlichen oder nicht in den Sprachvolkskörper aufgenommenen Altwörter (den sog. “Volksmund”), so erscheinen läßt, als ob nur die Gegenwartssprache die deutsche Sprache repräsentiert.

    Das Stichwort-Beispiel im Grimmschen Deutschen Wörterbuch:

    “HAUSMANN, m.“

    1) der vorstand einer haushaltung, hausvater: also gieng der dippel in sich selb, erkannt seiner frawen radt für gut und zoch wider zuruck in sein alte herberg, lies hinfurbas seinen eifer faren und ward ein rechtgeschaffner hausman. WICKRAM rollw. 154, 3
    Kurz; ein ehrlicher hauszmann, welcher sich durch seine magd hatte verführen lassen. SCHUPPIUS 466;
    ich habe langes und breites von einer sogenannten blutliebe schwatzen gehört, das einem ordentlichen hausmann den kopf heisz machen könnte. SCHILLER räuber 1, 1 ”

    .. weitere Beispiele dort im Anschluss des Artikels.

    http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=Haus&lemid=GH04227&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GH04227L0

    Sprach-Meister und Geschichtslehrer Prof. Dr. Konrad Duden hat zwar 1880 in seiner ersten Auflage des “Orthographischen Wörterbuchs” (Leipzig 1880) den “Hausmann” nicht mehr aufgenommen, weil er Ausdruck von der familiären und wirtschaftlichen Funktion her verloren gegangen war, aber er hat noch kundig registriert: “Haushälter” und “Haushälterin”; solche ordnend-dienenden Funktionen wurden also noch geschlechtsspezifisch als Wirtschaftsaufgabe in großherrschaftlichen adeligen oder bürgerlichen Haushalten gebraucht und honoriert.

  2. Als Hausmann kann man sogar Wirtschaftsminister werden.

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