Solaridität

Bitte noch mal genau lesen. Nein, da oben steht nicht Solidarität, sondern Solaridität, obwohl in mutmasslich allen 212 Treffern, die Google zu diesem Begriff findet, eigentlich die Solidarität gemeint ist. Sogar in einem Beitrag des Evangelischen Pressedienstes zur Weihnachtsbotschaft von 2006 steht das so.

Ich möchte hiermit versuchen, diesem Begriff einen eigenen Inhalt zu geben: Solaridität als die Kurzform für solare Solidarität. (Sprachlich korrekter wäre vermutlich die Form Solaridarität, aber das klingt nun wirklich eher besoffen) Und solare Solidarität bestünde darin, dass die gesamten nord- und mitteleuropäischen Staaten (also natürlich auch Deutschland) all jene Mittel, die sie in den kommenden Jahren für die Förderung der Solarenergie bereits beschlossen haben, nicht bei sich investieren, sondern in Südeuropa.

Denn in einer Europäischen Union, die diesen Namen verdient hat, ist es

1. völlig aberwitzig, wenn der Löwenanteil der Solar-Subventionen dort verbaut wird, wo die Sonne am wenigsten scheint;

2. völlig unlogisch, sich im Norden eine maximale Stromproduktion just dann zu gönnen, wenn am wenigsten Strom gebraucht wird, im Sommer nämlich, während im Süden der Strombedarf in den sonnigsten Zeiten wg. Tourismus und Air Condition deutlich höher ist.

3. völlig irrational, eine der ganz wenigen Branchen, in denen die Südländer eindeutige Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Norden haben, nicht massiv auszubauen.

Wenn die Überschussländer im Hansegürtel die Defizitländer des Olivengürtels so rabiat wie derzeit dazu auffordern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, und eine Umlenkung ihrer Solar-Investitionen nicht einmal in Erwägung ziehen, dann handelt es sich um eine kurzsichtige Kirchturmpolitik, die einer Europäischen Union unwürdig ist – unsolaridisch eben.

Dass die Welt am Sonntag in ihrer heutigen vielseitigen Generalattacke auf die Solarstromförderung in Deutschland die europäische Karte nicht ein einziges Mal ausgespielt hat, ist leider ein gutes Beispiel dafür, wie borniert die Energiediskussion in Deutschland geführt wird.

Kommentare (3)

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  1. Mir geht es einzig und allein um europäische Solar-Solidarität, Antoninus. Das Solar-Thema könnte deutlich machen, dass für eine Beilegung der Euro-Krise nicht nur die Griechen etwas ändern müssten, sondern auch die Deutschen. Wäre schön, wenn ein Neuwort mit dazu beitragen könnte.

  2. Solar-Gemeinschaft (in Abhängigkeit von Licht und Schatten, Sonnenjahr und Jahreszeiten) besteht nicht erst seit der griech. Sonnen-Gott-Mythologie – Helios plus/minus Phaëthon (griech. Φαέθων) in der mittelmeerländischen und abendländischen Funktion.
    Mit den bestehenden Kapazitäten und Verfügbarkeiten werden wir technologisch umgehen lernen müssen…

    An der außerhalb unserer uns (noch) schützenden Erdatmosphäre ungeheuer verfügbaren Solarenergie werden wir wohl nie partizipieren können. (Dass wir es lernten, dort im Weltraum Energie anzuzapfen und abzuleiten, bleibt technologisch Nonsense, für SF freigegeben…)

    Das schwer missverständliche NeuWort „Solaridität“ wäre, wenn wir es überhaupt so nutzen sollen müssten, zu präzisieren: globale Solar-Unität oder territoriale Solar-Effizienz (?).

  3. Sol-arid-ität kann auch als bloße Verdorrtheit verstanden werden. Als kulturelle Metapher beschreibt das Wort zB die FDP.