Massendowngrade

Ist es nicht jedesmal wieder schön, wenn ein deutsches Wort sich in fremdsprachige Texte einschleicht!? Und noch dazu in der Überschrift! So wie gerade heute bei meinem Lieblings-Analysten Edward Hugh: The Massendowngrade Effect – wie schon irgendeiner dieser Kauders bemerkte, wird in Europa endlich wieder Deutsch gesprochen.

Ach: Sie meinen, Downgrade sei gar kein deutsches Wort? Doch, natürlich ist es das, verwendet doch jeder in diesen Tagen, und versteht doch auch jeder, wäre damit sogar ein prima Kandidat für die Wahl zum Anglizismus des Jahres gewesen, hat aber wieder mal keiner vorgeschlagen; nicht mal der Wortist, von dem stammt diesmal der Vorschlag “Haircut”.

Und unabhängig davon, wie deutsch man den Downgrade empfindet: Der Massendowngrade ist total deutsch. “Wollt Ihr den totalen Downgrade??” Und das begeisterte “Jaaaaa!!!!” kommt diesmal nicht aus dem Berliner Sportpalast, sondern aus der New Yorker Wall Street, wo ja fiese Investoren unserem Euro den Krieg erklärt haben. Und das so klar und deutlich, dass es sogar unser Wirtschaftsminister verstanden hat.

(Das mit dem Krieg ist zwar richtig, aber nicht die USA kämpft gegen die Eurozone oder so, sondern der Finanzmarkt spekuliert gegen die Politik auf einen Zerfall eben jener Eurozone, aber das sagten wir hier ja bereits)

Wo waren wir stehen geblieben? Ah ja, Massendowngrade. Edward Hugh malt uns dazu das Beispiel des gerade eben mit hässlichem Knirschen implodierenden Ungarn als Vorbild aus:

Handing over the adminsitration of one country after another to a group of approved technocrats may well work for a while, but it won’t work forever. One day or another, if the measures taken don’t work, Mario Monti will be replaced by the populists, and a new chapter in European history will open. At the present time the policy emphasis on fiscal rectitude and structural reforms, to the neglect of the deep competitiveness and imbalance problems which exist within the Euro Area, is leading us all to no good place. A quick glance over in the direction of Hungary might suggest to us what that place could look like.

Ob dann unsere Kauders immer noch stolz darauf sind, wenn in Europa wieder deutsch gesprochen wird???

Kommentare (7)

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  1. Confer das Verb . “urlauben”, das durch seltsame Polit- und Sponsoren und -MP-Würden in die televisionäe Öffentlichkeit gelangte

    Bei Duden-online ist das schwache Verb schon längst vertreten; auch im Duden selbst (25. Aufl.):
    http://www.duden.de/rechtschreibung/urlauben

    Es gibt Menschen, die ihren Firm- oder Konfirmationssprachhorizont für die absolute Marge halten, zu der sie handeln und verhandeln und verstehen wollen, weil sie dadurch sehr viel Neu- und Widerborstiges ablehnen zu können glauben.

    Ihnen ist kürzlich mit einem Tagesschau-Upgrade beizukommen gelungen, das von den Widersprüchen eines besonderen Ehren-, Wert- und Glamour-Ministerpräsidenten und Präsidenten-Darstellers kündet.

    “Im Wertkonservativen was Neues!”, ein Skandal z.B. berichtet nicht der geschmähte und ignorierte Boulevard, sondern alle und alles, was deutschsprachig medial zu ehrenhaften Konditionen die Kunden versorgt.
    So ist nach dem sprachlichen Upgrade sichtbar geworden ein personenbezogenes Downgrade, das vorerst noch geleugnet wird, bis das Crimen juristisch angezeigt, verhandelt und gesühnt ist.

    Dazu bedarf es noch einiger UPGRADES; z. B. bei Staatsanwälten und Richtern, die noch an den von ihnen gepflegten Sprachgrenzen zu verharren belieben, bis sie nicht mehr leugnen können, was wahr und real sich zu erkennen gab: eine Scheinheiligkeit.

  2. Vielen Dank für Ihr Feedback (Entschuldigung, ich kenne keine wirklich passende deutsche Übersetzung, Rückmeldung klingt mir zu militärisch) in Sachen Finanz-Texte. Von sprachlicher Innovation würde ich übrigens nur dann sprechen, wenn sich Neuschöpfungen aus einer engen Szene, ob Mode oder Börse, in den allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen.

  3. Die Debatte um Wulff habe ich auch kaum verfolgt. Wirklich hängegeblieben ist bei mir nur, daß man es heute jemandem ankreidet, wenn er die Bildzeitung mit Krieg bedroht, während das früher zu den guten Taten gehörte, von denen man ja jeden Tag mindestens eine begehen soll.

    Von Ihren Kreditbank-Beiträgen verstehe ich etwa 1/3 ohne Probleme, 1/3 einigermaßen, 1/3 kaum.

    Es stimmt schon, ich schalte grundsätzlich ab, sobald es um Finanzen geht, aber es gibt auch noch andere mir ganz fremde gesellschaftliche Sphären, in denen die sprachliche Innovation rasend schnell voranschreitet (z.B. die sog. Popkultur), und weil die meisten gesellschaftlichen Sphären den meisten Menschen fremd sind, sind die, wie wissen, was “man” weiß, gar nicht so viele.

  4. Aber die Debatte um Wulff haben Sie doch sicherlich verfolgt, oder? Da war eines der zentrslen Themen ein Upgrade auf einem Flug. Wenn Sie dieses Upgrade verstanden haben, sollten Sie auch Downgrade verstehen – es sei denn natürlich, Sie schalten grundsätzlich ab, sobald es um Finanzen geht.
    Dazu eine Bitte: Suchen Sie sich nach Belieben zehn Beiträge aus meiner Rubrik Krankbank heraus, lesen sie und sagen mir dann , wie viele davonSie nicht verstanden haben. Vielen Dank im voraus.

  5. Nein, ich verstehe es wirklich nicht. Sie haben, glaube ich, eine falsche Vorstellung davon, wie viele das machen oder verstehen, von dem man sagt, daß “man” das macht oder versteht. “Man” sind im allgemeinen ziemlich wenige. Nicht nur in meiner Familie versteht “downgrade” keiner, auch die Nachbarn auf der Etage und die über uns verstehen es nicht, die unter uns müßte ich mal fragen, da sind zwei darunter, denen traue ich das zu. – Ich habe all die Debatten über die Finanzwirtschaft in den letzten Monaten an mir vorüberziehen lassen, weil ich dachte, ich versteh’s ja doch nicht, und in meiner englischsprachigen Fachliteratur kam das Wort bisher nicht vor.

  6. Dass Sie downgrade nicht verwenden, sei Ihnen unbenommen. Dass Sie es nicht verstehen, glaube ich Ihnen nicht. Für die Ausbürgerung schlage ich eher ein Land vor, in dem Sie das, was Sie verstehen, auch verwenden könnten, also zum Beispiel die USA. Sollte Ihnen das nicht gefallen, steht Ihnen natürlich jederzeit frei, in Nordkorea oder Frankreich Asyl zu beantragen.

  7. Au weia. Ich verwende “downgrade” nicht, und ich verstehe es nicht. Meine Frau, meine Kinder auch nicht. Müssen wir uns nun schämen? Werden wir jetzt ausgebürgert in ein Land, wo man es auch nicht versteht? Nach Nordkorea vielleicht?