Hirnschmelze
von Detlef Guertler“Nuclear safety and journalistic meltdown – I wish we could build containments for both” twittert Josef Oehmen, Ingenieur für Risikomanagement am berühmten MIT in Boston und seit gestern einer der weltweit meistgelesenen Experten für Reaktorsicherheit. Weil ein Verwandter von ihm, ein in Japan lebender Englischlehrer aus Australien, die Mail online stellte, die Oehmen anderen Verwandten nach Australien geschickt hatte, die sich wie so viele andere Menschen weltweit wegen der AKWs von Fukushima Sorgen machen. Oehmens Antwort, kurz gefasst: Macht euch keine Sorgen, die Auswirkungen dieses Unfalls sind und bleiben begrenzt, die japanischen Kraftwerksingenieure haben ordentlich gearbeitet und die Techniker, die jetzt vor Ort in Fukushima arbeiten, arbeiten geradezu wie aus dem Lehrbuch, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Eine Auffassung, die, ebenfalls kurz gefasst, von vielen Ingenieuren, aber nur von wenigen Journalisten geteilt wird.
Gestern war Oehmens Text die wohl meistgetweetete Internetseite überhaupt, inzwischen gibt es ihn auch in deutscher Übersetzung, (und auf spanisch) und eine Fülle von Reaktionen an diversesten Stellen, von begeistert bis vernichtend. Oehmen wird da unter anderem unterstellt, dass er keine Ahnung hat und dass er von der Atomlobby bezahlt wird, was ich beides nach einem E-Mail-Austausch mit ihm glaube verneinen zu können. Was Oehmen wiederum den Journalisten unterstellt, dürfte sich aus dem Eingangszitat hinreichend erschließen.
Selbstkritisch und von mir auf andere schließend stelle ich fest, dass an diesem Wochenende beginnend mit dem Wort “Kernschmelze” bei vielen Menschen und Medien das rationale Denken notabgeschaltet wurde – eine Hirnschmelze sozusagen. Die Kombination aus (partieller) Kernschmelze und Explosion des Reaktorgebäudes konnte ja gar nichts anderes bedeuten als eine massive und großflächige Freisetzung von Radioaktivität. Dass die Brennelemente, und damit der mit Abstand größte Brocken an Strahlung und Gefährdung, trotzdem immer noch im Stahl-Containment eingeschlossen sein könnten (und hoffentlich auch darin eingeschlossen bleiben), kam mir (uns?) gar nicht in den Sinn. Ein handwerklicher Fehler – genauso wie jeder Vergleich mit der Katastrophe von Tschernobyl.
In Deutschland geht man inzwischen auf allen Seiten des politischen Spektrums davon aus, dass Fukushima das Ende des Atomzeitalters besiegelt – die Kernenergie sei schlicht nicht beherrschbar. Viele Ingenieure sehen das vermutlich anders: Gerade Fukushima könne beweisen, dass auch unter extremsten Bedingungen ein Unfall in einem Atomkraftwerk beherrschbar sei. Vermutlich ist beides richtig, je nach Blickwinkel.
Ein Sicherheitssystem, um in Extremsituationen in Zukunft die journalistische Hirnschmelze zu verhindern, wird leider auch nach Fukushima nicht konstruiert werden. Verleger mögen nun mal keine Ingenieure.
Update, 22.55 Uhr: Was vorgestern als Privat-Mail eines MIT-Wissenschaftlers aus dem Bereich Supply Chain Risk Management begann, ist jetzt zu einer Angelegenheit der Nuklearingenieure am MIT geworden. In einem frisch eingerichteten Blog werden sie sich all jener Fragen annehmen, die die Oehmen-Leser, ob Freund oder Feind, stellen bzw. stellen werden. Und zwar inhaltlich sicherlich kompetenter als alle hier diskutierenden, mich selbstverständlich eingeschlossen.
Update 15.3., 16 Uhr: Leider sind die o.a. MITler so dämlich, ein Blog aufzumachen, bei dem sie die Kommentarfunktion abschalten. Das spricht immerhin dafür, dass es sich nicht um eine Undercover-Aktion der Atomlobby handelt – so dämlich sind die nämlich nicht.
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Viele gehen [...] “davon aus, dass Fukushima das Ende des Atomzeitalters besiegelt [...]. Viele Ingenieure sehen das vermutlich anders: Gerade Fukushima könne beweisen, dass auch unter extremsten Bedingungen ein Unfall in einem Atomkraftwerk beherrschbar sei.”
Das ist eine prima Zusammenfassung!
“Gerade Fukushima könne beweisen, dass auch unter extremsten Bedingungen ein Unfall in einem Atomkraftwerk beherrschbar sei.”
Oh, ja, weil die Ingenieure in dem Atomkraftwerk auch alles im Griff haben. Das Kühlen mit Meerwasser scheint überhaupt nichts zu bringen, und das Brennmaterial “frisst” sich förmlich durch den ganzen Boden. Großartig. Stahl schmilzt ja auch überhaupt nicht.
Hirnschmelze ist das Stichwort. Denn wer keine Hirnschmelze hat klickt auf Oehmens Profil einen Link weiter und gelangt hier hin:
http://web.mit.edu/oehmen/www/
Das ist die Liste seiner Publikationen. Wieviele handeln von Kernphysik? Keines. Da findet man was über Produktmanagement, über Risiken in Versorgungsketten – nicht in Kernkraftwerken sondern in Unternehmen.
Herr Oehmen beschäftigt sich mit Wirtschaftswissenschaften hat also sein Wissen über Kernkraft dort her wo wier es alle auch her haben. Er hat seinen Abschluss in Kernphysik von der Universität von Wikipedia.
Die “Hirnschmelze” setzt eher bei Ihnen ein. Bitte veröffentlichen Sie Ihren Mailaustausch mit “Oehmen”. Er hat doch ganze 1 Follower bei Twitter? Sie? Oder haben Sie den Twitter-Account josefoehmen gerademal selber erstellt?
Was war laut MIT nochmal gleich sein Fachgebiet? Technik? Nö. Irgendein wirtschaftliches Thema. Er war es ja auch angeblich nicht. Die Erfahrung im Bereich der Nukleartechnik hat angeblich sein Herr Papa. Wie doof ist das denn??
Vielleicht schreiben Sie mal was über den Begriff “Hoax”. Das ist nämlich die ganze Sache um diesen Beitrag, nichts anderes. Inhaltlich ist die “Stellungnahme” sehr simplifizierend und genau da schwammig, wo es richtig spannend wird. Wo entsteht denn der Wassestoff? Im INNEREN Containment. Damit ist das Containment das, was unser Chemielehrer uns mit einem wasserstoffgefüllten Luftballon drastisch vorführte.
Und: Fukushima hat KEINEN “Core Catcher” für den Fall der Kernschmelze.
Bescheuert.
Welche Notwendigkeit besteht eigentlich, jetzt bereits mit Blick auf Japan über Sinn und Unsinn der Kernkraft zu diskutieren? Wir wissen doch gar nicht, wie es ausgehen wird. Kann der Reaktor tatsächlich gekühlt werden, die Brennstäbe fein säublicher demontiert und ab ins “Endlager”, wird sich eventuell nicht allzu viel ändern. Zieht eine nukleare Wolke über Tokyo, wirst du dich ärgern und schämen, diesen Post geschrieben zu haben. Also abwarten – noch ist es nicht vorbei.
Ist die taz jetzt auch schon mit der Atomlobby im Bett? Oder warum wird so offensichtlicher Schwachsinn hier wiedergegeben?
Vielleicht ist der Brennstoff – wie Sie schreiben – NOCH im Containment, aber wenn die Meerwasserkühlung versagt (was derzeit der Fall ist), bleibt er da nicht drin. Wenn doch, war’s kein gutes Engineering, sondern Glück, denn die Meerwasserkühlung ist nicht Teil der von Herrn Oehmen so gelobten, ausgeklügelten Sicherheitsmechanismen.
Würden Sie sich die Mühe machen, nicht nur Herrn Oehmens Abhandlung zu lesen, sondern auch die Kommentare darunter, würden Sie feststellen, dass das betroffene AKW leider keinen core catcher hat – gerade dieser ist aber eines der Kernargumente in Oehmens Begründung für die Harmlosigkeit des Zwischenfalls. (“ist nur ein Problem der Betreiberfirma, von niemandem sonst” – erzählen Sie das mal den Evakuierten).
Das bedeutet: wenn der Stahlmantel schmilzt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Bodenplatte ebenfalls nachgibt und das Ganze im Erdreich landet. Mit der dort vorhandenen Feuchtigkeit kann es zu Dampfexplosionen kommen, dann wird das Ganze auch in die Luft geschleudert werden. Nicht so hoch wie bei Tschernobyl, aber trotzdem. Auf jeden Fall verseucht es das Grundwasser.
Im übrigen kenne ich viele Ingenieure, die besorgt sind – ich selbst bin einer davon.
@thrush:
Die Notwendigkeit der Diskussion liegt auf der Hand. Technisch ist der Super-Gau nicht eingetreten. Politisch sehr wohl: denn diese Reaktoren sind in einen völlig unbeherrschbaren Zustand eingetreten. Ein Rauskommen mit blauem Auge, was ich sehr wünschen würde, ist nur reines Glück. Das ist bereits der politische Super-Gau der kommerziellen Atomkraftnutzung.
@Guertler: bitte veröffentlichen Sie doch auch meinen vorigen Artikel!
Nicht-Kujau: Da Sie offensichtlich nicht unter Ihrem eigenen Namen schreiben, habe ich Sie per Mail um Bestätigung Ihrer Identität gebeten. Sobald Sie darauf antworten, schalte ich auch Ihren vorigen Kommentar frei. Falls das nicht innerhalb der kommenden Stunde passiert, werde ich auch obigen Kommentar von Ihnen wieder löschen.
@Genau: Die taz ist bestimmt nicht mit der Atomlobby im Bett.
Ich übrigens auch nicht.
Mir geht es darum, dass beim Wort “Kernschmelze” bei allen Journalisten, mit denen ich in den vergangenen Tagen zu tun hatte (und bei fast allen, die ich in den vergangenen Tagen gelesen, gehört oder gesehen hatte), das rationale Denken ausgesetzt hat – und ich halte das für einen sehr gefährlichen Vorgang. Anders gefährlich als Fukushima, und ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen müssen, was von beiden gefährlicher ist.
Da haben Sie natürlich recht, Herr Gürtler, es handelt sich hier um eine Hirnschmelze auf allen Seiten. Aber ist das denn in der Situation verwunderlich? Es ist ja auch nicht zu begreifen, was gerade abläuft. Dass Herr Oehmen oder wer auch immer ein menschliches Bedürfnis nach einfachen Zusammenhängen hat, ist – menschlich – verständlich. Es trifft eben nur nicht die Realität.
Die Atomkraftgegner haben seit Jahrzehnten die wesentlich höheren Risiken nachgewiesen, theoretisch, mathematisch, logisch, an den bisherigen Ereignissen auch ohne Japan, an den praktischen Störfallisten eines jeden einzelnen AKWs, von der unmoralischen Uranbeschaffung bis zur ungelösten Endlagerung.
Sie wurde nur nicht gehört.
Warum?
Geld, Macht, Hybris.
Es hätte dieser Ereignisse in Japan nicht bedurft. Bitter.
“Selbstkritisch und von mir auf andere schließend stelle ich fest…”
Ihre Hirnschmelze ist mir unerträglich, bitte schreiben sie nie wieder etwas für die TAZ – denn der droht sonst noch das BILD-Niveau.
Herr Oehmes Text liest sich recht gut, ist aber ebenso fehlerhaft. Wieso haben die Reaktorgebäude keine Abluftsystem für das gefährliche Wasserstoffgemisch? Was ist wohl mit der technischen Einrichtung in den explodierten Gebäuden passiert? Woher stammt wohl die Radioaktivität die einen Flugzeugträger in die Flucht schlägt? Und was bitte soll ein Mensch machen, der an einem Tag die jährliche Dosis Radioaktivität abbekommt – sich verkriechen, flach atmen und hoffen das die nächste Wolke einfach so vorbei fliegt?
Hut ab Herr Guertler für Ihren Kommentar, und vor allem Hut ab dafür, dass er ausgerechnet in der TAZ erscheint.
Und vor ein paar Wochen hieß es noch: So ein Doktortitel ist doch sowieso nicht wichtig. Da sieht man es mal was Titel ausmachen. Da steht Doktor und MIT und schon frag keiner mehr ob der sich in der Vergangenheit mit Jogurtkulturen, Meteorologie als Wirtschaftswissenschaftler oder Mediziner betätigt hat. Der hat einen Doktor der ist am MIT, der kann über alles schreiben.
@Peter Eich, Mirko: Nur zur Klarstellung: Dieser Text steht nicht in DER taz, sondern in einem Blog der taz.
@Nicht-Kujau, zu Ihrem ersten Kommentar:
- Den Mailwechsel mit Herrn Oehmen veröffentliche ich nicht, weil er es nicht wünscht. Angesichts des massiven Wirbels, den die Veröffentlichung einer seiner Mails in den vergangenen 36 Stunden ausgelöst hat, verstehe ich das gut.
- Den Twitter-Account von Herrn Oehmen habe ich nicht eingerichtet. Ich gehe davon aus, dass er es selbst war. Als ich eben nachgeschaut habe, hatte er nicht 1 Follower, sondern 1112. Ich gehöre dazu.
- Ein Hoax liegt hier definitiv nicht vor. Ausserdem habe ich in diesem Blog schon über Hoaxe geschrieben: http://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/08/hoax/
- Dass Oehmen nicht von Berufs wegen Experte für Reaktorsicherheit ist, haben viele Menschen bereits bemerkt. Ich übrigens auch. Was nichts daran ändert, dass er von vielen Menschen als Experte für Reaktorsicherheit GELESEN wird – und zwar vorwiegend von Menschen, die nicht glauben wollen, dass all die Journalisten, die jetzt über Fukushima schreiben, von Berufs wegen Experten für Reaktorsicherheit sind.
Da ich mit Josef studiert habe weiß ich dass er
- Maschinenbauer ist und seinen Dipl.-Ing. verdient hat
- ein sehr fundiertes Wissen zum Thema Kernenergie hat, was sich bei der damaligen Diskussion um Garching 2 gezeigt hat
Bis jetzt hat noch niemand inhaltliche Fehler in dem Artikel mit einem Verweis auf eine zusätzliche Quelle aufgezeigt.
Mir fällt vor allem auf, dass der Originaltext auf::
https://morgsatlarge.wordpress.com/2011/03/13/why-i-am-not-worried-about-japans-nuclear-reactors/
von gestern Nachmittag auf heute geändert wurde, denn gestern Nachmittag kannte Herr Oehmen den Unterschied zwischen Control-Rods und Moderator-Rods (Kontroll/Steuerstäbe und Moderatorstäbe, (die in besagten Reaktor überhaupt nicht verwendet werden)), offensichtlich noch nicht so genau:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/5348/open-thread-zur-erdbebenkatastrophe-in-japan#comment-106570
Außerdem schreibt er was von ‘Corecatchern” ohne sich darüber informiert zu haben ob der japanische Reaktor einen solchen überhaupt besitzt, wohingegen selbst Nichtexperten es innerhalb weniger Minuten fertigbrachten sich ein PDF mit einer Querschnittsansicht des Reaktercontainments herunterzuladen und danach sachlich zu argumentieren:
http://www.nrc.gov/reading-rm/basic-ref/teachers/03.pdf
Ich kann natürlich gut nachvollziehen, dass sich viele Leute in dieser Situation nach einer klaren ‘Alles wird gut’-Aussage von einem scheinbaren Experten sehnen, ganz gleich ob diese irgendwie begründet ist oder nicht. Das macht natürlich mehr her, als diese Pressekonferenz mit einen der Reaktorkonstrukteure der selbst zugibt nicht zu wissen was passieren wird:
http://www.ustream.tv/recorded/13320454
Alles in allem ist das so unbefriedigend wie eine Holperpisten-Fahrt in einem afghanischen Taxi während mir gleichzeitig jemand was über die Sicherheitsaustattung deutscher Mittelklassewagen erzählt.
In einem gebe ich Ihnen natürlich recht Herr Gürtler: Das Wort ‘Kernschmelze’ wird überbewertet, der Inhalt der möglicherweise schon zerstörten Brennstabummantelungen, lässt sich auch über fortwährendes Dampfablassen im Wechsel mit gelegentlichen Wasserstoffexplosionen prima in der Umgebung verteilen, dazu muss der Kern nicht erst den Umweg über das Grundwasser nehmen. Am Schluss hat man dann halt einen fast leeren Druckbehälter gerettet!
Immerhin, ihm Gegensatz zu Ihnen lehnt sich Herr Oehmen ganz schön weit aus dem Fenster. Kann man ja mal probieren, wenn wir alle Glück behält er recht und gilt dann als Koryphäe und falls nicht gibt es dann ohnehin wichtigere Themen, leider behält Herr Oehmen auch dann recht, wenn der Inhalt der Druckbehälter einfach nur ins Meer gespült oder in die Luft gepustet wird, Hauptsache der Kern ist nicht durchgeschmolzen. Aber man sollte ohnehin nur wohlwollende Prophezeiungen verbreiten, für die schlechten gibt einem keiner auch nur einen Pfifferling wenn sie eintreffen.
Herr Gürtler,
habe Ihren Hoax-Artikel eben gelesen. Sie haben wie hier so auch dort ihr Sujet, den “Hoax”, als Prinzip in der Kommunikation, insbesondere der elektronischen, offensichtlich nicht verstanden.
Um Ihrem Sprachgefühl ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, was oder wem Sie hier grade aufsitzen, empfehle ich Ihnen einen durchaus unterhaltsamen Ausflug ins http://www.museumofhoaxes.com/.
Wieviele Follower der Herr “Oehmen” in Ihrem Link von oben (http://twitter.com/#!/josefoehmen) hat, stellen Sie doch am besten gleich nochmal selber fest. Eben waren es 4.
Sie selber tragen auch zur Hoax-Bildung bei, wenn Sie den Herrn “Oehmen” derart ins Ominöse und damit aus der Kritik verschieben. Der Herr ist erschrocken über den massiven Wirbel und zieht sich zurück? Da lachen ja die Hühner. Wieso twittert er dann den Link zu seiner famosen Analyse?
Sein Elaborat hat er übrigens aus einer Diskussion auf der Website des Scientific American zusammengeklaubt. Nun gut, er hat einen deutschen Dr.-Titel erworben…
Bitte laden Sie den Herrn “Oehmen” doch ein, sich hier fachkundig an der Diskussion in den Foren und Blogs zu stellen. Dann könnten wir mal sehen.
@Philipp Hammes:
Sie verbreiten Hörensagen. *seufz*
Bringen Sie den Herrn “Oehmen” aus seinem Loch, um seine Analyse zu verteidigen.
@eric: Das mit den wohlwollenden Prophezeiungen sehe ich völlig anders:
http://blogs.taz.de/wortistik/2011/02/12/kassandrismus/
Ansonsten bin ich nicht so weit, japanische Kraftwerkstechnik und -igenieure mit afghanischen Holperpisten zu vergleichen. Ich glaube auch nicht, dass man die Druckbehälter in Fukushima als “fast leer” bezeichnen kann.
Ich las den Artikel und nun denke ich: warum sollte ich den Journalisten, sog. Atomkraft-Fernseh-Experten (ja gern auch die von Greenpeace), der japanischen Regierung oder den Kommentatoren hier mehr glauben als Herrn Oehmen?
Ich weiss, dass ich nichts weiss und wünsche den Japanern ganz viel Glück. Wichtig ist jetzt “aufm Platz” und nicht was wir hier in der Ferne spekulieren.
@Nicht-Kujau: Lernen Sie bitte Twitter lesen: Oehmen hat nicht 4 Follower, sondern 4 Tweets, also 4 bislang von ihm geschriebene Twitter-Texte. Die Follower-Zahl steht etwas rechts davon, über der Buchstabenkombination “Follower”. Da stand eben die Zahl 1216.
Leute, das ist Astroturfing der Atomlobby vom Feinsten. Aber allererste Sahne. Ich fühl mich richtig unterhalten. Wo ist der Flattr Button?
Das sind die whois Daten auf die Schnelle:
Registered through: Automattic
Domain Name: MITNSE.COM
Created on: 13-Mar-11
Expires on: 13-Mar-12
Last Updated on: 13-Mar-11
Was wohl das MIT dazu sagt?
@Faßstärke: Das IST vom MIT. Das Zitat hierzu von der Webseite des ursprünglichen Oehmen-Beitrags:
“This post has moved. It is now hosted and maintained by the MIT Department of Nuclear Science and Engineering. Members of the NSE community have edited the original post and will be monitoring and posting comments, updates, and new information.”
@Philip Hammes
Hier ein kleiner Inhaltlicher Fehler, der ihn wiederlegt. Das schrieb er gestern:
My assessment:
- The plant is safe now and will stay safe.
und das wiederlege ich so:
http://www.youtube.com/watch?v=W69thuv4e3o
Das einzige was die Welt noch weniger braucht als einen Tsunami und explodierende Atomkraftwerke sind Dutzende Wikipediaexperten die eine Mischung aus Halbwissen und Spekulationen in die Welt pusten.
@llamaz: Wenn Sie den Oehmen-Text ganz gelesen hätten, hätten Sie bemerkt, dass Ihr Link keine Widerlegung enthält, sondern eine Bestätigung.
@Guertler: Das Zitat habe ich gelesen. Die ursprüngliche Webseite war schon auf die Schnelle mit WordPress aufgesetzt. Ein einziger Post, die Quelle “Dr. Oehmen” nicht verifizierbar. Nachdem sie gemerkt haben, dass die Kommentare immer kritischer wurden, haben sie die Kommentarfunktion zuerst deaktiviert und dann die Domain mitnse.com registriert, um das Momentum nicht zu verlieren. So sieht es authentischer aus. Ist es aber nicht nur weil MIT drin vorkommt.
@Philipp Hammes:
“Bis jetzt hat noch niemand inhaltliche Fehler in dem Artikel mit einem Verweis auf eine zusätzliche Quelle aufgezeigt.”
Nun, er beteuert, dass die entweichende Radioaktivität “in seconds” zerfällt (ich glaube, er sagt: schneller, als man A-T-O-M-L-O-B-B-Y buchstabieren kann). Da fragt sich, was dann die nicht unerhebliche Anzahl von Menschen verstrahlt hat und was die amerikanische Navy auf hoher See gemessen hat.
Ersparen Sie mir das Raussuchen von Quellen, lesen Sie einfach Zeitung.
@Detlef Guertler:
“Mir geht es darum, dass beim Wort “Kernschmelze” bei allen Journalisten, mit denen ich in den vergangenen Tagen zu tun hatte (und bei fast allen, die ich in den vergangenen Tagen gelesen, gehört oder gesehen hatte), das rationale Denken ausgesetzt hat [...]”
Keine Frage, dass die Berichterstattung reißerisch ist. Aussetzer beim rationalen Denken konnte ich dennoch keinem der von mir gelesenen Artikel entnehmen – vielleicht belegen Sie diese Behauptung einfach mal, in dem Sie uns so einen hirngeschmolzenen Artikel zeigen.
In wie weit hilft es allerdings, dass Sie hier einen Kommentar eines Nicht-Experten anführen, der selbst Fehler enthält und eindeutig biased ist? Es gibt genügend Statements ausgewiesener Experten (inkl. der japanischen), die deutlich machen, dass die Lage keineswegs unter Kontrolle ist und unklar ist, wie die Geschichte ausgeht.
Herr Oehmen hingegen verbreitet Beruhigung, wenn man ihm glauben will – wie angenehm. Über seine Motive kann ich nur spekulieren, in jedem Fall halte ich sie für zweifelhaft. Sie wiederum legitimieren ihn durch ihr Zitat, sowie die Aussage, dass er keine Lobby-Verbindungen hat, was Sie mal so eben per Mail rausgefunden haben. Wie haben Sie das eigentlich gemacht?
Einfach gefragt? Und er hat nein gesagt? Da bin ich ja beruhigt.
Es scheinen beim Thema Kernkraft bevorzugt extreme Meinungen vorzuherrschen. Keine Frage: Was die versammelte Medienwelt da derzeit abbrennt ist sicherlich kritisch zu hinterfragen. Aber ob man dazu gerade ein anderes Extrem herbeizerren sollte, halte ich doch für eher fraglich.
Wenn ich das richtig verstanden habe, wollte Herr Oehmen seine Famillie beruhigen mit diesem Text. Nehmen wir mal an zu seinen Gunsten an, dass das stimmt. Dann sollte man den Text aber auch als das beurteilen, und nicht als Pseudo Expertenmeinung oder Medienkritik.
Einschätzungen, die sollche “Experten” per Ferndiagnose abgeben sind auch dann nicht für volle Münze zu nehmen, wenn sie nicht selbst von Laiem zu entlarvenden sachlichen Fehlern strotzen. Das ein 40 jähriger Reaktor solch moderne Sicherheitsfeatures wie einen Core Catcher nicht aufweist, ist in minutenschnelle zu ermitteln.
Zu behaupten, es würde keine Radioaktivität austreten bzw. sie wäre ungefährich ist geradzu grotesk. Selbst ohne Kernschmelze ist es bereits jetzt eine Katastrophe ohne Beispiel, selbst wenn die Teams vor Ort die Lage mit viel Dusel stabilisierten könnten. Ihre verzfeifelten Taten aber als koordiniertes Katatrophenmanagment hinzubiegen, da fällt mir nichts mehr zu ein.
Ich verstehe nicht, wie ein Jornalist der Taz solch eine Meinunug unreflektiert übernimmt. Eins kann ich auf jeden Fall mit Sicherheit sagen: Diesen Unfall wird ausser Ihnen wohl keiner als Sternstunde der Kerntechnik in Erwägung ziehen…
Naja, reißerische Berichterstattung kann ich nicht erkennen. Das sind drei Kernreaktoren explodiert, das kann man schwerlich künstlich aufbauschen, das ist einfach dramatisch. Und wenn Oehmen einfach mal aus der Ferne behauptet alles sei in Ordnung, kein grosses Problem – Situation unter Kontrolle und danach fliegen noch zwei Reaktoren in die Luft, bei einem davon nicht nur die Hülle sondern bei einem ist auch das Containement beschädigt und ein Brennstofflager brennt, – dann sieht man was der Artikel war: Eine Wette darauf daß alles gimpflich abgeht und man danach sagen kann – seht her wir haben gewusst das es so läuft und ihr wart alles Hysteriker. Atomkraft ist beherrschaber und die technischen Abläufe selbst in kritischen Situationen vorhersagbar.
So ist es jetzt aber nicht gekommen.
was für eine eitelkeit, solch einen artikel zu verfassen, nur um vor dem leser mit der hübschen wortkonstruktion hirnschmelze zu protzen.
es gibt in den artikeln ihrer kollegen, sicher auch wegen zeitdruck und informationsmangel, einen haufen technisches unwissen. was sehr ärgerlich stimmt.
sich aber mit selbstverliebten wortwitz zum allwissenden aufzuschwingen, der in einem unfall dieser grössenordnung eine chance für den beweis technischer überlegenheit sieht…ist einfach nur dumm.
@anne mate: vielen dank. oder um es mit den worten der taz von gestern zu sagen: “Es verrät einen erstaunlichen Mangel an Empathie und Menschlichkeit”, jetzt nicht nach den konsequenzen für die betroffenen in japan und den verängstigungen im rest der Welt zu fragen, und sich stattdessen an seiner eigenen eitelkeit zu berauschen.
Bei der ganzen Sache hier handelt es sich offensichtlich um eine Astroturfing-Aktion von Siemens, auf die Sie hereingefallen sind, Herr Gürtler. Lesen sie hier:
http://geniusnow.com/2011/03/15/the-strange-case-of-josef-oehmen/
@quarktasche: Der Link führt zu einem (wohl gerade eben erst) gesperrten Account. Haben Sie mehr Information?
Pingback: Bodenseepeter » Blog Archive » Artikel „Warum ich wegen der japanischen Kernkraftwerke nicht besorgt bin“
@quarktasche:
Ich bleibe dabei, dass es sich NICHT um Astroturfing handelt. Und halte mich dabei an das, was der Autor selbst über sich und die Entstehung dieser Geschichte geschrieben hat (hier im Original und in voller Länge einkopiert)
Link: http://bit.ly/joehmen
Background to the original post here on Jason’s Blog and the current version at mitnse.com by Josef Oehmen, who really was the author
I am a mechanical engineer and research scientist at MIT. I am not a nuclear engineer or scientist, or affiliated with Nuclear Science and Engineering at MIT, so please feel free to question my competence. The text is based on an email that I send to family and friends in Japan the night of March 12. It was posted on this blog by my cousin Jason, went viral and has been equally popular with people who hate it and love it ever since. It aimed at explaining the events surrounding the Fukushima Daiichi-1 reactor. Great lengths of the text are dedicated to explaining how the reactor works, what the different types of radiation sources are, and what safety features have been implemented. I then continue to describe how these safety features were operated to secure the reactor. To the extent that I could, I have verified this information with experts in the field, while the responsibility for any errors remains with me. The version on mitnse.com is the most accurate, and as you can tell in many parts different to the version that appeared here on Jason’s blog. This post is not keeping track of or explaining events after Mar 12. Events kept developing, and many people keep sharing their discovery with me that one is always smarter after the fact.
In my email, preserved through various copies of Jason’s first post around the internet, I expressed my strong believe that my family and friends are safe. This keeps both annoying and reassuring a great many people. Whether my unwavering trust in my fellow engineers of 50 years ago who designed and build the plant, or my complete trust and admiration of my fellow engineers who are currently operating the reactors makes me a level-headed guy or right-out stupid is also hotly debated. Most people hope for the former, but some have decided for the latter.
As far as I am concerned, I was just doing my job. Fixing things. In this case, a complete lack of understandable context information that would have allowed my family and friends in Japan to make an informed assessment of their situation.
@quarktasche
Der Link http://geniusnow.com/2011/03/15/the-strange-case-of-josef-oehmen/ löst nicht mehr auf.
Google-Cache:
http://webcache.googleusercontent.com/search?hl=de&q=cache%3Ageniusnow.com%2F2011%2F03%2F15%2Fthe-strange-case-of-josef-oehmen%2F++&btnG=Suche&lr
Gefunden bei http://www.spreeblick.com/2011/03/14/oberhamma-gau/
Immerhin führt Herr Oehmen den Beweis, dass es möglich ist auch Laien mehr oder weniger vollständig schnell einen Überblick über einen komplizierten Sachverhalt zu verschaffen.
Eine Leistung, die sämtliche deutschen Nachrichtenagenturen und Redaktionen seid dem Erdbeben nicht gebracht haben, da sie sich in einem permanten Rennen um Google News Hits befinden.
Wäre es in Deutschland normal, sich als Redakteur auch mal einen vernünftigen Expertenrat zu holen anstatt auf Wikipedia nachzuschlagen,, hätte es die Explosion des Daches nie zur Titelstory geschafft und auch die Debatte um Motive und Qualifikationen von Herrn Oehmen wäre nicht nötig gewesen.
Da ich vorher nicht wusste, was eine Kernschmelze ist, war der der Post für mich eine Bereicherung: Besten Dank an die Überstetzer.
@A. Dieu: Danke für den Link zum Cache.
Fakt ist, der selbsternannte Experte ist kein Atomphysiker oder hat sonst in irgendeiner Form im Atomkraftwerk gearbeitet, wenn ich das jetzt nicht übersehen habe. Warum sollte seine Meinung jetzt mehr Gewicht haben als die einer Gemüsefrau an der Ecke, die sich Abends über Atomkraftwerke belesen hat? Keine Ahnung ob es sich um Astroturfing handelt, aber im Moment sieht es in Japan so schlimm aus, dass es völlig unmöglich ist die Folgen klein zu reden. Die Menschen, die allein durch dieses Atomunglück sterben werden sind es wert sich weiter für einen Ausstieg und die gesetzliche Verankerung der Schaffung von Alternativen einzusetzen!
Sorry, Detlef:
Vielleicht wäre etwas zurückrudern auch hier in den Kommentarspalten angebracht. Ich bin kein Alarmist, aber der GAU ist jetzt bei INES IV eingestuft.
Kontrollierbar? Safe? Ok, die Situation sah vor Stunden noch anders aus. Aber mal ehrlich: WAS zum Teufel soll dieses rumgefasel von “fixing things”? Strong belief, meine Fresse. “This post is not keeping track of or explaining events after Mar 12. ” Hallo?!!!elf Vielleicht wäre dann mal ein Kommentar angebracht, daß es JETZT so aussieht, als ob eine Gefahr bestünde?
Ich würde mal gern von anderen Ingenieuren was zum “unwavering trust” hören. Abklingbecken baut man wo? Klar: auf dem Dach. Da, wo man auf gar keinen Fall mehr hinkommt, wenn darunter ne Kernschmelze im Gang ist. Genau da lagere ich Brennstäbe. Und dann laß ich das Gebäude mit Wasserstoff fluten, bis ich eine gute Mischung habe (H zu O – 2:1), dann bin ich die Decke obendrüber eben mal los. Und dann kann ich das Wasser verdampfen lassen, die Sache fängt Feuer und das Cäsium 137 wird hübsch als Aerosol verteilt.
Ich glaube es hackt da doch ganz gewaltig bei den Ingenieuren.
Ganz ehrlich: die kognitive Dissonanz von JO muß erheblich sein.
Latest news:
Die Idee, aus Hubschraubern die Reaktorhülle zu kühlen kann eigentlich nur von einem Journi oder Politiker kommen. Ich hoffe,die wollen ein Feuer löschen. Von daher hast du sicher recht, was eine Überhitzung der Debatte betrifft. Kipp mal kaltes Wasser auf ein großes, heißes Glas. Und ja: ich hab schon zentimeterstarken Stahlguß aufgrund von Temperaturdifferenzen reißen sehen. Krasses Geräusch. Und kein Spaß, daneben zu stehen.
Ich geh jetzt in den Keller, kotzen. Wenn rauskommt, das das doch astroturfing war, dann hoffe ich, daß die Verantwortlichen auf Knien dafür abbitte leisten müssen. Mit ordentlich Anlauf vor dem Kniefall, und ohne Wundbehandlung.
Lieber Tennis auf Asche als noch länger warten auf Godot
meint
Luther
Hier wird auch auf Unstimmigkeiten in der Bio von Dr. Oehmen hingewiesen und Verbindungen zu Siemens gezogen:
http://geniusnow.com/2011/03/15/the-strange-case-of-josef-oehmen/
Also der Beitrag von Oehmen ist schon soweit OK, als das er Unbedarften mal erklärt, wie ein (Siedewasser) Reaktor (“Schnellkochtopf”) grundsätzlich funktioniert.
Nur ist seine Beschreibung leider unglaublich euphemistisch.
Plan A, Plan B, Plan C, ein klein bisschen Nachzerfallswärme (“seine” 3% = 23MW) … haha
Auch strotzt seine Darlegung von Widersprüchen.
Vielleicht kann er ja mal genauer erklären, warum man erst die Brennstäbe (Containment 1) kaputtgehen lässt (“Plan A”), bevor man dann Plan B ausführt und Containment 2 oder 3 (“wer weiss das schon, ist ja auch egal”) mit Meerwasser zu fluten, was laut ihm schlicht zur Folge hat, dass der Kern jetzt endlich schön gekühlt in Containment 3 liegt. Warum nicht einfach zu erst mal “Plan B”, der schädlichen Folgen wären dabei weit geringer als bei Plan A?
Witzig auch seine irrwitzige Darstellung der Reinigung und Wiederinbetriebnahme eines Reaktors nach einer Kernschmelze. (“schmutzige Arbeit”, “zur Weiterverarbeitung gebracht, nicht anders als bei einem normalen Wechsel der Brennstäbe auch”). Was für ein Scherzkeks!
Weitere kleine Fragen am Rande, die für mich offen bleiben:
- Wohin ist denn eigentlich das ganze Kühlwasser verschwunden, wenn es kein Loch in Containment 3 gibt? Na egal…er denkt wahrscheinlich, dass wurde weg”gelüftet” (und: er meint tatsächlich, dass man dabei auf ohne großen Schaden dem Abzugskamin des AKW hätte sitzen können, sollte danach aber besser das Rauchen aufgeben!)
- Wenn ich bei einem mit hochgradig komprimierten Knallgas gefüllten Schnellkochtopf ein Ventil öffne und die explosive Mischung entzündet sich (aussen), was sollte verhindern, dass dabei auch das Gasgemisch im Inneren des Druckgefäßes explodiert? Wundersame Superventile?
- Und: die Wasserstoff-Sauerstoff-Trennung erfolgt bei Temperaturen unter 2000 Grad? Sicher? Und wenn ja, ist das kein Konstruktionsfehler?
- Die Abklingbecken (man darf ja mittlerweile leider in das eine oder andere einen Blick via Satellitenbild hineinwerfen) werden mit keiner Silbe erwähnt. In den Becken könnte übrigens weit mehr Material lagern als im Kern.
- Was für eine seltsame Wolke hat die “Ronals Reagan” getroffen? Aber sicher war diese natürlichen Ursprungs. Das bisschen aktivierte Wasser aus dem Dampf des Kraftwerks strahlt doch nach 5 Sekunden nicht mehr!
- Von welchem Endlager spricht er? (Ach ja, er ist Ami, dann meint er wohl deren “vorbildliche” Müllhalde in den Bergen, sorry)
Alles in allem halte ich den Beitrag für einen informativer Witz. Naja. Oder besser: Einen schlechten Witz.
Übrigens wurde seine infantilen Darstellungen (“Das Kraftwerk ist nun sicher und wird sicher bleiben”) vom 12.03. mittlerweile von der Realität auf grausame Wiese eingeholt.
Ich würde ihm strengstens anraten, mal nach Japan ins “sicher kontrollierte” Kraftwerk zu fahren um sein Wissen praktisch zu demonstrieren. Er kann ja ein bisschen beim Aufräumen helfen. Helfer werden demnächst sicher sowieso dringendst gesucht. Ich würde dafür generell Atomkraftbefürworter vorschlagen. Die Mächtigsten von denen natürlich zu allererst!
Nachdem ich am Montag Abend auf ZDF das Interview von Peter Frey mit Dr. A.Merkel gesehen hatte, wollte ich “Merkelschmelze” als Begriff hier vorschlagen. Aber “Hirnschmelze” will ich mal als Synonym akzeptieren.
Herr Guertler, es ist erbärmlich dass Sie jetzt einfach nichts mehr sagen. Ob Atomlobby-Astroturfing oder nicht, Herr Oehmens Aussagen und Ihre Wiedergabe derselben sind angesichts der eskalierten Situation einfach nur unerträglich.
Mein Rat: Löschen Sie diesen Post.
@Dexter:
Warum der Wasserstoff in Block 1 & 3 nicht innerhalb des Reaktors explodiert ist:
http://fuzzel.blogspot.com/2011/03/erklarung-der-wasserstoff-explosionen.html
Salon hat einen Artikel darüber:
http://www.salon.com/news/politics/war_room/2011/03/15/josef_oehmen_nuclear_not_worried_viral
@Genau:
Ihrem Rat, diesen Post zu löschen, werde ich natürlich nicht folgen. Ich habe hier noch nie einen Beitrag gelöscht – nur in zwei Fällen die Diskussion geschlossen, was hier aber natürlich ebenfalls nicht in Betracht kommt.
An der Ausgangssituation, die zu diesem Beitrag führte, hat sich übrigens weiterhin nichts geändert: der Pawlow’schen Panik erstens, die das Wort “Kernschmelze” ausgelöst hat, der dem diametral entgegengesetzten Ingenieursdenke zweitens (“As far as I am concerned, I was just doing my job. Fixing things”) und dem offensichtlich vorhandenen Bedürfnis vieler Menschen andererseits zu erfahren, was in Fukushima wirklich los ist und los sein wird. Ein Bedürfnis, das eben nicht dadurch befriedigt wird, dass man jede Stunde in den Nachrichten hört, dass die Lage dort immer mehr ausser Kontrolle gerät.
Wenn Sie dieses Bedürfnis nicht haben, okay. Und wenn Sie zudem auch kein Journalist sind, sollten Sie sich auch nicht persönlich beleidigt fühlen.
Da es mir in diesem Blog in erster Linie um neue Wörter geht, ist mein persönliches Zwischenfazit aus dem medialen Ablauf der Fukushima-Tragödie, dass es in der deutschen Sprache an Differenzierungsmöglichkeiten bei Atomunfällen fehlt. Die “Kernschmelze” ist offensichtlich etwas anderes als die teilweise Zerstörung von Brennelementhüllen – und eine Kernschmelze, die im Sicherheitsbehälter aufgefangen würde, wäre etwas anderes als eine, die sich aus dem Behälter herausfrisst. Um hier zu differenzieren, fehlen uns die sprachlichen Mittel – das ist etwa so, als könnte man zwischen “Feuer” und “Feuersbrunst” nicht unterscheiden.
Wenn ich jetzt nicht versuche, diese Lücke zu schliessen, dann nicht so sehr, weil mir sonst wieder Eitelkeit vorgeworfen würde, sondern schlicht, weil es für diese Katastrophe dafür zu spät ist, und wir eine nächste hoffentlich nicht so schnell erleben werden.
So, genau da haben wir das Problem: “Die “Kernschmelze” ist offensichtlich etwas anderes als die teilweise Zerstörung von Brennelementhüllen – und eine Kernschmelze, die im Sicherheitsbehälter aufgefangen würde, wäre etwas anderes als eine, die sich aus dem Behälter herausfrisst. Um hier zu differenzieren, fehlen uns die sprachlichen Mittel – das ist etwa so, als könnte man zwischen “Feuer” und “Feuersbrunst” nicht unterscheiden.”
Die sprachliche Differenzierung, die Sie gerade selber vornehmen, reicht Ihnen nicht? Herr Gürtler, das ist eristische Dialektik! Sie warnen vor Alarmismus in ihrem Post, wollen das das Gegenteil damit bewirken, sozusagen sprachliches Containment. Ich kann noch zahlreiche Metaphern und Bilder dafür finden, aber das bringt uns auch nicht weiter.
Faktum: der Kern ist sehr sicher schon seit mehreren Tagen teilweise geschmolzen, auch wenn die Japanische Regierung, vertreten durch ihren Botschafter, noch Sonntag in der ARD etwas anderes behauptet hat. Nach den berichteten Werten und den vorherigen Einschätzungen von Physikern wie Herrn R. Yogeshwar scheint das eine Lüge gewesen zu sein. Eine, die man gern hört. Oehmen wird rumgereicht, weil er anscheinend vom Fach ist, während Kernphysiker sich kopfschüttelnd anhören müssen, es hätte keine Kernschmelze gegeben. Wie genau es um die Fachkompetenz steht, wird sich noch zeigen – der Salon-Artikel und einige andere Quellen sind da ja deutlicher Meinung als Sie und Herrn Hammes in dieser Kommentarspalte.
Faktum, zum zweiten: Eine Kernschmelze ist eine Form des Größten Anzunehmenden Unfalls. Mindestens seit gestern sind wird darüber hinaus, wohl sogar schon länger: es wurde bereits vorher Radioaktivität, wenn auch in gereingerem Umfang, frei. Daß es unterschiedliche Formen der Radioaktivität gibt, ist eine sprachliche Ungenauigkeit, die nichts daran ändert, daß Radioaktivität frei wurde. Das ist nicht vorgesehen. Im Rahmen eines Unfalls ist das der Super-Größte Anzunehmende Unfall.
Faktum, zum dritten: Wie sich einige Journalisten dann gestern doch noch ergoogelt haben sind die abgebrannten Brennstäbe seit der ersten Explosion ohne äußere Abschirmung, d.h. quasi unter freiem Himmel gelagert. Das Zeug, was bei uns unter Polizeischutz in Glaskokillen eingeschmolzen und in einen Stahlmantel gehüllt nach Niedersachsen oder Brandenburg fährt. Wenn es fährt, lag es allerdings schon eine Weile am Meiler, vgl. Fukushima. Das hätte auch Herr Oehmen googeln können, bevor er seinen Post zur veröffentlichung freigibt und das MIT mit in eine Diskussion zieht, in der er bestimmt gerade nicht sein will. (Sonst hätte man auch sicher die Kommentarfunktion nicht gesperrt.)
Wenn es denn um Sprache geht, dann sind
GAU und Super-GAU, pardon: total für den Arsch. “Abgebrannte Brennelemente” sind nicht nur sprachlicher Sondermüll. Und “fixing things” ist ein Euphemismus.
Aber Sie stürzen sich auf die Kernschmelze und hätten gern eine feiner Abstufung? Sorgen wir uns also, mit ihrem Ursprungspost, um die Qualität der Berichterstattung. Auch der sprachlichen.
Entsetzt ob Ihres Sprachempfindens,
Luther
PS: Auch andere setzen sich mit Sprache und z.T. mit Semiotik auseinander – auch nicht immer auf hohem Niveau:
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/die-eisernen-anti-anti-atom-kaempfer/
und als mirror:
http://www.netzpolitik.org/2011/martin-haase-merkel-zu-fukushima-mirror/