28.10.2011 von Detlef Guertler
Kleiner Twitter-Dialog gestern abend:
@ProSieben: An Helloween senden wir das erste Mal in #3D
@smu1401 Ist Helloween der Tag nach Halloween?
@3mausimhaus Genau, kurz vor Dunkeloween.
Und obwohl ja jeder weiß, dass Halloween erst richtig gefeiert wird, wenn es dunkel ist, ist bislang offenbar noch niemand auf die Idee gekommen, das in ein Wort zu packen: Weder für Dunkeloween noch für Dunkloween findet Google auch nur den geringsten Treffer.
Aber dank 3mausimhaus wird sich das ja jetzt ändern.
26.10.2011 von Detlef Guertler
Eine sprachlich interessante Debatte ist gestern bei Stefan Niggemeier entbrannt: Sollten die derzeit so beliebten Ausspäh-Programme eher “Trojaner” oder eher “Trojanische” genannt werden?
Ausgangspunkt war eine Vernichtung von Michael Jürgs durch den Hausherrn, in der er unter anderem folgenden Jürgs-Satz zitierte:
Netztrojaner sind nicht wie die Bewohner Trojas Angegriffene, sondern Angreifer. Sie werden im Kern, dem Quellcode, gezielt zur Eroberung fremder Computerprogramme eingesetzt.
Kommentatorin Helen hakt dort ein:
Einer sollte Jürgs mal erklären, dass Trojaner nach dem Holzpferd benannt sind und nicht nach den Einwohnern von Troja. Und im Kern, dem Quellcode des Pferds: Feindliche Griechen!
Kommentator Tilman_s sekundiert:
Weil mit Trojaner ja nicht die Bewohner Trojas gemeint sind, sondern Trojanische Pferde, und das *waren* die Angreifer.
Was nun allerdings mehrere neue Probleme aufwirft. Was immer mit “Trojaner” auch “gemeint” ist – genannt werden so die Bewohner Trojas. Zudem gab es natürlich nicht Trojanische Pferde, sondern… weiter lesen
25.10.2011 von Detlef Guertler
“Die das/dass-Unterscheidung bietet m.E. nicht ausreichend Anlass für Häme. Schlage zusätzlich eine was/wass-Unterscheidung vor”, tweetet Sprachlogger Anatol Stefanowitsch. “Das Interrogativpronomen wird weiterhin als “was” geschrieben, das Relativpronomen als “wass”. Also “Was hat er dir erzählt?” aber “Es ist unglaublich, wass er mir erzählt hat.”"
Eine schöne, klare Regel. Insbesondere Deutsch lernende Ausländer werden sich freuen, so etwas lernen zu können – wo doch sonst das Deutsche so oft das Sprachgefühl über die Regel obsiegen lässt. Und für Deutsch lernende Schüler gibt es natürlich eine praktische Eselsbrücke: Wenn am Satzende ein Fragezeichen steht, wird das “was” mit einem s geschrieben.
Fiese Lehrer bauen in ihr Diktat dann zwar Sätze ein wie “Was hat er dir erzählt, wass ich dir erzählt habe?”, aber Schule ist nun mal kein Ponyhof.
(P.S. Der erste Absatz besteht aus drei direkt aneinandergehängten Tweets, nur durch den Zitathinweis unterbrochen. Sieh an, man kann… weiter lesen
23.10.2011 von Detlef Guertler
Falls es der eine oder andere in Deutschland vor lauter Eurokrisengipfelei nicht mitbekommen haben sollte: In der Schweiz waren heute Nationalratswahlen.
Und falls der eine oder andere in Deutschland vor lauter Eurokrisengipfelei die Schweizer Wahlen nicht so intensiv verfolgt haben sollte: Die grossen Gewinner der Wahl waren zwei ziemlich neue Parteien irgendwo in der Mitte (was in der Schweiz ein weites Feld ist): die BDP (Bürgerlich-Demokratische Partei) und die Grünliberalen (GLP).
Grünliberal? Wasn dasn? Eine sowohl wortistisch als auch inhaltlich völlig ordentliche Neubildung. Sogar die Deutschen wissen, dass man gleichzeitig grün und liberal sein kann, ich würde mir auch beide Adjektive umhängen wollen, und ein paar andere noch dazu. Nur dass daraus eine Partei werde könnte, das können wir uns nicht so gut vorstellen. Was schlicht daran liegt, dass wir seit mehr als einem Jahrhundert das Liberale zwischen den Rechten und den Linken aufgeteilt haben. Linksliberal, das war… weiter lesen
21.10.2011 von Detlef Guertler
“”depublizieren” hab ich beim Stöbern eben auch vermisst”, twittert Tera-Euro nach einem Besuch der Wortistik, “oder ist das schon zu sehr allgemeiner Sprachgebrauch?” Erstens letzteres – ein Wort, das schon ein paar Tausend Google-Treffer und/oder einen Wikipedia-Eintrag hat, ist in der Regel schon zu verbreitet, um hier noch als Neuwort durchzugehen (Ausnahmen werden natürlich nach Belieben gemacht).
Zweitens ist mir das Depublizieren dadurch etwas suspekt, dass es offenkundig in erster Linie für das Entfernen von Beiträgen aus den Internet-Angeboten öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter gilt. Der Vorgang, einmal im Netz oder in sozialen Netzwerken gelandete Informationen wieder von dort zu entfernen, könnte also durchaus einen eigenen Begriff vertragen. Dafür würde ich gerne das noch viel deutscher klingende “entöffentlichen” vorschlagen.
Und jemand, der das beruflich macht, wäre dann ein Entöffentlichkeitsarbeiter…
20.10.2011 von Detlef Guertler
Bei den gigantischen Summen, die seit geraumer Zeit in den diversen Subprime-, Finanz-, Wirtschafts-, Staats- und Bankenkrisen hin- und hergeworfen werden, kann man schon mal den Überblick verlieren. Insbesondere, da sich die amerikanische und die deutsche Zählweise hier uneinig sind: “2 billion Euro” sind wahrscheinlich (aber nicht sicher) 2 Milliarden Euro, manchmal können es allerdings auch 2 Billionen Euro sein, was immerhin das Tausendfache wäre. Und da auch solche Beträge heutzutage vorkommen, siehe die berüchtigte “firepower” des EFSF, bleibt man oft ziemlich ratlos zurück.
Da ist es doch wirklich einfacher, wenn man zu den guten alten griechischen Zahlwörtern Zuflucht nimmt, die wir alle aus der Energiewirtschaft kennen: Kilo(=Tausend)wattstunden verbraucht man zuhause, Mega(=Million)watt haben Kraftwerke, Kernkraftwerke manchmal auch Giga(=Milliarden)watt. Der Stromverbrauch von ganzen Ländern wird am liebsten in Tera(=Billionen)wattstunden gemessen, und für den Brennwert der globalen Ölreserven rechnet man gerne mit Peta(=Billiarden)joule.
Das geht doch auch, wenn’s ums Geld geht: Deutschlands… weiter lesen
19.10.2011 von Detlef Guertler
Ein schöner Vorschlag von Philipp Freiherr von Brandenstein:
Henkel sollte schleunigst eine eigene Partei gründen. Diese könnte dann – analog zu einer “bad bank” – als “bad party” die Verwirrten aller anderen politischen Formationen aufnehmen. Ich fürchte, die Sarrazins, Henkels und Gauweilers könnten sich leicht auf gemeinsame Grundsätze einigen.
In meinem traditionellen Jahresvorblick hatte ich für 2011 sogar zwei solcher Parteigründungen prophezeit.
- Eine von Manfred Brunner: “Der ehemalige bayerische FDP-Chef und EU-Politiker galt in den 1990er Jahren als Sonderling, weil er erst die Euro-Einführung bekämpfte und dann eine rechtsliberale Splitterpartei führte, den “Bund Freier Bürger”. Jetzt gründet der Krawall-Liberale gemeinsam mit Thilo Sarrazin und Hans-Olaf Henkel “Die Wutbürgerlichen”, eine Anti-Euro-, Anti-Kopftuchmädchen- und überhaupt Anti-Bewegung, die sich schnell eines regen Zuspruchs erfreut.”
- Und eine von Frank Schäffler, den ich am Rande des Dreikönigstreffens der FDP die “Stuttgart Tea Party” gründen ließ. Doch, leider, “vom… weiter lesen
12.10.2011 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm:
Bei zeit.de hieß es in einem Kommentar zu einem Arikel zur EFSF-Abstimmung in der Slowakei: “Richard Sulik, gebt ihm den Finanznobelpreis. Last man standing!”
Mir gefällt das Wort. Und der Wirtschaftnobelpreis wird weiterhin nur an Ökonomen gehen, die ein quasi-erotisches Verhältnis zum groben Unfug haben…
10.10.2011 von Detlef Guertler
Das Gegenteil von Indoor ist Outdoor.
Das Gegenteil von Import ist Export.
Das Gegenteil von Induktion ist Deduktion.
Das Gegenteil von in ist out.
Das Gegenteil von intern ist extern.
Und das Gegenteil von intuitiv?
Ist extuitiv, meint Wortistik-Leser Crissov. So verwendet er dieses Adjektiv jedenfalls in den Kommentaren zum vorigen Eintrag. Und das ist auf jeden Fall ein hübscher Einfall für Situationen, in denen es darum geht, etwas nicht ganz Passendes zu beschreiben oder sein eigenes Zögern auszudrücken. Also: “So intuitiv packt mich der neue Slogan nicht – eher so extuitiv.” Oder: “Da kann ich unserem Ortsvorsitzenden ganz, äh, extuitiv zustimmen.” Wetten, dass dann kein Besserwisser ankommt und erklärt, dass das Gegenteil von Intuition doch eher Überlegung oder Vernunft heisst?
09.10.2011 von Detlef Guertler
Merkwürdige Unterzeile bei Günther Jauch: Mitdiskutantin Hanna Poddig wird dort als “Vollzeitaktivistin” vorgestellt. Okay, so wurde Poddig auch schon vor zwei Jahren bei jetzt.de und im UniSpiegel bezeichnet. Aber ich verstehe das trotzdem nicht. Bei Aktivisten erwarte ich, dass sie für bzw. gegen etwas bestimmtes sind, weswegen ihnen üblicherweise das Ziel ihres Aktivsein vorangestellt wird: Anti-AKW-Aktivisten, Klimaaktivisten, Tierschutzaktivisten etc. Die zeitliche Intensität des Engagements spielt hingegen sonst nie eine Rolle.
Das ist bei Aktivisten eigentlich so wie bei Fussballfans. Man ist Schalke-Fan oder Dortmund-Fan, aber man ist doch nicht Vollzeit-Fan! Selbst wenn man sonst nichts anderes macht als Fan zu sein. Wir haben uns früher auch immer dagegen gewehrt, wenn man uns Berufsdemonstranten nannte, erstens weil es uns wichtig war, wofür bzw. wogegen wir demonstrierten, und zweitens weil wir natürlich nicht dafür bezahlt wurden, auf die Strasse zu gehen – weder von Moskau noch von sonst jemand.
Selbst… weiter lesen