Archive for August, 2010

31.08.2010 von Detlef Guertler
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Verpixelungsrecht

von Detlef Guertler

Google-Sprecher Jeff Jarvis hat ein neues Wort entdeckt:

“Amazing (new) German word in its privacy mania: Verpixelungsrecht: The right to be pixelated?”

Gefunden hat es er bei Matthias Lehming:

“Im ARD-Magazin Kontraste fürchtet man sogar durch die staatlichen Eingriffe die Pressefreiheit in Gefahr, da das geplante Verpixelungsrecht schließlich in allen Medien anzuwenden sei.”

Eigentlich handelt es sich ja nicht um ein Verpixelungsrecht sondern um das 1983 vom Bundesverfassungsgericht in Grundrechtsrang erhobene Recht auf informationelle Selbstbestimmung, aber das klingt natürlich nicht so lustig. Und das Streben nach Informational self-determination könnte Jarvis wohl auch kaum als “mania” bezeichnen, oder?

(Hat-Tip to transblawg)

30.08.2010 von Detlef Guertler
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Liberalfundamentalismus

von Detlef Guertler

“Jews like to think that they are one big family. Tell them that you think that they all share the same genes and you are their best friend”, schrieb aus gegebenem Anlass mein Facefreund “Un monstruo muy monstruoso” an seine Pinnwand.

Das mit den gemeinsamen Genen sehen übrigens auch Genforscher so, schrieb kürzlich die New York Times.

Jewish communities in Europe and the Middle East share many genes inherited from the ancestral Jewish population that lived in the Middle East some 3,000 years ago … The shared genetic elements suggest that members of any Jewish community are related to one another as closely as are fourth or fifth cousins in a large population, which is about 10 times higher than the relationship between two people chosen at random off the streets of New York City.

Aber Thilo Sarrazin darf das natürlich nicht… weiter lesen

29.08.2010 von Detlef Guertler
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Sarrazynismus

von Detlef Guertler

Wie heißt es denn jetzt richtig?

- Sarrazinismus, wie Bernd Matthies im März schrieb, der Thilo Sarrazin als “Pionier im Steinbruch der alltäglichen Erkenntnis” bezeichnete, aber vor “der unreflektierten Anwendung aller bekannten Sarrazinismen auf einmal” warnte.

Oder doch

- Sarrazynismus, wie beispielsweise im Oktober 2009 von Klaus Wachowski verwendet, als “Spaß unter manchmal gut bezahlten, in der Regel nicht sehr urteilsfähigen Intellektuellen”.

Wobei ursprünglich mit Sarrazynismus ja etwas ganz anderes gemeint war. Erstmals verwendet wurde dieses Wort nämlich bereits am 18. März 2004 von Jochen Esser, damals finanzpolitischer Sprecher der Bündnisgrünen im Berliner Abgeordnetenhaus in einer Rede gegen die damals von Sarrazin verantwortete Berliner Finanzpolitik. Gemeint war damit in etwa Folgendes:

“Sie reden sonntags von der Stadt des Wissens, erheben montags Kita-Gebühren für die Vorschule und bauen dienstags Studienplätze ab. Sie schmücken sich sonntags mit der Kulturmetropole und haben am nächsten Tag keine zweiweiter lesen

28.08.2010 von Detlef Guertler
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Falschzeit

von Detlef Guertler

Klaus Jarchow hat eine Frage:

“Bei diesem ewigen ‘in Echtzeit’ möchte man doch allmählich mal wissen, was ‘in Falschzeit’ wäre.”

Wir hätten hier ein paar mögliche Antworten: Falschzeit ist es,

- im Jahr 2010 statt im Jahr 1978 einen Irokesenschnitt spazierenzutragen.

- im Jahr 2010 statt im Jahr 2002 Raùl als Superstar einzukaufen.

- im Jahr 2003 statt im Jahr 2010 ein Buch namens “Vorbild Deutschland” (PDF) zu veröffentlichen.

- in die FDP einzutreten.

Letzteres gilt übrigens zu jedem beliebigen Datum als Falschzeit.

24.08.2010 von Detlef Guertler
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Genickbrecher-Rezession

von Detlef Guertler

Es ist ein Kreuz mit den Jungs von der Welt-Wirtschaftsredaktion. Da erfinden sie mal ein neues Wort, und zwar ein krachend kräftiges, und dann geben sie sich alle Mühe, um ihre Urheberschaft zu verschleiern:

Anleger befürchten, dass die fast überall auf der Welt zu beobachtende Wachstumsverlangsamung in eine abermalige Rezession mündet. Ein solcher „Double-Dip“ gilt als besonders tückisch: Denn ein zweiter Wirtschaftseinbruch in so kurzer Folge zerstört das Vertrauen der Akteure in das Funktionieren der Wirtschaftsordnung ganz allgemein. Die verdüsterte Zukunftserwartung lässt die Menschen Investitionen auf ein Minimum zurückfahren. Dem Vertrauen wird gleichsam das Genick gebrochen, weshalb Investoren gelegentlich auch von einer Genickbrecher-Rezession sprechen.

Nein, Kollege Eckert, und Nein, Kollege Zschäpitz, das machen Investoren nicht. Im gesamten von Google umgepflügten deutschen Sprachraum hat niemand jemals von einer Genickbrecher-Rezession geschrieben – bis Sie das gemacht haben. Und ebenfalls Nein, es hat noch niemals jemand “double-dip” so genial übersetzt wie… weiter lesen

23.08.2010 von Detlef Guertler
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Insolvenzbordell

von Detlef Guertler

Als ich 2002 nach Marbella zog, boomten dort gerade die Firmenbestatter: eine ganz spezielle Sorte Unternehmensberater, die es Unternehmern ermöglichten, noch schnell ihre an die Wand gefahrene Firma restlos auszuplündern, damit auch ja bei der Pleite für Gläubiger und Mitarbeiter nichts mehr übrig bleibt. Einige davon sind wohl damals aufgeflogen, aber die Berichte von damals haben durchaus nachhaltig zu der Erkenntnis beigetragen, dass man an der Costa del Sol eher niemanden fragen sollte, womit er eigentlich sein Geld verdient.

Und jetzt klingt es fast so, als könnte so etwas Ähnliches auch der City of London bevorstehen. Die Stadt werde zum Insolvenzbordell, schreibt die FTD, “ein Zufluchtsort für europäische Unternehmen und ihre Eigentümer, die sich auf der Flucht vor ihren Gläubigern in die weit offenen Arme der Gerichte der Stadt retten”.

Ich finde das Bild mit den Bestattern zwar eigentlich besser als das mit den Huren, auch Geier und… weiter lesen

21.08.2010 von Detlef Guertler
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piasch

von Detlef Guertler

Nein, es ist vermutlich nicht das letzte Wort von Christoph Schlingensief.

Aber es ist praktisch das letzte Wort in seinem Blog. Denn sein letzter Eintrag im Schlingenblog, vom 7. August, endet so:

und nun? wieder ein neues bild? wieder infos zu neuen dingen, die ,…… ja eigentlich was ?….. alles sehr oberflächlich und rechtschreibefehler häufen sich die dinge …. das baut läufz seit tmc auf. der appetetit läßt rasant nach. – ARD- TATORTREKA7 …(warum werde ich icht nicht denn nicht wenigstes einer meiner halbwegs siution normalererenen situatuin aufgeklärt. so macht es mich nur traurig, piasch und

Ich finde, piasch ist ein letztes Wort, wie es Christoph Schlingensief gefallen hätte.

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21.08.2010 von Detlef Guertler
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Dax-Apo

von Detlef Guertler

von polyphem:

Zwei Abkürzungen, die der Duden kennt, wurden von der taz wortistik-fähig zusammen geführt.

Manager der Opa-Generation und einige Junior-Wirtschaftsgreise verlassen die gewohnte Lobby und begeben sich auf neues Terrain. Sind sie etwa Alt-68er? Oder sind es nur Mitglieder der Generation “Nach uns die Sintflut”? (aka 68+) Wächst hier zusammen, was zusammen gehört (werden will)?

20.08.2010 von Detlef Guertler
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Horxismus

von Detlef Guertler

Cover-Diskussion für die nächste Ausgabe von der von mir chefredigierten Zeitschrift GDI Impuls. Mein Schlagzeilen-Vorschlag gefällt Christian Ankowitsch nicht: “Das ist mir zu dicklippig. Das klingt ja wie ein Horxismus.”

Und den wollen wir natürlich auf dem Titelblatt der Zeitschrift des Gottlieb-Duttweiler-Instituts vermeiden. Also müssen wir noch ein wenig weiterdiskutieren. Nach dem Mittagessen.

18.08.2010 von Detlef Guertler
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Sit-down-Comedian

von Detlef Guertler

Gefällt mir gut, Herr Küppersbusch:

Insgesamt teilt sich derzeit die öffentliche Meinung in Stand-up- (Mario Dummbart usw.) und Sit-down-Comedians (Sinn, Henkel, alle Talkshow-Sofaschoner.)

Es gibt zwar den einen oder anderen eher stillen Unterhaltungskünstler, der sich auch schon als Sit-down-Comedian bezeichnet hat, aber als Sammelbegriff für sich öffentlich äußernde deutsche Ökonomen gefällt er mir viel besser.