Bullin

„Es waren zwei rote Ampeln auf dem Fahrrad und ein Vogel für eine Zivilbullin“, beschreibt Kollege B. aus B. in seinem Facebook-Status das Sündenregister, das ihn gerade „100 Euro, 1 Punkt, 1 Entschuldigung“ gekostet hat.

„Bullin?“, fragt ihn W. – „Wie sagt man sonst? „Yvonne“?“, fragt B. zurück. Eigentlich ein guter Vorschlag (findet auch W.), doch bezweifle ich, dass er sich weit über das aktuelle Sommerloch hinaus halten lässt.

Allerdings gibt es rein biologisch eigentlich keine Bullin. Sondern nur eine Kuh. Aber wäre „Zivilkuh“ besser? Oder, gendergemainstreamt: „Zivilrind“? Eher nicht, da die Polizistenbezeichnung Bulle ja ursprünglich nicht vom männlichen Rind kommt, sondern laut Wikipedia entweder aus dem Rotwelschen (Puhler = Polizist) oder aus dem Niederländischen (bol = Kopf).

Also doch Bullin? Oder, taz-gemäss: BullIn?

Kommentare (4)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. „Bullin? Oder (…) BullIn?“
    Ich vermute: No chance!

    Im „DWDS-Wörterbuch“ ist noch keine eigene Sprachform für den weiblichen Polizisten, also die Polizistin registriert:

    Neben den Ursprungsformen

    „1. ♦ männliches Tier bei Rindern, Großwild ⇓
    2. ♦ starker, ungeschlachter Mann übertragen, salopp, abwertend ⇓
    Anzeige
    * ein richtiger B.
    * er war ein B. von Kerl
    ♦ wichtige Person, die einen einträglichen, leitenden Posten beim Militär hat (Soldatensprache)“ ⇓

    … erscheint dann „unsere“ Gesuchte Ableitung, also: der oder die Spezi:

    3. Bulle (umgangssprachlich), Gendarm (österreichisch), Gesetzeshüter, Herr in Grün (umgangssprachlich), Ordnungshüter, Polizeibeamter, Polizist, Polyp (derb), Schupo (umgangssprachlich veraltet), Schutzmann, Schutzpolizist (veraltet), Wachtmeister
    Oberbegriff: Beamter, Staatsdiener, Berufstätiger“ [Zitatende]

    Wikipedia hat also mit ihren auch nicht belegten Herkunfts-Feststellungen, pardon: -vermutungen einfach Unsinn expediert.
    Der Bulle war ursprünglich ein Mann; dem dann in der „Uns-Alles-Egal-Zeit“ die Kollegin beigesellt wurde.

    Da wir nicht auf paradiesische Gender-Begriffe zurückgreifen können, bleibt – das ist meine Vermutung) nur der Bulle oder die Bulle.
    PS.:
    Putziges Zufallsprodukt (aus einer anderen etymologischen Kiste):
    Bulletins , heißen, in der Policeysprache, allerlei Befehls=Zettel, die ein Stadtmagistrat seinen Bürgern zuschickt, z. E. ein Einquartirungszettel, eine Ordre zu Frohn=Diensten, ein Anweisungszettel, u. m. d. gl.
    Im „Kruenitz“-Wörterbuch. Berlin (1773-1858).
    http://kruenitz1.uni-trier.de/cgi-bin/getKRSearchText.tcl?sexp=Bulle+mode=0+start=0+loc=+from=+til=+sa=0

  2. Darf ich mal latinisieren? Der Politikprofessor Gerd Langguth sagte kürzlich zu der sogenannten Affäre um den ehemaligen CDU-Spitzenkanditen in SH in gelungener Verkehrung der Subjekte sinngemäß: „Quod licet bovi non licet jovi.“ Langguth sagte das zwar auf deutsch und nicht wörtlich übersetzt und so kam es auch nicht besonders gut rüber. Lustig finde ich aber „Quod licet Bovi..“. Und es kommt Rindvieh drin vor. Darum hier als kleine Aufheiterung zur Nichtkuh. Für die Bullin häbtt ich den Alternativvorschlag „Bullitesse“ im Angebot, die bisher im internet weitaus seltener anzutreffen ist als z.B. „Yvonne“.

  3. Früher – schon ganz lange her – hiess das mal: Bulle und Bulette

  4. Bist schon ein Fiesling, dass Du ganz durch die Hintertür der taz das typografische Unterscheidungsproblem mit großem ‚i‘ und kleinem ‚L‘ bei Nicht-Serif-Schriften ankreidest …