Archive for März, 2011

31.03.2011 von Detlef Guertler
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plusone

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:

Drei Gründe, warum +1 von Google scheitern wird
http://yuccatree.de/2011/03/drei-grunde-warum-1-von-google-scheitern-wird/

1. +1 ist zu nerdig und das Verb fehlt

Für den normalen Nutzer ist dieses “+1″ zu nerdig und abstrakt. Wirklich jeder kapiert sofort, was ein “Like”, “Gefällt mir” oder der erhobene Daumen bedeuten. Was dieses “+1″ soll, wird man den Leuten immer wieder erklären müssen. Die meisten werden es ignorieren und die Google-Suche einfach weiterhin nutzen, wie bisher.

Wie schon andere moniert haben: Google schlägt als Verb allen Ernstes “to plusone” vor. Man hat dann eine Seite “geplusoned” oder auf Deutsch “gepluseinst”. Bin ich wirklich der einzige, der da spontan an “einself” denken muss? Das Facebook-Verb “liken” ist schon hässlich genug, aber Googles Plusonanie völlig daneben. Naja, falls die Leute es wider erwarten lieben, werden sie andere Verben dafür finden, vielleicht einfach nur “plussen”. Dass Google-Mitarbeiter Matt Cutts sich auf der… weiter lesen

29.03.2011 von Detlef Guertler
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erdbebenkrank

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes:

Als Krankheitsbegriff nicht endgültig definiert, dass es sich um eine psychosomatische Erkrankung handelt, die im Nachklang eines Erdbebens oder in der manischen Furcht vor einem gemeinten weiteren Erdbebens (als psychoseismische Körpererregung).
Vorläufig also, bis zum Eintritt weitere Fatalitäten, in einfachster Deutung: Die Angst vor dem nächsten Erdbeben (sozusagen das irdische Erwartung wie das priesterliche „Gelobt sei Jesus Christus“, als Formel zum Gesprächs- oder Briefende):
Hier zu verfolgen, solange die Bilder nicht wieder geophysikalisch wackeln.

Dort lese ich in feinstimmiger Sprachpoesie: «Erdbeben-Trunkenheit» nennen die Japaner diese Erkrankung.

In DIE ZEIT begegnete ich dem Begriffchen zuerst; sie berichtete unter „Erdbebenkrank“ von Niino Shinobu, 51, Übersetzerin und Museumsführerin in Tokyo:
„Selbst wenn die Erde nicht wackelt, wird mir schwindelig. Das nennt man »erdbebenkrank«. Es kommt wohl von der seelischen Belastung und dem Stress. In Gedanken bin ich bei den Helfern von Fukushima. Um… weiter lesen

27.03.2011 von Detlef Guertler
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Promenti

von Detlef Guertler

“WESTERWELLE TRITT “UNTER KEINEN UMSTÄNDEN” ZURÜCK”, meldete die Nachrichtenagentur dpa um 17.12 Uhr, und weiter: “Unabhängig vom Ausgang der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz will Guido Westerwelle als FDP-Chef und Außenminister im Amt bleiben.”
Handwerklich ist das natürlich ein schwerer Fehler der Nachrichtenagentur: eine Äusserung eines betroffenen Politikers für bare Münze zu nehmen und deshalb in der Überschrift einen Indikativ zu verwenden, wo nur eine indirekte Rede möglich ist, so was geht gar nicht. Richtig wäre: Er trete “unter keinen Umständen” zurück, sagte Westerwelle. In der Journalistenschule trieb uns Wolf Schneider das aus mit dem klassischen Beispiel “Schmidt will nicht Kanzler werden”, einer Überschrift aus der Zeit des Guillaume-Skandals. NATÜRLICH wollte Schmidt Kanzler werden, aber ebenso natürlich darf er das so direkt nicht sagen.
“Wenn jemand so deutlich sagt, was er NICHT tut, ist es meistens das, was er tun MUSS”, kommentiert Hardy Prothmann trocken auf Philipp Freiherr… weiter lesen

25.03.2011 von Detlef Guertler
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vertazt

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:

“Seit Fukushima ist Spiegel Online total vertazt”, meint ein Kommentator im Primaklima-Blog.

Und so sieht Google dieses Wort.

24.03.2011 von Detlef Guertler
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Moralpromi

von Detlef Guertler

“Das Publikum sehnt sich nicht nur nach Sportpromis, Politpromis, C-Promis und Trash-Promis, es will auch Moralpromis”, schreibt Eric T. Hansen in der Welt in seiner Rezension des neuen Buches von Margot Käßmann, “Sehnsucht nach Leben”.
Hansen sieht in diesem Fall als Publikum die Frauen ab 60, die in früheren Zeiten alters- oder witwenbedingt die Kirche neu entdeckt hätten, das aber heute nicht mehr tun, weil die 60jährigen Frauen von heute ja in ihrer Jugend zur 68er-Bewegung gehört hätten und damals “als aufgeklärte Menschen die Kirche als Institution abgelehnt” hätten.

Die Argumentation holpert zwar etwas, weil die Säkularisierung der Moral ja schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat; aber Moralpromi gefällt mir trotzdem.

24.03.2011 von Detlef Guertler
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Flyjin

von Detlef Guertler

Ein Neuwort, das sich gerade in rasender Geschwindigkeit in Tokio verbreitet. “Gaijin” ist der in Japan verbreitete Begriff für Ausländer, und als in der vergangenen Woche ziemlich viele davon ziemlich panisch Tokio in Richtung Süden oder in Richtung ihrer Heimatländer verließen, entstand daraus das Wort Flyjin – fliehende Ausländer sozusagen. Und dieses Wort ist überhaupt nicht nett gemeint, wie sich nicht nur in Gaijin-Foren zeigt, sondern auch in der Tokioter Business-Community. FT Alphaville berichtet, dass sich in den dortigen Konzernzentralen ein wachsender Unmut über die Ausländer breitmache, die ihren Arbeitsplatz – und die zurück bleibenden Japaner – verlassen hätten, und zitiert dazu einen Asset-Manager aus Europa:

“Those of us who’ve had a long relationship with Japan feel strongly that foreign managers were foolish to desert their Japanese colleagues. It won’t be forgotten.”

22.03.2011 von Detlef Guertler
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Personendrehtrommel

von Detlef Guertler

Gerade beim Einchecken in Tegel. An einer Tür steht “Hier kein Zugang zur Personendrehtrommel”.
Okay – da möchte ich sowieso nie rein, ganz egal was das ist.

17.03.2011 von Detlef Guertler
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Merkelpause

von Detlef Guertler

von A. St. Reyntjes:

Das sog., seit Fukushima plus 5 Tagen postulierte, von Frau Merkel und ihren Mitsprechern vehement vorgetragene “Moratorium” möchte ich eine „Merkelpause“ nennen.

Ich greife ansatzweise, nicht vollständig, zurück auf die bisher üblichen Definitionen des Begriffs „Moratorium“:

1. Aufschub,
2. Stundung,
3. Unterbrechung von Arbeitsvorgängen,
4. Zahlungseinstellung
5. Denkpause
6. Ein ehrlicher Versuch, den Fukushima-AKW-Schock zu verarbeiten.
Oder unbekanntes, undefinierbares, mit Schmackes unters
Wahlvolk gebrachte Plastikwort:
7. Ein wahlkampftaktisches Manöver, das in drei Monaten oder kurze Zeit später abgeblasen wird.

8. …. als meine Folgerung ist „Merkelpause“, um die diffusen Konnotationen des Ad-hoc-Begriffs einigermaßen anzudeuten.

16.03.2011 von Detlef Guertler
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Alkoholist

von Detlef Guertler

“Dir hört man ja gar nicht an, dass Deutsch nicht deine Muttersprache ist”, sage ich in einer Pause der heutigen GDI-Trendkonferenz in Rüschlikon zu Mikael Krogerus, hoch geschätzter Kollege und von Haus aus Finnlandschwede. “Manchmal schon”, antwortet er. “Ich verwechsle zum Beispiel immer wieder “mir” und “mich”, und ich sage Alkoholist und nicht Alkoholiker – eben die direkte Übertragung aus dem Schwedischen.”

Nun heisst Alkoholiker auf Schwedisch tatsächlich Alkoholist – aber für mich klingt das Wort durchaus anders. Während ein Alkoholiker jemand ist, der an Alkoholabhängigkeit leidet, hat der Begriff Alkoholist keinen Krankheitsbezug. Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dieses Wort als Bezeichnung für (heftig) dem Alkohol zusprechende Personen zu verwenden. Der Vatertag beispielsweise wäre dann der Feiertag der Alkoholisten, der Ballermann eine Strandbar für Alkoholisten. Schweden und Finnlandschweden würde man damit allerdings etwas irritieren…

14.03.2011 von Detlef Guertler
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Hirnschmelze

von Detlef Guertler

“Nuclear safety and journalistic meltdown – I wish we could build containments for both” twittert Josef Oehmen, Ingenieur für Risikomanagement am berühmten MIT in Boston und seit gestern einer der weltweit meistgelesenen Experten für Reaktorsicherheit. Weil ein Verwandter von ihm, ein in Japan lebender Englischlehrer aus Australien, die Mail online stellte, die Oehmen anderen Verwandten nach Australien geschickt hatte, die sich wie so viele andere Menschen weltweit wegen der AKWs von Fukushima Sorgen machen. Oehmens Antwort, kurz gefasst: Macht euch keine Sorgen, die Auswirkungen dieses Unfalls sind und bleiben begrenzt, die japanischen Kraftwerksingenieure haben ordentlich gearbeitet und die Techniker, die jetzt vor Ort in Fukushima arbeiten, arbeiten geradezu wie aus dem Lehrbuch, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Eine Auffassung, die, ebenfalls kurz gefasst, von vielen Ingenieuren, aber nur von wenigen Journalisten geteilt wird.

Gestern war Oehmens Text die wohl meistgetweetete… weiter lesen