burkaesk
von Detlef GuertlerIn Lothar Lemnitzers Wortwarte das Partizip “verburkat” als Beschreibung einer in eine Burka gehüllte Frau gefunden. Dann sofort das dazugehörige Verb burkaen oder verburkaen ausprobiert – klappt aber nicht. Sieht alles furchtbar aus, lässt sich kaum aussprechen und zumindest bei mir ist das Gehirn immer wieder auf bunkern oder verbunkert gesprungen. Sieht so aus, als müssten wir damit leben, im Deutschen kein Verb für das Verhüllen in Burkas zu haben. Es gibt Schlimmeres für eine Sprache.
Reizvoll hingegen scheint mir das Adjektiv burkaesk. Ansehnlich, aussprechlich, assoziativ und mit dem Hauch an Bizarrität, der ja auch von dem Kleidungsstück ausgeht. Und zudem jederzeit auf nicht-modische Bereiche übertragbar. Auch Gebäude, Gedanken und insbesondere Gedankengebäude können ganz schön burkaesk daherkommen.
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Ja, “burbaesk” ist schöner und sprachlich angnehmer als das holprige Adjektiv (das man im Deutschen als Partizip zu einem nicht vorhandenen Verb identifiziern würde) “verburkat”; es ist adäquater zu anderen Adjektiven, die Besonderes, zumeist Groteskes, anzeigen.
“Burban” wäre die sprachökonomisch eleganteste Neubildung, aber als hör- oder lesbares Wort zu sehr missverständlich.
Spontan erfassbar, wenn man Parallelbildungen vergleicht, beispielweise: wohlan, bergan, himmelan, obenan, vornean, urban (als Adjektive); oder als Nomen Talisman (real und DUDan mit einem -n), Rührmichnichtan, Drum und Dran…
(“Wortist-Vordermann” will ich hier nicht ernsthaft in dieser analytische Wortreihe anfügen, sozusagen hintenan.)
“Burkaesk” würde ich allerdings nicht als Synonym zu “verburkat” sehen, eher als Vergleich dazu. Burkaträgerinnen sind “verburkat” (wobei hier durchaus ein schöneres Adjektiv wünschenswert wäre), Imker dagegen kommen in ihrer Schutzkleidung “burkaesk” daher. Ich bin gespannt, wann “burkaesk” zum ersten Mal in einem Modekatalog auftaucht …