Archive for Februar, 2011

28.02.2011 von Detlef Guertler
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Nachfragevernichtung

von Detlef Guertler

Mit den Märkten ist das doch eigentlich ganz einfach. Wenn bei einem Gut der Preis sinkt, steigt die Nachfrage (weil mehr Leute sich das leisten können oder wollen) und das Angebot sinkt (weil die Hersteller weniger oder gar keinen Profit mehr machen). Wenn der Preis steigt, geht es genau umgekehrt, das Angebot steigt und die Nachfrage sinkt.

Aber beim Ölmarkt scheint das anders zu sein. Wenn da nämlich der Preis steigt, wie jetzt, sinkt die Nachfrage nicht einfach nur, sondern sie wird vernichtet. “We get a supply shock that drives the oil price and this bad for risk because it creates demand destruction”, zitiert FT Alphaville das Pidgin English eines HSBC-Analysten. Wobei “demand destruction” nicht pidgin ist, sondern es zu einem ordentlichen Wikipedia-Eintrag gebracht hat. Danach handelt es sich um einen Begriff, der eine dauerhafte Absenkung der Nachfrage nach Rohstoffen bezeichnet, die durch eine längere Phase… weiter lesen

26.02.2011 von Detlef Guertler
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plaggen

von Detlef Guertler

Gleich zweimal wurde in den Kommentaren zu guttenbergen für eine Alternative zu jenem Verb plädiert, nämlich für plaggen. Einmal von Antoninus:

Vielleicht wird sich “p l a g g e n” als Verbum zum einfacheren Synonym für unrechtmäßige, nicht nur universitäre Pseudo-Leistungen erweisen.

Und dann noch einmal von Walter:

“plaggen” könnte sich ähnlich wie “simsen” etablieren. “Plaggen Sie nicht!” geht einem auch leichter von den Lippen als “Plagiieren Sie nicht”. Plaggen passt phonetisch und inhaltlich auch zu “unplugged”, zwar nicht direkt im Sinne von “Musik ohne elektrische Hilfe” spielen, aber im übertragenem Sinn von “ohne unerlaubte Hilfe” schreiben.

Die Kombination aus Vorschlag und Begründung überzeugt mich schon ziemlich. Hinzu kommt noch, dass angesichts der ständig wachsenden scheinbar frei verfügbaren Content-Mengen und des dramatisch sinkenden Unrechtsbewusstseins (offensichtlich eben nicht nur bei pirativen Kids) es einen ebenfalls wachsenden Bedarf für ein eigenes Wort für diesen Vorgang des sich… weiter lesen

24.02.2011 von Detlef Guertler
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Demokratieschock

von Detlef Guertler

“Wenn die Ökonomen ihre Prognosen im Sommer eindampfen müssen, wird das nichts mit dem fundamentalen Zustand der Weltwirtschaft zu tun haben”, schreiben die hoch geschätzten Kollegen von der FTD-Kolumne “Das Kapital” mit dem ihnen eigenen Sarkasmus. Denn danach zählen sie reihenweise die Argumente auf, warum die Volkswirtschaften sich weiter mau entwickeln und deutlich unter den derzeitigen Prognosen landen werden. Und fahren dann im gleichen Tonfall fort:

“Schuld wird wie immer ein Schock sein. … die Ökonomen fangen bereits damit an, die Aufstände in Arabien als Risiko für ihre Prognosen einzuführen. Nur wissen sie noch nicht so genau, wie sie diesen Schock nennen sollen. Wie wäre es mit Demokratieschock?”

Right on the money, wie wir Angelsachsen sagen.

20.02.2011 von Detlef Guertler
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guttenbergen

von Detlef Guertler

von Hans-Martin:

Neues Verb? “guttenbergen” für hemmungslos plagiieren und anschließend die Tat herunterspielen?

18.02.2011 von Detlef Guertler
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Internet-Heldentum

von Detlef Guertler

“Das ist doch alles nur Internet-Heldentum”, mäkelt Hermann von Bergmann an Philipp Freiherr von Brandensteins Facebook-Pinnwand über einen Aufruf zur Verhinderung eines Neonazi-Aufmarschs morgen in Dresden.
Noch vor zwei Monaten wäre ziemlich klar gewesen, dass “Internet-Heldentum” nichts anderes ist als eine moderne Form des tradtionellen Maulheldentums: Große Reden schwingen, aber nur ja nichts tun wollen. Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass in manchen Situation dieses Heldentum aus den Seiten von Facebook oder Twitter bis ins wahre Leben springen kann – im einen Land zur Organisation von Revolten gegen die Staatsgewalt, im anderen zur Überprüfung des Originalitätsgehalts von Doktorarbeiten. Der hier noch rein abfällig gebrauchte Begriff ist also gerade dabei, auf der Helden-Skala einige Etagen nach oben zu klettern.

17.02.2011 von Detlef Guertler
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mittagen

von Detlef Guertler

Dr. Bopp ist mal wieder sehr apodiktisch:
Im Standarddeutschen sagt man nicht ich esse Frühstück. Man sagt einfach ich frühstücke. Wenn es etwas formeller oder gehobener zugeht, kann man auch das Frühstück einnehmen. Für das Einnehmen des Mittagessens kann man aber umgekehrt nicht ich mittage oder ich mittagesse sagen.
Warum eigentlich nicht? Damit zwingt man die armen Deutschen doch in die Gewalt der Anglizismen-Mafia, die uns locker ein “ich lunche” erlaubt. Was die können, müssen wir doch auch dürfen! Also ich mittage jetzt jedenfalls.

14.02.2011 von Detlef Guertler
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expertig

von Detlef Guertler

“Die Namen von Napoleons Generälen kann sich bestimmt keiner merken”, meint Clemens, 9, “das sind viel zu viele.” – “Na ja, ein paar Experten könnte es schon geben, die alle Namen kennen”, wende ich ein. “Die müssen dann aber schon sehr expertig sein”, antwortet Clemens trocken. Und obwohl ich mich für einen ziemlichen Wortexperten halte – dieses Adjektiv war mir noch nie begegnet.

13.02.2011 von Detlef Guertler
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Klimarevolution

von Detlef Guertler

Bisher war es ja eher unser Job: “Europa soll Klimarevolution initiieren”, meinten da Ökologen, und Rudi Anschober schrieb sogar ein Buch “Die Klimarevolution – so retten wir die Welt”. Klimarevolution war also ein, selten verwendeter, Begriff für radikalen Politikwechsel im Abendland zugunsten des Weltklimas.

Jetzt ist die Fackel der Revolution ja gerade im Morgenland angekommen, und siehe da, schon gibt es die ersten Stimmen, die auch die Klimarevolution entsprechend umbetten: “Ägypten und Tunesien: Die ersten Klimarevolutionen” schreibt der einschlägig vorbelastete Franz Alt:

„Brot und Freiheit“ stand auf vielen Plakaten der Aufständischen in Kairo und Tunis. Im Fokus des westlichen Interesses: die Freiheit. Doch die steigenden Lebensmittelpreise gehörten zweifellos zu den Auslösern der beiden Revolutionen. Und die hängen wiederum eng mit dem Klimawandel zusammen.

Dieser Zusammenhang ist, vorsichtig gesagt, nicht erwiesen. Und wenn, könnte er auch genau umgekehrt aussehen, als von Alt behauptet, der den… weiter lesen

12.02.2011 von Detlef Guertler
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Kassandrismus

von Detlef Guertler

Habe ich dieses Wort wirklich noch nie benutzt? Ich, der ich seit Jahren als nebenberufliche Kassandra unterwegs bin, habe das noch nie als Kassandrismus bezeichnet? Habe weder Nouriel Roubini und seine Blog-Community (2007/08) noch Edward Hugh und seine Facebook-Community (seit 2009) als Experten des Kassandrismus bezeichnet?

Offenbar nicht. Zumindest habe ich keinen entsprechenden Beleg dafür gefunden, weder im Netz, noch auf meiner Festplatte. Aber dafür meinte heute Carlos Pereira da Cruz, einer meiner portugiesischen Facefreunde, dass das, was Juan Carlos Barba, einer meiner spanischen Facefreunde, so betreibe, “casandrismo” genannt werden könne. “Exacto, Carlos”, antwortete Juan Carlos – womit also er, hoch verdient, zum weltweit ersten Experten des Kassandrismus ernannt wurde.

Dann halte ich es eben wieder mal mit jener alten Liedzeile von Thommie Bayer:

“Und wenn ich nicht der erste war, der diese Hose hatte,
Also gut, dann war ich wenigstens noch zweiter.”

08.02.2011 von Detlef Guertler
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Ärztebesucher

von Detlef Guertler

Wenn Sie Schweizer sind, wissen Sie natürlich, was das ist, ein Ärztebesucher – da ist das nämlich die offizielle Berufsbezeichnung für das, was in Deutschland und Österreich “Pharmaberater” genannt wird, oder noch vernebelnder “Pharmareferent”. In allen drei Ländern macht dieser Personenkreis das gleiche: im Auftrag einer Pharmafirma Ärzte besuchen, um denen die Vorteile der Produkte eben jener Firma näherzubringen. Das Beratung zu nennen ist grober Unfug: Es handelt sich um Verkäufer. Die zwar auch beraten mögen, aber ein Autoverkäufer, der mich beim Autokauf berät, wird damit noch lange kein Autoberater, sondern bleibt Autoverkäufer.

Ärztebesucher ist direkter, verständlicher, ehrlicher als Pharmaberater und wird ganz offensichtlich auch nicht als minderwertig verstanden – in der Schweiz geht’s ja auch. Zudem lassen sich unter diesen Begriff noch eine ganze Reihe anderer Personen mit drunter packen, zum Beispiel die Vertreter von Medizintechnik-Firmen, die auch nichts anderes machen als Pharmaberater, nur dass sie keine Pillen verkaufen,… weiter lesen