Eigentlich dachte ich ja, ich hätte mich ganz normal am Telefon gemeldet. Aber meine Co-Chefredakteurin Corinna Freudig sah bzw. hörte das anders: “Was ist denn los mit dir? Du klingst ja so leberlausig.” Was natürlich auch stimmte. Aber mit so einem schönen neuen Adjektiv ging es dann gleich doch wieder viel besser.
Archive for Januar, 2010
iMac war okay, iPod war klasse, iTunes und iPhone gingen irgendwie in Ordnung – aber iSlate geht gar nicht. Das Wort sieht nicht gut aus, es klingt nicht gut, es stellt nichts dar, es ist hässlich, dumm und ignorant. Wenn also Steve Jobs wirklich heute abend ein iSlate vorstellen sollte, dann muss man tatsächlich an seinem sonst so traumhaft sicheren Marketing-Gefühl zweifeln. Und entweder alle Apple-Aktien verkaufen, oder einen anderen Namen finden.
Für ersteres sind wir hier nicht zuständig, für zweiteres schon. Also bitte, liebe Gemeinde, helft dabei, für Steves neues Baby einen neuen Namen zu finden.
Mir selbst würde iPad gut gefallen. Wer bietet mehr?
Was ist das Gegenteil von Gewürz? Kulinarisch gesehen gibt es das nicht: Eine zu scharf gewürzte Speise kann man nicht mehr entwürzen, und Meerwasser kann zwar entsalzt werden, eine versalzene Suppe nicht.
Im übertragenen Sinn könnte man ein solches Gegenteil aber durchaus brauchen. Zum Beispiel, wenn man wie der Schriftsteller Burkhard Spinnen über den Begriff “ein Stückweit” sinniert:
Rede ich im kleinen Kreis, dann kann ich kräftig würzen. Spreche ich aber zu einer Menge, also zu vielen, die ich gar nicht kenne und um deren empfindliche Stellen ich nicht weiß, dann lasse ich die Gewürze weg. Und um ganz sicherzugehen, streue ich sogar ein paar Kräutlein in meine Rede, um sie für möglichst alle Zuhörer bekömmlich zu machen. So sage ich zum Beispiel nicht: Wir müssen umdenken!, sondern: Wir müssen ein Stückweit umdenken!
Spinnen selbst spricht hier von “rhetorischen Weichmachern, Abschwächungspartikeln, Besänftigungs- und Beschwichtigungswörtchen”, was alles seine Berechtigung… weiter lesen
“Wenn ich ein Staat wäre, wäre dieses Lied meine Nationalhymne”, sagt meine Frau, nachdem sie vergangene Nacht den Auftritt von Bodo Wartke in irgendeinem Dritten Programm gesehen hatte. Staat muss ja nicht gleich sein – aber als Hymne für die Internationale der Regengegner wäre der Song wirklich gut geeignet:
Deswegen bin ich
gegen den Regen.
Der Regen hört nicht auf mich aufzuregen.
Bei Regen werd’ ich tierisch depressiv.
Immerzu und immer wieder
schlägt der Niederschlag mich nieder.
Deswegen find’ ich Regen mega negativ.
Diese Gegenregenbewegung wäre bestimmt auch die richtige Organisation, um endlich der Forderung nach Verlegung Deutschlands nach Mali Nachdruck zu verleihen.
“Obama kastriert US-Banken”, schreibt die FTD. Was zwar noch nicht passiert ist, aber in der Tat angedroht wurde. “Obama will US-Banken kastrieren”, wäre also richtiger, aber auch nicht wirklich Erfolg versprechender – gerade die Testosteronbomber von Wall Street werden sich mit aller Macht (und da haben sie noch ganz schön viel übrig) gegen eine Enteierung wehren.
Vielleicht wäre es also besser, ein anderes Verb zu verwenden. Zum Beispiel “volckern”. Denn nach dem Ex-Notenbankpräsident Paul Volcker, 82, soll das Kastrationsgesetz “Volcker rule” genannt werden. Der alte Herr hat mit seinen Plänen, die nach einem Jahr Zögern jetzt von Obama übernommen wurden, so ziemlich das gesamte Finanz-Establishment gegen sich, aber so ziemlich die gesamte Finanz-Vernunft für sich.
Auch den von mir sehr geschätzten Wolfgang Münchau, der in der FTD die Dimension dessen erahnen lässt, was uns mit dem Volckern noch bevorstehen könnte:
Der aktuellen… weiter lesen
von A. S. Reyntjes:
Ist das ein produktiver Neu-Begriff: „Unwortverseuchtes Deutsch“?
Ich gebe Beispiele:
Ob nur sprachlich, oder politisch relevant: Als flotte Alternative fand ich folgende „Unwörter“ des Monats Januar:
1. Rentnererhöhung
2. Ausländerabreicherung
3. Unwort
Mitgewortet seien meine schmuckverbale Begrünungen, pardon: polito-satirische Begründungen:
Ich fand die Un-Wörterei im „Eulenspiegel“ (mit dem Slogan: „unbestechlich, aber käuflich“) als verbal gründelnde Satire:
„Der ‚Zentralrat der deutschen Sprache’ gibt die „Unworte des Jahres 2010“ bekannt
1. Platz:
Rentnererhöhung
Das Kompositum täuscht eine planvolle Anhebung des Anteils älterer Menschen in der Gesellschaft vor, wo in Wahrheit unbeabsichtigt Altlasten wuchern.
2. Platz:
Ausländerabreicherung
Das Wort vermengt in verharmlosender Absicht einen Begriff aus der Atomwirtschaft mit dem sozialen Anliegen, dieses ganze arabische
Negerhordengesindel wieder loszuwerden. Im gleichen Zusammenhang sind ‚geistiges Endlager’ und ‚Mülldebatte’ zu verurteilen, die im Zusammenhang mit den Zerfallsprozessen der SPD gebraucht wurden, ebenso wie ‚zigeunervig’: Der Neologismus… weiter lesen
Sind sie nicht furchtbar, diese Arbeitgeber?
Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen störe zwar viele Unternehmen, sie als Seuche zu bezeichnen sei indes «ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen», sagte (Horst Dieter) Schlosser zur Begründung
der Kür von betriebsratsverseucht zum Unwort des Jahres 2009, sagt die Pressemitteilung dazu. Und weiter:
In einem Bericht der ARD-Sendung «Monitor» im Mai vergangenen Jahres hatte ein Mitarbeiter einer Baumarktkette geschildert, dass Abteilungsleiter Mitarbeiter als «betriebsratsverseucht» bezeichnen, die von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wollen.
Richtig daran ist, dass es diesen Monitor-Bericht gab, und dass dort ein “Bauhaus”-Beschäftigter dieses Wort verwendet hat. Das entsprechende Zitat aus der Sendung auf der ARD-Webseite:
“Verschiedene Redner, insbesondere Abteilungsleiter, kamen dann zur Sache. Betriebsrat. Wir brauchen keinen Betriebsrat, wir können alles selbst klären. Betriebsrat kostet nur Geld, was wir für anderes gebrauchen könnten, zum Beispiel Lohnerhöhungen. Und möchte ein Kollege in… weiter lesen
Wenn ihre Ursache die Prostata ist, soll dagegen der Arzneikürbis helfen. Ist hingegen, wie heute in der FTD, die Preisentwicklung chinesischer Immobilien die Ursache für Blasenangst, kann man nur auf die heilende Kraft einer strafferen Geldpolitik der chinesischen Zentralbank hoffen. Wobei man da leider genauso gut auf den Arzneikürbis setzen könnte…
War es auf RTL, wo ich gestern abend einen Experten sah, der die kinetische Energie eines herabfallenden Eiszapfens berechnete? 90 Newtonmeter – Wahnsinn! Zuvor hatte ein ebensolcher (Zapfen, nicht Experte) eine Zitrone durchlöchert hatte. Killerzapfen eben, wie sie in dem Beitrag genannt wurden. Deutschland gerät in Panik.
Wahrscheinlich steckt auch da wieder die Joghurtlobby dahinter – denn nur Menschen, die zu Hause bleiben, können dort auch gemütlich Joghurt verzehren. Und je stärker die Furcht vor Eiszapfen, desto wahrscheinlicher, dass man auch zu Hause seinen Molkereiproduktsbedarf nicht mit Eis, sondern mit Joghurt deckt. Perfide Strategie, und RTL natürlich mit dabei.
Jetzt kriegt die Joghurtlobby aber echt einen auf die Mütze. Kaum wurde ihr finsteres Treiben bei Niggemeier enttarnt, legt Kommentator genova noch kräftig nach:
Tatsächlich: Kachelmann ist bei der INSM. Der Mann wird mir plötzlich richtig unsympathisch, macht Werbung für den Pfuntensee, für Deppenjoguhrt und für die INSM.
Ein Joghurt, den sich nur Deppen kaufen, ist logischerweise ein Deppenjoghurt. Mir fiele da zwar als erstes nicht Actimel, sondern Activia ein, aber die Kombination Deppen- plus Produkt lässt sich prima für die verschiedensten Waren verwenden – und zwar immer für die Marken, für die so unterirdisch geworben wird, dass sie für normale Menschen nicht mehr in Frage kommen. Deppenschokolade ist, klar, Ulrike Jokiels Joghurette, Deppenmargarine die Lätta, du Schuft – oder ist Margarine an sich nur Deppenbutter? Faustregel: Alle Marken, für die in RTL II geworben wird, kommen als Deppenmarken in die engere Wahl.