28.05.2012 von Detlef Guertler
Wenn ich den Sozialismus, vor allem den real existierenden, noch richtig erinnere, so hatte er mit Zinsen nichts am Hut. Das Geld spielte dort keine rasend wichtige Rolle (was nützt mir Geld, wenn im Laden die Regale leer sind?), und der Preis des Geldes eine noch unwichtigere. Geleveragte Spekulation und Kreditwucher waren verboten, und die Lenkungswirkung, die im Kapitalismus vom Zinssatz ausgeht, brauchte man im Ostblock schon gar nicht, weil ja alles von der Staatspartei gelenkt wurde.
Zinssozialismus müsste also eigentlich eine Politik meinen, die Zinsen auf ein volkswirtschaftlich unsinnig niedriges Niveau senkt und das Geld von seinem Allmachts-Sockel fegt. Ersteres macht Ben Bernanke, zweiteres die Occupy-Bewegung, beides zusammen könnte eventuell in obskurantistischen Zirkeln der Linkspartei gepflegt werden. Aber so hat es Rainer Brüderle sicherlich nicht gemeint, wenn er jetzt (und vor einem Jahr) behauptet, Eurobonds seien Zinssozialismus.
Faktisch handelt es sich um einen weiteren Versuch,… weiter lesen
25.05.2012 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm:
Viele Fußballer haben ein quasi-erotisches Verhältnis zum groben Unfug. Dazu gehört auch Otto Rehagel, wenn er sagt, er habe Halb-Angst gehabt…
Da muss ich wieder an den Artikel “Fürchtet euch!” denken:
In Deutschland spricht es sich leichter von der Angst als anderswo. Das liegt nicht an dem Siegeslauf des Psycho-Slangs der Betroffenheit. Den gab es in den USA eher noch stärker. Die Rede von der Angst hat in Deutschland einen sehr spezifischen Grund. Angst unterscheidet sich von Furcht. Man fürchtet etwas. Angst hat man. Die Furcht weiß, wovor sie sich fürchtet. Sie kann nach Gegenmitteln Ausschau halten. Sie kann sich rüsten. Die Angst kann das nicht. Die Angst weiß nicht, woher sie kommt. Sie weiß nicht, wie ihr zu begegnen ist. Die Angst ist das Gefühl des hilflos Ausgeliefertseins. Ein Gefühl, das Menschen wahrscheinlich überall auf der Welt immer wieder haben und hatten.
21.05.2012 von Detlef Guertler
Grexit hatten wir hier ja schon, den inzwischen sehr intensiv diskutierten Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone. Wobei es mehr und mehr danach aussieht, dass alle außer den Griechen sich das wünschen würden – und dabei übersehen, dass man die Griechen eben nicht aus der Eurozone herauswerfen will, und dabei ebenfalls unterschätzen, wie sehr sich die Griechen dagegen stemmen, den Euro aufzugeben.
Neu hingegen ist der Begriff für eine Parallelwährung, die sich die Griechen zulegen könnten, ohne aus dem Euro auszusteigen. Für den Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer wäre der passende Begriff “Geuro”, viele Kommentatoren heute reden aber lieber vom “Greuro”. Zum einen natürlich, weil es in der Wortbildung zum “Grexit” passt, zum anderen vielleicht auch, weil man im Falle eines unordentlichen Einstiegs in das Parallelwährungs-Szenario schnell einem anderen Land den Geuro zuerkennen müsste: Deutschland natürlich, bzw. dem “German Euro”.
Ich halte Greuro aus beiden Gründen für das bessere… weiter lesen
13.05.2012 von Detlef Guertler
Okay, es geht los. Nicht das mit dem Ende von Merkel und Rösler, oder vielleicht auch, aber das ist vergleichsweise nebensächlich. Europa und Euro werden uns um die Ohren fliegen, und zwar nicht irgendwann, sondern so ziemlich jetzt. Ich gehe ja ohnehin schon seit Jahresanfang davon aus, dass das Euro-Endspiel vor der Tür steht, aber heute kam Paul Krugman dazu. Schön mit “Eurodämmerung”-Überschrift und verlinktem Wagner-Video, und einer Übersicht über die nächsten Akte:
1. Griechenland steigt im Juni aus dem Euro aus.
2. Run auf Banken in Spanien und Italien, Anleger versuchen, ihre Ersparnisse nach Deutschland zu transferieren.
3. Einführung von Kapitalverkehrskontrollen und/oder EZB-Geldschwemme, um die Süd-Banken am Leben zu erhalten.
4. Deutschland übernimmt PIIGS-Verbindlichkeiten und akzeptiert deutlich höhere Inflationsraten im Inland – oder der Euro ist tot.
Ich teile zwar Krugmans Einschätzung nicht, dass Griechenland kurzfristig aus dem Euro ausscheidet (die Griechen werden ganz im… weiter lesen
13.05.2012 von Detlef Guertler
von polyphem:
Der von mir sehr geschätzte “kampfstrampler” hat bei Stefan Niggemeier in einem Kommentar zu einer Urheberrechts-Streitigkeit, die von S.N. reportiert wurde, den “Textbeuter” eingeführt. Achim Achilles, aka Hajo Schumacher hatte sich als Zweitverwerter betätigt. Der Textbeuter passt doch wunderbar in diese Zeiten.
05.05.2012 von Detlef Guertler
Ein uraltes Wort, dieser Flausch. Laut Duden. Für einen Stoff:
dicker, weicher Wollstoff mit gerauter Oberfläche
Aber so meint es die AG Flausch der Piratenpartei natürlich nicht. Eher so immateriell, wenn man ihrer eigenen Flausch-Definition folgt:
“Harmonie und yeah”
Harmonie
Liebe
Fürsorge
MITeinander arbeiten, nicht GEGENeinander
Gelassenheit
Entspannung
Das ist zwar keine Definition, schon gar keine eindeutige, und auch das mit dem Immateriellen stimmt nicht immer so ganz, wie das Bällebad auf dem Piraten-Parteitag in Neumünster zeigte, aber das irgendwie Offen-unkonkrete kennt man ja von den Piraten auch sonst. Verwendet wird das Substantiv “Flausch” bislang in erster Linie als Dankes- oder Trostwort, wie in:
Extra #Flausch an alle #Piraten die an Infoständen im Regen stehen.
beziehungsweise
lass dich nicht vom Troll ärgern! #Flausch?
In der jüngsten Zeit kommen aber verstärkt auch andere Verwendungen wie Lob oder Glückwunsch hinzu.
Irgendwo zwischen dem alten Duden und… weiter lesen
03.05.2012 von Detlef Guertler
“Wer kann mir “advisee” übersetzen?” fragt Markus Dahlem gerade. “adviser – Berater, advisee – ??” Zwei seiner Twitter-Follower fühlen sich zur Antwort berufen.
Nämlich Dierk Haasis: Derjenige, der beraten wird, der beratschlagte, Ratnehmer ..
Und Janina Wildfeuer: der Beratene, Ratsuchende
Worauf sich Haasis geschlagen gibt: Du kannst viel besser Deutsch als ich.
Was aber nun wirklich nicht nötig gewesen wäre. Denn “Ratnehmer” steht zwar nicht im Duden, ist aber eine äußerst sinnvolle Ergänzung des deutschen Wortschatzes. Denn während der “Beratene” oder der “Ratsuchende” eher ein freundschaftliches, familiäres oder sonstwie unmonetäres Verhältnis zwischen Ratendem und Beratenem suggeriert, schwingt beim “Ratnehmer” ein geschäftlicher Hintergrund mit. Der Ratnehmer zahlt den Ratgeber für dessen Beratung.
Und das wäre doch wohl tatsächlich die viel bessere Übersetzung für advisee, oder?