27.07.2010 von Detlef Guertler
Schattenbanken hatten wir hier schon: all diejenigen Unternehmen und Institutionen, die auf den globalen Finanzmärkten wie Banken agieren, aber keine Banken sind.
Auch Schattenbörsen: nämlich den Handel von großen Aktienpaketen an der traditionellen Börse vorbei.
Aber aller guten Schatten sind bekanntlich drei. Jetzt hat die FTD in China Schattenkredite ausgemacht: In China gebe es nämlich “ein Schattenreich an verschiedenen Finanzvehikeln, mit denen die Banken auch jenseits der offiziellen Kreditstatistik und Bankbilanzen Kredite an Immobilien- und Infrastrukturprojekte ausreichen” – die Versuche der Zentralregierung die Kreditvergabe zu reduzieren, habe eben nur dazu geführt, die offiziell ausgewiesenen Kredite zu reduzieren. Wenn jetzt die chinesische Immobilienblase platze, drohten Ausfälle von 300 Milliarden Euro.
Da werden dann bestimmt auch bald Schattensanierungen und Schattenkonkurse fällig.
21.07.2010 von Detlef Guertler
Clemens, 9, hat gerade die (Armband-)Uhr gelernt, nach längeren Debatten darüber, wofür man das braucht, wenn doch in seinem Computer die Zeit digital angezeigt wird. Aber jetzt weiß er, dass nach viertel Drei und halb Drei eben dreiviertel Drei kommt. Und nach getaner Arbeit zieht er sich zurück zu seinem Internet-Fußballspiel, wo er die WM mit Freistößen nachspielen kann.
Und er übersteht die Vorrunde, und das Achtelfinale und das Viertelfinale, und das Halbfinale, und dann kommt – “das Dreiviertelfinale”! Logisch: wenn man gerade eben die Uhr gelernt hat…
Ansonsten scheint das Dreiviertelfinale aber eher nicht praktiziert zu werden. Außer möglicherweise vor langer langer Zeit bei den DDR-Schachmeisterschaften. Denn wenn wir Wikipedia glauben dürfen (was wir natürlich nicht dürfen), spielte ein gewisser Manfred Zucker “von der 3. Kreisklasse bis zur DDR-Oberliga in allen Spielklassen und schaffte es im Einzel Anfang der 1960er Jahre… weiter lesen
16.07.2010 von Detlef Guertler
“Ich will ja nicht nur Herausgeber sein, sondern auch ein Hineingeber.” Mit diesem Satz zitiert Christina Maria Berr in der aktuellen Süddeutschen Zeitung den frisch aufs Altenteil geschobenen, pardon, im neuen Leben angelangten Helmut Markwort.
Hineingeber – ein Wort für ein Drama. Und zwar für eins, das wohl tragisch enden muss. Der alte Mann, der von seinem Lebenswerk Focus nicht lassen kann, das aber jetzt eigentlich aus dem Markwortschen Schatten heraustreten sollte, was jener aber um allen Preis verhindern möchte, wobei er auf starke Truppen bauen kann, zu denen er etwas hineingeben kann, womit es eigentlich zum Showdown im Arabellapark zwischen Alt- und Neu-Chef kommen müsste, wobei ich nicht sicher bin, welcher Seite ich den Sieg wünschen soll (die Editorials von Markwort als Gong-Chefredakteur hatte ich seinerzeit sehr gerne gelesen), aber am Ende werden ohnehin beide verlieren. Und wir alle dürfen zuschauen.
03.07.2010 von Detlef Guertler
“Wer ist schlimmer für die Stabilität der Welt?”, fragt Nassin Taleb: “Ein Schurkenstaat mit Waffen oder ein schwarzschwanblinder Paul Krugman mit fehleranfälligen Theorien über Staatsdefizite…”
Taleb würde die selbst gestellte Frage offensichtlich mit “Paul Krugman” beantworten. Und dieser, vermutlich der einzige Journalist, der jemals den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat, dreht auch tatsächlich gerade vollkommen ab: “Ich schnappe mir den nächsten Typen, der mich brutal nennt, und hau ihm in die Fresse”, überschreibt Krugman seinen aktuellen Blog-Eintrag. Womit er wiederum auf den ebenfalls aktuellen Economist reagiert, in dem ihm eben “crude Keynesianism” unterstellt wird.
Völlig zurecht übrigens: Seine Forderung, dass die Staaten nur auf Teufel komm raus auf Kredit die Wirtschaft ankurbeln müssten, und zwar so lange und so heftig, bis die endlich wieder ans Laufen kommt, dürfte die Weltwirtschaft komplett an die Wand fahren und die Staaten so weit aus dem Gleichgewicht bringen, dass ihnen… weiter lesen