29.12.2011 von Detlef Guertler
“Für die Entwicklung der FDP muss man schon fast ein neues Wort erfinden”, twittert Daniel Eckert: “Abwärtstrend reicht da nicht. Vielleicht: Abgrundtrend.”
Das Wort ist in der Tat neu – im ganzen Google-Reich ist kein einziger Treffer dafür zu finden. Und es wäre nicht nur für die FDP brauchbar, sondern gerade dort, wo Eckert eigentlich beruflich zuhause ist: an den Kapitalmärkten. Ob es sich um die Anleihenkurse von Staatspleitenkandidaten wie Griechenland oder um die Aktienkurse von Pleitefirmen wie Solon handelt, es gibt eine ganze Reihe von Kurs-Entwicklungen, die Chart- oder sonstige -Analysten einen kurz bevorstehenden Exitus prophezeien lassen. Und so lässig wie ihnen Abwärts-, Aufwärts- und Seitwärtstrend von den Lippen gehen, könnte es in solchen Extrem-Situationen auch mit dem Abgrundtrend gehen. Er signalisiert, dass sich eine Kursentwicklung eben nicht mehr irgendwie normalisiert, sondern komplett aus dem bisherigen Rahmen herausgefallen ist. So dass nur noch ein Wunder… weiter lesen
18.12.2011 von Detlef Guertler
Marina Weisband geht auf dem Zahnfleisch dieses Wochenende. Und wie sich das für die Geschäftsführerin der Piratenpartei gehört, lässt sie uns alle daran auf Twitter teilhaben:
“Bin so fertig…” … “Erschöpft und müde und keine Lust auf Gesellschaft” … “Ich bin zu fertig, um Vampire zu spielen. Das ist das Ende des Abendlandes.” … “Ich wollte seit 4 Stunden mit einem Buch auf dem Sofa liegen, und ich arbeite Emails ab. Hört auf, mir Emails zu schreiben” … “Super, die tolle “Fan-Mail” hat mich zum ersten mal zum Weinen gebracht. Wenn ihr nur beleidigen wollt, warum lasst ihr das Schreiben nicht?” … “Warum hält irgendjemand auf dieser Welt es für produktiv, andere ohne Not zu beleidigen?”
Es ist aber auch wirklich anstrengend, eine Person öffentlichen Interesses und Ärgernisses zu sein. Denn es melden sich ja auch wirklich nur diejenigen, die sich über dich ärgern, die dich fertig machen… weiter lesen
16.12.2011 von Detlef Guertler
War ein paar Tage ziemlich offline und mit allem möglichen anderen beschäftigt, unter anderem mit einem Beitrag für den Wettbewerb um den Wolfson-Preis (mehr wird natürlich hier noch nicht verraten), so dass es jetzt doch schon eine Woche her ist, dass ich im Funkloch am Fusse der Pyrenäen zusammen mit Edward Hugh darüber diskutierte, was kurz-, mittel- und langfristig vom in der Tat reichlich historischen EU-Gipfel in Brüssel zu halten bzw. zu erwarten sei. Edward hat sich bereits ausführlich schriftlich dazu gemeldet, ich empfehle die Lektüre ausdrücklich, und möchte mich hier nur mit einem Aspekt beschäftigen, ausgehend von folgendem Satz aus seiner Analyse:
At the end of the day one thing is clear, and this has not been emphasised enough in the press reporting of the summit, this is the end of Keynesian demand management as a policy tool as it has been practised… weiter lesen
12.12.2011 von Detlef Guertler
von Antoninus Reyntjes:
Der Sprachloger (nein: nicht Sprachbloger) Prof. A. Stefanowitsch hat das englisch-deutsche Adjektiv “swaghalsig” gekürt, ach: kreiert; eine waghalsige Operation, nahe am Herzen der deutschen Sprache: draufgängerisch, heldenhaft, heldenmütig(oder nur simpel: mutig), kühn, vermessen, verwegen, tatendurstig, taten-, nein: ta-pfer, todesmutig, tollkühn, kämpferisch, unerschrocken, herzhaft unverzagt, wagemutig, (nein, nicht wagekundig); ja, auch beherzt; auch wenn es nur Umarmung am Hals sind: Umhalsungen zwecks Nachweis des Kreativitätpotenzials zweier Sprachen und eines Sprachfroschers, pardon: -forschers:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachmythen/2011-12-06/swaghalsige-jugendwoerter
05.12.2011 von Detlef Guertler
“Meinten Sie: Sportjournalismus”, fragt Google derzeit noch irritiert, wenn man nach “Postjournalismus” sucht. Aber das wird sich bestimmt bald ändern, wenn erst Michel Reimons gleichnamiges Projekt die Wahrnehmungsschwelle überschreitet (was bei mir über den Umweg via Bildblog und The European geschah).
Reimon hat den Begriff Postjournalismus demjenigen der Postdemokratie nachempfunden, wodurch er als eine Art Zerfallsprodukt oder Degenerationserscheinung erscheint, nämlich:
Eine Berichterstattung, die zwar noch alle äußerlichen Merkmale von Journalismus aufweist, aber eine andere Funktion hat, nämlich bestimmte Zielgruppen zu erreichen und dann zur Werbung zu lenken.
Denn in den letzten drei Jahrzehnten sei gar Schröckliches dem Journalismus widerfahren:
Primäres Ziel von Medien ist nicht (mehr?) die Aufklärung der Bevölkerung, sondern das Erwirtschaften von Profit. Das verändert die Berichterstattung massiv: Die moderne Medienökonomie beruht primär auf Werbung als Einnahmequelle. Das Publikum ist damit nicht mehr die Kundschaft, sondern das Produkt, das verkauft… weiter lesen