Biflation

Schon mal gehört? Ich bisher auch nicht. Ist auch ein für Ökonomen-Verhältnisse noch sehr junger Begriff – nämlich 2003 erstmals von einem gewissen F. Osborne Brown verwendet, und erst Anfang 2011 zu einer gewissen Verbreitung gekommen. Kurz, und mit Wikipedia, gesagt, ist „Biflation das gleichzeitige Auftreten inflationärer und deflationärer Effekte“. Und wem das zu unklar ist, dem erklärt es Al Lewis im Wall Street Journal sehr deutlich:

Everything you already own — a house, a car, a stock portfolio — has rapidly declined in value. Everything you actually need to buy — food, gasoline, medicine, education — is going up.

Was im ersten Fall insbesondere passiert, wenn die Banken den Kredithahn abdrehen, und im zweiten Fall insbesondere, wenn die Zeltbanken den Geldhahn aufdrehen: Hohe Liquidität treibt die Preise für Rohstoffe, Lebensmittel und Dienstleistungen, niedrige Kreditvergabe (oder platzende Blasen oder eine Rezession) drückt die Preise für Vermögenswerte.

Wie gesagt: Vor einem Jahr ist die Biflation in US-Medien relativ häufig thematisiert worden. Heute passiert das kaum noch, vermutlich weil nicht zuletzt wegen des bevorstehenden Wahltermins die Kreditvergabe wieder zugelegt hat – und die Aktienkurse deutlich gestiegen sind.

Dafür gibt es heute anderswo klar biflationäre Tendenzen: In Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien: Aktienkurse und Hauspreise fallen, Benzin- und Lebensmittelpreise steigen. Keine gesunde Kombination.

 

1 Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Wann wird es in nächsten Spekulationsblabla-, pardon: -blasen, die Indeflation, die Metinflation, Triflation, gar die Polyflation geben? Sind sie noch aufzeichenbar?

    Da geht es sturm-zugig – tornadesk – her in der Wortgeschichte:
    „Lateinisch inflatio = das Aufschwellen, zu: inflare = hinein-, aufblasen, zu: flare = blasen, verwandt mit Ball“
    Also: Etymologisches zu ‚Ball’:
    „mittelhochdeutsch, althochdeutsch ‚bal’, eigentlich = geschwollener, aufgeblasener Körper
    Keine aufgeblasenen, sondern zünftige Auskünfte bei duden.de über verbale Blähungstechniken! Sport als Begleitmusike der Wirtschaftstollheiten und –kurse.

    (Ich bin nur germanistisch und sozialwissenschaftlich interessiert; Fachgebiet, in denen man seit den frühren 60ern eine Inflation von quasi- oder pseudowissenschaftlichen Theoriebildungen hegt, pflegt und ausjätet, mal gibt es sie nicht mehr, mal entfalten sie sich neu etx., pardon: etc.)

    In allen Überbrückungsversuchen der felderspezifischen Symptome wird es wiederum Neuzusätze, gar –zuwächse des Inflationären geben, weil die politischen, gar militärischen Entscheidungen sich solcher spezifischen, meist universitären Begriffchen völlig entziehen, um Machtimpulsen – nationale, religiöser, rassistischer Gebote – zu gehorchen.

    In der Postwachstumsökonomie könnte es keine Kerosinjunkies, keine Klimaschutzschickeria mehr geben, die dem Flationären, den Blähungen, nacheilen.
    Der Ökonom Niko Paech formuliert und lebt solche Nachhaltigkeit in Wort, Begriff und Anti-, gar Nonflation.
    Niko Paech: „Die Legende vom nachhaltigen Wachstum“:
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/09/10/a0065.text.name,n,0
    Amen? Sela?
    No! Aber ich lasse mich nicht mehr deformieren in Begriffszwängen und dem Nach- oder Aufsprung auf das nächste Bi- & Interims aut Final-Flationäre.