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vonDetlef Guertler 05.07.2011

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Zugegeben, das Wort ist nicht ganz neu – aber bislang wurde es nur von mir selbst verwendet, erstmals im Oktober 2006 in diesem Blog, zuletzt vergangenen Freitag in einer Kolumne für den MDR. Er bezieht sich auf die Fabel von der Grille und der Ameise. Die singt und tanzt den ganzen Sommer, die andere arbeitet rund um die Uhr. Und als im Winter die hungrige Grille die Ameise um etwas zu essen aus ihren Vorräten bittet, blitzt sie ab: „Du hast den ganzen Sommer getanzt, wohlan, so tanze auch jetzt.“
Die Analogie zur Situation in Europa drängt sich da geradezu auf: der Konflikt zwischen den Grillenstaaten des Südens und den Ameisenstaaten des Nordens. Dieses Bild aus der alten Fabel ist denn auch eines, das bei fast allen hängen bleibt, die mein neues Buch „Entschuldigung! Ich bin deutsch“ gelesen haben. Bei den Rezensenten von andaluz.tv genauso wie bei denen von El Mundo (ja, das Buch gibt es auch auf Spanisch) oder von arte (ja, das Buch gibt es auch auf Französisch). Wenn Ihnen in Zukunft also einer oder mehrere Grillenstaaten in Zeitungen oder Talkshows begegnen, wissen Sie ja jetzt, woher der Begriff kommt.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2011/07/05/grillenstaat/

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kommentare

  • Wer schon mal gesehen hat, was Ameisen mit Grillen machen, sollte nachdenklich werden.

  • Ich frag mich halt immer wieder, ob wir den „Grillenstaaten“ nicht allein schon, weil wir sie so nennen, Unrecht tun. Selbst in den USA war es ja „common sense“, dass man Immobilien anhand einer extrapolierten Wertsteigerung als Sicherheiten für Hypothekendarlehen bewertete. Da möchte ich den Spaniern, (die z.B. 2004-07 in der Gegend um Tarifa von Briten jeden beliebigen Preis für ihre Immobilien erzielen konnten) nicht verdenken, dass sie einfach annahmen, dass es immer so weitergehen könnte.

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