Basisgeld

Manchmal sind wir Journalisten wirklich schwer von Begriff. Vor etwa einem Monat hat das Arbeitsministerium damit begonnen, von Basisgeld zu reden, wo eigentlich Hartz IV gemeint war. Ebenfalls schon im August hat Ministerin Ursula von der Leyen den Begriff erstmals in einem Interview verwendet:

Der Tagesspiegel: Läuft das Urteil auf mehr Geld für Hartz-IV-Familien hinaus?
von der Leyen: Eines ist sicher: Die Bildungsförderung der Kinder wird den Bund mehr Geld kosten. Denn bisher erhalten die Eltern diese Unterstützung nicht. Sie kommt jetzt oben drauf. Wie hoch der Lebensunterhalt, das Basisgeld also, ausfallen wird, darüber gibt es noch keine Berechnungen.

Anfang September rochen die Leyen-Gegner der Webseite gegen-hartz.de den Braten:

Die Bundesregierung plant offensichtlich den alten Begriff Hartz IV Regelsatz durch den Begriff „Basisgeld“ auszutauschen. Damit soll eine „differenzierte Berechnung“ suggeriert werden.

Aber so richtig anspringen wollte darauf immer noch niemand. Also hat es jetzt das Ministerium dem Süddeutschen-Korrespondenten Thomas Öchsner dickstmöglich souffliert:

(Ein Ministeriumssprecher) kündigte an, dass es „nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich einige Änderungen geben wird“. Die Regelungen sollten für die Bürger verständlicher sein als bisher. Von der Leyen hatte zuletzt bereits regelmäßig das Wort „Basisgeld“ benutzt und den Begriff Hartz IV, der als negativ besetzt gilt, vermieden.

Okay, wir haben begriffen. (Nur wir noch nicht) (Update 13.30 Uhr: Jetzt doch)

Inhaltlich kann ich mich mit dem neuen Begriff durchaus anfreunden. Es gibt keinen Grund, den Namen einer staatlichen Leistung auf ewig mit den recht komplexen Umständen ihrer Entstehung zu verbinden. Zudem tut der Begriff Basisgeld weder so, als sei er etwas Tolles (was bei Begriffen wie Grundsicherung oder Grundeinkommen der Fall wäre), noch so, als sei er etwas Anrüchiges (was viele mit dem Begriff Sozialhilfe verbanden). Also keine Schönfärberei oder Neusprech, sondern schlicht eine angemessene Wortwahl.

Unklar ist allerdings, wie in Zukunft die Basisgeldempfänger genannt werden sollen: Basisten? Staatskneter? Da muss wohl das Ministerium noch mal ran und uns einen Vorschlag soufflieren, sonst bleiben wir ganz fantasielos bei HartzIVler.

Kommentare (6)

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  1. Wortistisch sehr bedauerlich, dass die Kanzlerin das Basisgeld zurückgepfiffen hat, ich bleibe dabei, dass es sich eigentlich um eine gute Wortwahl handeln würde. Hinter der Ablehnung stand vermutlich Parteitaktik: Solange man von „Hartz IV“ redet, ist die SPD daran schuld – aber wenn die CDU das Basisgeld einführt, ist sie in der Verantwortung.

  2. Mutti mag die Basis nicht.

  3. Tja, und wenn die Berichte von heute stimmen, hat Frau Merkel offensichtlich den TAZ-Blog eingehend studiert und lässt verkünden, dass das Hartz IV weiterhin so heißen soll. Schade, wollte mir über’s Wochenende noch einen griffigen Begriff mit „Basisgeld“ und dessen Empfängern einfallen lassen. Wir war da z.B. Denglisch „Baseliner“ eingefallen 😉

  4. Leider sind auch ein paar schweinische Arme dabei…

  5. Offen gestanden traue ich „Zensursula“ nicht so weit wie ich sie werfen kann. Ich gehe eher davon aus, dass mit dem neuen Etikett „Basisgeld“ auch gleich ein neues Schema kommt, eben bestehend aus dem Basisgeld plus Zulagen für Wohlverhalten (wie es dann eben die ARGEn definieren werden). Nimmt man noch die Andeutungen in der Presse hinzu, dass künftig das Basisgeld nicht mehr aus den unteren 20% der Familieneinkommen sondern eben den unteren 15% berechnet werden sollen, sieht man meiner Meinung nach wohin die Reise geht – weiter Richtung Sozialkühlschrank.

    Hängematte muss nicht sein, aber wir sollten doch bitte denjenigen, die wirklich nur Pech haben, trotzdem ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen. Ach so, für die Basisgeldempfänger gibt es doch schon einen deutschen Begriff: „Arme Schweine“…