28.06.2011 von Detlef Guertler
von A.S. Reyntjes:
“Das zeigt zurzeit niemand so deutlich, wie die gerade erst enttitelte Koch-Mehrin” formuliert der Sprach-Professor Anatol Stefanowitsch in seinem SPRACHLOG, mit dem Titel “Das Ende der Lügen”, am 22. Juni 2011.
Google meldet zwar auch ältere Verwendungen, aber innerhalb der Diskussionen um die entehrten Möchtegern-Doctores bildet Stefanowitsch direkten, konkreten und darüberhinaus sinnigen Sprachgebrauch.
(Zur Zeit einsehbarer VroniPlag-Stand der Überprüfungen bzw. Nachweisverfahren von Ent- oder Noch-Doktor-Graden politischer Elite.)
26.06.2011 von Detlef Guertler
Bitte noch mal genau lesen. Nein, da oben steht nicht Solidarität, sondern Solaridität, obwohl in mutmasslich allen 212 Treffern, die Google zu diesem Begriff findet, eigentlich die Solidarität gemeint ist. Sogar in einem Beitrag des Evangelischen Pressedienstes zur Weihnachtsbotschaft von 2006 steht das so.
Ich möchte hiermit versuchen, diesem Begriff einen eigenen Inhalt zu geben: Solaridität als die Kurzform für solare Solidarität. (Sprachlich korrekter wäre vermutlich die Form Solaridarität, aber das klingt nun wirklich eher besoffen) Und solare Solidarität bestünde darin, dass die gesamten nord- und mitteleuropäischen Staaten (also natürlich auch Deutschland) all jene Mittel, die sie in den kommenden Jahren für die Förderung der Solarenergie bereits beschlossen haben, nicht bei sich investieren, sondern in Südeuropa.
Denn in einer Europäischen Union, die diesen Namen verdient hat, ist es
1. völlig aberwitzig, wenn der Löwenanteil der Solar-Subventionen dort verbaut wird, wo die Sonne am wenigsten scheint;
2.… weiter lesen
25.06.2011 von Detlef Guertler
“Mir”, schreibt Wortistik-Leser Steffen Skalé, “ging in den letzten Monaten immer wieder mal die Wortschöpfung „Dissertationsblüte“ durch den Kopf, als ich von diversen Blüten, nicht nur im Stil der Arbeiten, las und hörte. Und eigentlich fehlt doch dieses Wort noch im allgemeinen Sprachgebrauch, da der Wert einer Blüte durch die promovierende Aufhübschung doch nicht unerheblich steigt.”
Ich würde die Blüte da eher anders verstehen wollen, nämlich so wie beim Falschgeld. So wie eine Blüte ein falscher Geldschein ist, wäre dann eine Dissertationsblüte eine falsche Dissertation, also eine, die nicht den an eine solche wissenschaftliche Arbeit zu stellenden Anforderungen genügt. Da gibt es bestimmt noch ein paar mehr Blüten am Wegesrand, die es zu pflücken gilt.
23.06.2011 von Detlef Guertler
“Habe ein schönes neues Wort gefunden: Ferngehen”, schreibt Wortistik-Leser Rico Grimm. Gefunden im Blog Simple Wahrheiten, und der wiederum hat das Wort auf einer Kneipenwand gefunden: “Lieber Ferngehen als Fernsehen!” steht da.
Und was soll das sein: Ferngehen? dachte ich zuerst. Und habe dann aber sehr schnell eine Erklärung gefunden – nämlich beim für Trendwörter sonst eher unzuständigen Verkehrsclub Österreich:
“Neue Medien: Vom Fernsehen zum Ferngehen”, heisst es dort, und weiter:
“Junge Menschen leben in einer globalen, digital vernetzten Welt, in der nicht das Kaffeehaus, sondern der Bildschirm, am Mobiltelefon und Computer, der Treffpunkt mit der Welt ist. Die wachsende virtuelle Mobilität wird genützt, um die physische Mobilität zu optimieren.”
Wenn jemand also sich unterwegs von seiner Umgebung abkapselt und in sein eigenes Umfeld eintaucht, ist er kopfmässig ganz ganz woanders als dort, wo seine Beine laufen – er geht also fern.
Doch, das gefällt mir.
23.06.2011 von Detlef Guertler
Im Spon-Forum beschwert sich Leser Gonzo24 über
Sogenannte “Googlestudierte”,die einem dann erzählen wollen,wie man seine Arbeit zu machen hat.Liegt dann der Karren im Dreck,müssen es die wirklichen “Experten”wieder richten.
bezogen auf all jene, die nach ein bisschen Netzrecherche bereits alles besser wissen und können wollen als die hauptberuflichen Experten, insbesondere für Ärzte inzwischen eine häufige Erfahrung.
In einem muss ich Gonzo24 deutlich widersprechen: Bislang hat noch niemand (zumindest nicht via Google identifizierbar) den Begriff “Googlestudierte” verwendet – also kann er sich das Sogenannte und die Anführungszeichen sparen, und darf sich selbst als Schöpfer dieses Wortes fühlen. Zumindest als Kampfbegriff in entsprechenden Diskussionen und für leidgeplagte Experten hat das Wort “Googlestudierte” einiges für sich.
22.06.2011 von Detlef Guertler
“Es ist gerade erst vier Jahre her, dass das Smartphone in unser Leben trat. Die zuvor auf dem Markt befindlichen Smartphones, etwa die Blackberries, hatten sich darauf beschränkt, in unser Berufsleben zu treten – erst das iPhone hob diese Trennung auf und machte sich daran, uns in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen. Seither ist das Smartphone vom Tool für Manager zum massentauglichen Alltagsgegenstand avanciert. Dabei spielen vor allem das iPhone und neu die Androids eine herausragende Rolle. Sie sind so sehr zum Synonym der Kategorie geworden, dass die traditionellen Blackberries geradezu als Unsmartphone gelten können.”
Gordon Nemitz und Christian Rieder im aktuellen Heft der (von mir chefredigierten) Zeitschrift GDI Impuls.
21.06.2011 von Detlef Guertler
“Wir sehen uns wieder Anfang Oktober, wahrscheinlich wieder mit klassenen Gästen”, verabschiedete sich eben Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig von seinen Zuschauern im ZDF. “Klassenen?” – “So sagt man in Franken”, versichert mir meine Frau. Ich finde, das könnte man auch im Rest der Republik sagen.
15.06.2011 von Detlef Guertler
Ja ist das denn zu fassen!? Seit Jahrzehnten wabert der Ökowahn durch die Öffentlichkeit – und noch niemand soll bislang das Adjektiv dazu gebildet haben? Es gibt bei Google ein paar Treffer für die Substantivierung “Ökowahnsinnige/r” aber für das schlichte Adjektiv “ökowahnsinnig” keinen einzigen!
Wenn dem so sein sollte, kann ich jetzt Dietmar Bartz als Wortschöpfer ehren, der dieses Adjektiv an seine Facebook-Pinnwand geheftet hat, um sich über einen Welt-Artikel zum Ökowahn aufzuregen. Aber natürlich sind frühere Fundstellen herzlich willkommen.
12.06.2011 von Detlef Guertler
“Facebook & Fressefreiheit: Wir fordern Verzichtserkennung”, twitterte gerade Peter Glaser. Und ist damit nach meinen Recherchen der erste, der das wunderbar rotzige Wörtchen Fressefreiheit in Verbindung mit der ähnlich rotzig, aber viel weniger wunderbar eingeführten Gesichtserkennung bei Facebook bringt. Danke dafür – und bitte heftig weiterverbreiten.
10.06.2011 von Detlef Guertler
Geil! “Die belastenden Indizien für den Sprossenverdacht aber brachte ein neues Ermittlungsverfahren”, das “erstmals zum Einsatz kam”– offenbar ein richtiges Wundermittel, diese “rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie”.
Nein, völliger Bullshit, diese Erklärung. Unsere ach so korrekten Behörden haben nichts anderes gemacht als die klassische Ermittlungsarbeit, die sie in der Ehec-Angelegenheit von Anfang an hätten machen sollen. Ich hatte das hier vor elf Tagen mal beschrieben:
Da sind in Frankfurt 19 Leute erkrankt, die alle in der gleichen von einem Gross-Caterer betriebenen Kantine gegessen haben. Das allein müsste doch schon ausreichen, um dem Täter auf die Spur zu kommen: Was haben die Leute da gegessen, wann haben sie da gegessen, viele potenzielle Verursacher können da nicht übrig bleiben. Und weil der Caterer auch so etwas wie Lieferscheine hat, müsste für die Verdächtigen doch auch die Herkunft ziemlich weit zurückverfolgt werden können. Zumindest bis zum Grossmarkt, und jede Wette, der Grossmarkt… weiter lesen