25.02.2012 von Detlef Guertler
Disclaimer: Ich kenne Christian Jakubetz nicht persönlich und hatte bis vor drei Wochen auch noch überhaupt nichts von ihm gehört. Dann hat Stefan Niggemeier einen unsäglichen Jakubetz-Text verrissen, in dem dieser meinen ehemaligen Lehrer Wolf Schneider verrissen hat, dessen Verhältnis zur deutschen Sprache und ihrer Weiterentwicklung ich in diesem Blog mehrmals verrissen habe. Jakubetz’ frühe Kritik an den Gauck-Bashern hat mir hingegen deutlich besser gefallen. Ein Bedürfnis, ihn deshalb näher kennenzulernen oder mich gar inhaltlich mit ihm abzustimmen, habe ich aber nicht.
Disclaimer II: Der Sermon hier oben steht nur deshalb da oben, weil Horden von geistig minderbemittelten Twitter-Akrobaten sich Verschwörungstheorien basteln, wie welche Medien, Konzerne oder Seilschaften agieren, um Bundespräsidenten oder andere Menschen zu stürzen oder neu zu installieren. Und weil die Aufmerksamkeitsspanne der Twitterati so furchtbar begrenzt ist, muss man alles, was sie zur Kenntnis nehmen sollen, ganz… weiter lesen
21.02.2012 von Detlef Guertler
Wenn Disskussionen heiß laufen, kommt meist jemand leicht genervt dazu und sagt: “Hier ist schon alles gesagt worden, aber eben noch nicht von allen.” In der aktuellen Debatte um Gauck ist es genau umgekehrt: Es ist schon von allen gesagt worden, aber eben noch nicht alles. Dem Möbchen, das sich einen daran abtwittert, Joachim Gauck mit Zitatfetzen als herzlos, faschistisch, antisemitisch, neoliberal, revisionistisch oder gar Stasi-Spitzel zu entlarven (keine Links dazu – don’t link the trolls), wurde zwar vielfach anhand des jeweiligen Zitatkontextes nachgewiesen, dass das so nicht stimmt (am bislang besten von Patrick Breitenbach), doch an den meisten prallen alle Appelle an wenigstens halbrationales Argumentieren und mehr oder weniger ordnungsgemäßes Zitieren (am bislang besten von Sascha Lobo) ab: #notmypresident, basta (am bislang unappetitlichsten und bedauerlichsten, weil in einem von mir sehr geschätzten Qualitätsmedium, bei Deniz Yücel).
Ich wollte es… weiter lesen
19.02.2012 von Detlef Guertler
Frank Schirrmacher wäre nicht Frank Schirrmacher, wenn er nicht den Abgang Christian Wulffs zu irgendetwas Größerem verquacksalbern würde. In diesem Fall nimmt er ihn gleich für den unrühmlichen Abschied der gesamten Babyboomer-Generation:
Diese Generation ist damit, im Westen, die erste Generation, die im klassischen Sinne nichts „durchsetzen“ musste. Der Markt regelte das für sie. Gleichzeitig geschah aber noch etwas: Die Boomer sind die erste Generation in Deutschland, die zahlenmäßig der jüngeren Generation überlegen ist – sie hatte deshalb über einen viel längeren Zeitraum als in der Vergangenheit auch nicht den Aufstand der Jungen gegen ihr Lebensmodell zu befürchten. Dadurch fehlte der Zwang zur Regeneration. Beides zusammen erklärt die unglaubliche Erschöpfungsgeschwindigkeit dieser politischen Generation, in dem Augenblick, da sich die Dinge radikal ändern.
Und noch vieles mehr, von Larmoyanz und Selbstmitleid triefend. Wir werden noch viel davon lesen können in den nächsten Tagen, Generationenquark wird ja jederzeit gerne breitgetreten.… weiter lesen
19.02.2012 von Detlef Guertler
Ein ganzes Land im Casting-Show-Fieber:
DSDS – Deutschland sucht den Superpräsidenten
oder doch eher
USFB – Unser Star für Bellevue
Auch mit “The Voice of Germany”, “Germany’s Next Top President”, “Das Super-Präsidententalent” oder “Ich bin ein Star, lasst mich da rein!” werden derzeit gerne Witze gemacht. Ständig fliegen neue Namen durch die Gegend, hier ein Töpfer, da eine Limbach, ein Huber oder eine Käßmann, die Fanclubs basteln eifrig Facebook-Gruppen, die Gegner starten Shitstorms, aber leider hat immer noch kein Fernsehsender auf Live- und Dauerübertragung umgestellt.
Und leider gibt es auch noch immer nicht jene Blitztabelle, die als Innovation auch über das unspannende Baku-Casting hinaus Bestand haben sollte. Gerade hier wäre sie ja bestimmt hervorragend angebracht: mit diesem Hin- und Hergewoge von Kandidaten, die rausgevotet werden (wie alle Regierungsmitglieder durch die SPD) oder neu aus dem Berliner Geraune dazugestoßen werden (wie Huber oder Voßkuhle) oder sich verdächtig… weiter lesen
12.02.2012 von Detlef Guertler
“Raubmordkopieren war Gestern. Heute wird terrorkopiert! UrhG dem Staatsschutz übergeben!” Twitterte vor zehn Minuten Bundesoberpirat Sebastian Nerz und hängte als Hashtag eben jenen #Kopierterrorist an.
Die erste Antwort darauf kam von Jens Bethge: “Kopierterrorist – ist ein schönes Wort, das werd ich mir auf´s T-Shirt schreiben.”
Die zweite vom Wortisten: Kopierterrorist bzw. Kopierterrorismus sind in der Tat hervorragend geeignet, um in den Kampf gegen ACTA und andere Dreistigkeiten der Content-Mafia zu ziehen. Das kandidelt die Strategien der Geistigeigentumsschützer so über, dass es fast so aussieht, als wären Raubkopierer wirklich Robin Hoods.
09.02.2012 von Detlef Guertler
Dem A-Superplus-Blogger Don Alphonso, zu dem ich leider aus bekannten Gründen nicht verlinken kann, sollen in seinem FAZ-Blog “Stützen der Gesellschaft” hin und wieder ordentliche Stücke gelingen, sagen nicht nur die Mitglieder seines Fanclubs. Aber ich lese den Herren ja eigentlich nicht – außer natürlich, ein Text wird mir von unverdächtiger Seite empfohlen.
So wie diesmal von TeraEuro der heutige Wulff-Text. Und da steht doch tatsächlich das Wort “Politikerbewirtschaftung”. Ein Wort, das nicht nur mir, sondern auch Google neu war, und das aufs Trefflichste beschreibt, was Unternehmer, Manager und Lobbyisten so mit den Politikern anstellen, die das mit sich anstellen lassen.
Wie wir bei einem großen niedersächsischen Konzern hinlänglich erfahren haben, gibt es solche etwas unappetitlichen Bewirtschaftungen nicht nur für Politiker, sondern auch für Betriebsräte, Journalisten und Richter. Aber die lassen sich dann ja auch nicht mehr zum Bundespräsidenten wählen.
******
Ach: Das mit… weiter lesen
07.02.2012 von Detlef Guertler
Gerade frisch erfunden von Citi-Analyst Willem Buiter als Abkürzung für den Ausstieg bzw. Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone:
We raise our estimate of the likelihood of Greek exit from the eurozone (or ‘Grexit’) to 50% over the next 18 months from earlier estimates of ours which put it at 25-30%.
Hübsch, oder? Und extrem praktisch, wenn es ums Überschriftenmachen oder Tweeten geht, da ist ja jeder Buchstabe kostbar. <ironie on> Nicht dass man das Wort Grexit wirklich brauchen würde, die Eurozone lässt ja niemanden aussteigen. <ironie off> Aber wenn doch, hat man mit dem schon bereitliegenden Wort eben eine Sorge weniger, um die man sich kümmern muss.
06.02.2012 von Detlef Guertler
Gerade den Fernseher eingeschaltet, schwupps, schon sagt Ranga Yogeshwar bei “Hart aber Fair”, dass er ein neues Verb in die deutsche Sprache einführen möchte. Nämlich “Ich werde gemöchtet” – wo doch so viele Hersteller, Händler und wer auch immer versuchen, unser Unterbewusstsein zum Zwecke ihrer Profitsteigerung zu manipulieren, so dass wir gar nicht mehr wissen, was wir selber möchten, und wozu wir gemöchtet werden.
Das ist zwar, genau genommen (so wie Yogeshwar es gerne auch selbst oft nimmt) kein neues Verb, sondern nur eine neue Verbform, der Konjunktiv II Präteritum Passiv von mögen nämlich (wobei “möchte” zwar eigentlich Konjunktiv II Präteritum ist, laut canoonet aber in der Funktion des Indikativ Präsens auftritt). Aber wir wollen hier ja nicht päpstlicher sein als der Sprachpapst oder kleinlicher als seine Kritiker: Yogeshwars “gemöchtet” kann ganz hervorragend in allen Texten über Neuromarketing verwendet werden.
04.02.2012 von Detlef Guertler
Schön, Herr Posener, dass auch Sie jetzt dort ankommen, wo der eine oder andere Autor der WELT im Meinungsteil schon vergangenes Jahr ankommen durfte: Merkel’sche Krämerseelenpolitik im Stil der schwäbischen Hausfrau droht Europa zu zerstören.
(Im Wirtschaftsteil der WELT würden Sie dafür natürlich standrechtlich erschossen, aber das ist eine andere, für Deutschland und die WELT sehr traurige Geschichte).
Noch schöner, dass Sie diese ja schon etwas ältere Position mit einem neuen Wort verbinden – dem Fiskalradikalismus nämlich. Das schafft Paul Krugman nämlich nie.
03.02.2012 von Detlef Guertler
Eine hübsche Neuwortschöpfung des “konservativen Hardliners” Ludwig Trepl in den Kommentaren zum vorherigen Eintrag. “Nackich” sei Elterninfantilismus, meinte er – und ist damit so ziemlich der erste, der auf dieses Wort gekommen ist (es gibt da bislang nur einen Google-Treffer aus der deutschen Fassung der Webseite des russischen Gebiets Tomsk, und der ist vermutlich eine Fehlübersetzung).
Wobei das Phänomen natürlich vielen Menschen bekannt ist: Frisch gebackene Eltern, vor allem Ersteltern, neigen dazu, in der Kommunikation wieder in Baby- und Kleinkindsprache zu verfallen – und das auch nicht nur dem Kind gegenüber, sondern auch in ganz normalen Unterhaltungen. Was halt frisch gebackene Eltern so als normale Unterhaltungen betrachten.
Vermutlich gibt es für dieses Phänomen auch schon irgendwelche psychologisch-pädagogischen Fachbegriffe und auch ein paar umgangssprachliche Seufzer oder Flüche (wer mag, darf sie gerne hier in den Kommentaren einwerfen) – aber der Begriff Elterninfantilismus, der das Phänomen klar und… weiter lesen