Archive for Januar, 2010

12.01.2010 von Detlef Guertler
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Joghurtlobby

von Detlef Guertler

Das Kachelmann-Bashing Im Blog des Kollegen Niggemeier geht munter weiter (aber diesmal bleibe ich wie schon beim letzten Beitrag versprochen hart, und werde dort ganz ganz bestimmt zu diesem Thema keinen Kommentar mehr hinterlassen). Natürlich bekommt auch Kachelmanns Actimel-Werbung heftig Prügel ab. Ein anonymer Kommentator hat dabei sogar eine ganz besondere Verschwörungstheorie entwickelt:

Die Werbekampagne von Danone zu Actimel grenzt an Volksverdummung. In England hat man einige Werbespots zu Recht verboten, in Deutschland ist der Verbraucherschutz gewohnt zahnlos gegenüber der Joghurtlobby.

Joghurtlobby. Aha. Das sind die, die Twitterer Noelze auch schon als Drahtzieher hinter dem Schweizer Minarett-Verbot ausmachte. Müssen echt finstere Gesellen sein – nur dadurch ist auch zu erklären, dass ihr grauenerregendes Wirken bislang praktisch völlig unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Andere Lobbys sind da nicht so geschickt. Vor allem die Waffenlobby (450.000 Google-Treffer) und… weiter lesen

11.01.2010 von Detlef Guertler
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überwarnen

von Detlef Guertler

Aus aktuellem Anlass ein Auszug aus dem Interview, das ich vor einem Jahr mit dem Meteorologen Jörg Kachelmann für die Zeitschrift pwc: geführt habe:

Anfang 2007 wurde ganz Deutschland in Großbuchstaben vor dem Sturm Kyrill gewarnt, und dann kommen Sie und beschweren sich: Jungs, alles übertrieben.

Es ist ganz wichtig, dass Sie nicht überwarnen. Kyrill war mit Lothar verglichen eine schlappe Angelegenheit. Er war flächig gigantisch, aber von der Geschwindigkeit her eher lau. Wenn ich so ein Bohei mache für einen 130er- oder 140er-Sturm – was soll ich dann sagen, wenn Lothar II kommt? Und das ganze über Berlin in einer Silvesternacht? Dann möchte ich nach oben noch irgendeine Eskalationsmöglichkeit haben.

Ein solches Wochenende der Überwarnung hat Deutschland gerade mit Daisy hinter sich gebracht. Es hat vermutlich dazu beigetragen, dass viele Menschen mit einem Wird-nicht-so-schlimm-werden-Gefühl auf kommende Unwetterwarnungen reagieren. So dass wir eigentlich nur beten können, dass uns kein Lothar… weiter lesen

09.01.2010 von Detlef Guertler
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Facefreund

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:

Seit einem guten halben Jahr bin ich bei Facebook. Ich tummle mich dort mit unregelmäßiger Regelmäßigkeit. Manchmal stelle ich Fotos ein. Manchmal einen Tagebucheintrag. Manchmal ein dummes kleines Gedicht. Oder ich kommentiere die kleinen Gedichte und die Fotos meiner Freunde.

Ich habe ungefähr 30 Freunde. Das ist nicht viel. Der Bruder meiner Frau, der vielberufene Alexander, ist ungefähr ebenso lang bei Facebook wie ich und hat bereits 3.290 Freunde. Ich habe eben noch einmal nachgeschaut: 3.290! Ich stelle mir vor, dass Alexander täglich viele Stunden damit zubringt, Freundschaftsanfragen zu stellen und zu beantworten. Ich weiß nicht genau, was ihm das gibt; aber die Menschen sind unterschiedlich.

Facebook bietet viel Überraschendes. Als ich in meinem Profil vermerken wollte, dass ich verheiratet bin, und auf den entsprechenden Link geklickt habe – was hat mir das System geantwortet? „Wir werden Tamara Spitzing benachrichtigen, welche/r dann bestätigen muss, dass… weiter lesen

08.01.2010 von Detlef Guertler
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Papierzeitung

von Detlef Guertler

Es sieht ja gerade ganz danach aus, als würde das, was mir gemeinhin “Zeitung” nennen, den Weg alles Irdischen gehen und von irgendwelchen elektronischen Inhaltsansammlungen ersetzt werden. Wobei vermutlich etwas übrig bleiben wird, wenn sogar Felix Schwenzel es manchmal charmant findet, diese Sorte Zeitung zu lesen (was wiederum Wolf Schneider als Beleg für die Einsamkeit Schwenzels nahm (via Stilstand), aber das ist eine andere Geschichte).

Womit sich allerdings die Frage stellt, wie man dieses irgendwie Elektronische nennen soll, das die Zeitung ablöst. Wenn ich davon ausgehe, dass es sich um etwas handelt, das “mit journalistischen Stilmitteln präsentiert” wird, das “aktuellen und universellen Inhalt” bietet und “in kurzen Zeitspannen öffentlich erscheint”, dann entspricht das ziemlich genau dem, was man (hier Wikipedia) als “Zeitung” bezeichnet. In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens war das Wort Zeitung auch nicht an das Medium bedrucktes Papier gebunden, sondern… weiter lesen

06.01.2010 von Detlef Guertler
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Verzwergungsangst

von Detlef Guertler

“CSU-Spitze kämpft gegen Verzwergungsängste”, meldet die FTD heute. Denn im Bild-Interview (offenbar nicht online) hatte CSUrgestein Peter Gauweiler gewarnt: Wer Bayern klein machen wolle, “muss vor allem die CSU verzwergen”.

Nun klingt das bei Gauweiler so, als wäre die Verzwergung ein Problem. Die Evolutionsbiologen sehen das aber ganz anders – für sie ist Verzwergung eine Lösung:

Verzwergung, auch als Nanismus bezeichnet, ist ein allgemeines evolutionäres Phänomen der Anpassung von Arten an bestimmte Umweltbedingungen.

Wenn die Umweltbedingungen die bisherige Größe nicht mehr zulassen, kann man sich eine neue Umwelt suchen (für die CSU schwierig), langsam oder ruckartig sterben (praktiziert die CSU gerade) oder eben sich an die neuen Gegebenheiten anpassen und verzwergen. Das passt zwar nicht zur klassischen Schwanzvergleichsstrategie in Politik und Wirtschaft, aber in der Regel gilt es als besser, klein zu überleben als groß zu sterben.

So gesehen müssten eigentlich eher die CSU-Gegner Verzwergungsangst haben… weiter lesen

05.01.2010 von Detlef Guertler
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Winterloch

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes:

Friedrich Küppersbusch [ein wortistisch adäquat qualifizierter Doppel-PPler?], der Gehabe- und Wort- Kritipper, fasst alles derzeitige endjahreszeitliche – weihnachtlich-winterlich-neujahrliche – Polittreiben und -Schreien und –Saufen als Ereignisse im „Winterloch“ zusammen:

„Es bereitet mir immer Unwohlsein, gleicher Meinung mit FDPlern zu sein. Kreuth und das Drei-Königs-Treffen haben die Funktion, ein paar Schlagzeilen im Winterloch abzustauben.“
(In „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?“ in der taz vom 4.1.2010)

Welche Partei ‚locht’ da in unserer Landschaft nicht mit, damit die Satiriker jahresfrisch zu lachen haben?

Bei der diffusen, semantischen Wetter- oder Landschaftslage des Altworts „Winterloch“ ist dies ein deutlich-eindeutiges Neuwort. Es erhält und subventioniert Umsätze in allen Fress-, Sauf- und Pressabteilungen von Schwatzsäufern, im jahreszeitlichen Winter-Treiben gegen ausgesuchte und/oder vermeintliche Politgegner.

Dass nur e i n Sommerloch gewohnheitsmäßig sich ansonsten auftut für Pressejagden – nicht aber Frühlings- und Herbstgelegenheiten, ist auch fürs Kräftetreiben zu minimalistisch.

04.01.2010 von Detlef Guertler
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sich nullen

von Detlef Guertler

Das Verb “nullen” ist ebenso locker wie mehrdeutig. Für den Duden ist es umgangssprachlich für “ein neues Lebensjahrzehnt beginnen”, ich habe es in meiner aktiven Sportlerzeit vor vielen vielen Jahren verwendet für eine eigene Niederlage (ich habe genullt) oder die des Gegners (ich habe ihn genullt), beides ist in diesem Sport auch heute noch üblich. Dem Elektriker handelt es sich um die Verbindung von blauem Kabel und Erde oder so ähnlich, und dem Automechaniker um das Zurückstellen des Tachometers auf Null.

Absolut neu war mir hingegen die Verwendung dieses Verbs in der reflexiven Form, wie sie Niggemeier-Leser Maurice Morell heute praktizierte:

Wir schreiben das Jahr 2010, der Wandel ist tiefgreifend. Sie „diskutieren” hier auf einem „Old School”-Level, das beschämend ist. Jeder will gut dastehen. Lachhaft. Trefft Euch, haltet die Kamera darauf, streamt es. Und vorher nullt Euch.

Gemeint… weiter lesen

02.01.2010 von Detlef Guertler
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Entscheidungsvernichtungswaffe

von Detlef Guertler

Ein schönes Synonym für Kultusministerkonferenz, oder?

02.01.2010 von Detlef Guertler
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hoppsen

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:

Ich hoppse, du hoppst, er/sie/es hoppst.
Wir hoppsen, ihr hoppst, sie hoppsen.
Ein Ball hoppst.
Ein kleiner Hund hoppst über die Wiese.
Die Kinder hoppsen durch den Schnee.

Ja, ich finde, wir sollten „hoppsen“ grundsätzlich mit Doppel-P schreiben. Auch wenn der Duden das anders sieht. „Hoppsen“ mit doppeltem P wirkt leichtfüßiger, beschwingter, unbeschwerter.

Es ist ein ähnlicher Fall wie seinerzeit Puzzel oder Trapp. Nicht oft, aber gelegentlich, wird ein Wort ausdrucksvoller, wenn man die Orthografie in den Wind schießt.

hoppsen = neue Schreibweise von „hopsen“