25.06.2012 von Detlef Guertler
Small-Talk kennen Sie: Irgendwas Belangloses vor sich her reden, um einen Kommunikationsfaden in Gang zu halten.
Wall-Talk kennen Sie vermutlich noch nicht: Irgendetwas Aktuelles mit den Ereignissen rund um den Mauerfall 1989 vergleichen, um auf große Umbrüche einzustimmen.
Die sächsische Grünen-Politikerin Antje Hermenau hat es gestern gemacht, in der Diskussion auf dem grünen Länderrat um die Zustimmung zum ESM-Rettungsschirm: “Ich habe seit einigen Monaten bei Europa Deja-Vus zu der Zeit, als die Mauer fiel”, sagte sie. Und wer Hermenau nicht für wichtig halten mag, lese bitte Wolfgang Schäubles Interview im aktuellen Spiegel zu (online nur auf englisch verfügbar):
SPIEGEL: You believe that the Germans will vote on a new constitution within the next five years?
Schäuble: A few months ago, I would have said: In five years? Never! But now I’m not so sure. Do you want to know why?
SPIEGEL: Yes, please.
Schäuble: Many in Germany said… weiter lesen
19.06.2012 von Detlef Guertler
“Buh-Frau in Los Cabos”, schreibt die Welt über Angela Merkels Rolle beim aktuellen G-20-Gipfel in Mexiko. Sie traut damit der eigenen Wortschöpfung nicht so recht, denn eigentlich müsste es natürlich Buhfrau heißen. Der Buhmann ist ja auch nicht der Buh-Mann – was ja eher derjenige wäre, der selbst Buh macht, wohingegen der zusammengeschriebene Buhmann derjenige ist, der die Buhs auf sich zieht.
So wie es Angela Merkel auch macht. Sie ist diejenige, die für den Untergang Europas und der Weltkonjunktur verantwortlich gemacht wird, die nicht versteht oder der es egal ist, dass ihre Spar-Fixierung der Welt eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren bescheren kann.
Merkel wird zwar von keinem der anderen 19 G-20-Regierungschefs unterstützt, aber doch immerhin von den tapferen Kommentatoren der WELT und der ifo-Dumpfbacke Hans-Werner Sinn*. Aus dieser Unterstütrzung resultiert auch die Wahl des Wortes “Buhfrau” – die… weiter lesen
16.06.2012 von Detlef Guertler
Korrektoren sind in der Regel unerbittlich und konsequent. Wenn es so im Duden steht, ist es so, und eben nicht anders herum:
Das Adverb womöglich steht für “vielleicht” und darf nicht mit der (getrennt geschriebenen) Wendung “wohl möglich” mit ähnlicher Bedeutung verwechselt werden
heißt es bei korrekturen.de, einer Seite, die uns Drauflosschreibern dabei helfen möchte, richtiges Deutsch zu schreiben.
“Darf nicht”!
Wird aber oft. Auf satte 954.000 Google-Treffer bringt es “wohlmöglich”, das einzig korrekte “womöglich” dagegen auf gerade mal das Doppelte, nämlich 2,16 Millionen. Sogar bis in linguistisch wertvolle Angebote wie das Sprachlog hat es das “wohlmöglich” bereits geschafft – wenn auch bislang nur im Kommentarbereich.
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht – und finde, dass die Korrektoren nicht recht haben. Ganz im Gegenteil sogar sollte “wohlmöglich” zur richtigen Form hochgestuft werden. Das würde die Sprache nämlich logischer machen.
Warum logischer? Weil nicht einzusehen… weiter lesen
10.06.2012 von Detlef Guertler
Gerade ist die Pressekonferenz des spanischen Premierministers Mariano Rajoy zum gestern beschlossenen Eurozonen-Rettungspaket für die spanischen Banken zu Ende gegangen – und wenn ich das richtig verfolgt habe, hat er kein einziges Mal das Wort “Bailout” benutzt (in einigen englischen Artikeln taucht es zwar auf, aber als eher missglückte Übersetzung für das spanische “intervencion”, also das, was Rajoy durch sein Handeln vermieden haben will).
Mit Absicht sicherlich, denn “Bailout” steht im derzeitigen Sprachgebrauch für Rettungspakete für Euro-Staaten. Drei gibt es schon, für Griechenland, Irland und Portugal, und die spanische Regierung will alles, alles, alles vermeiden, was sie in diese Gruppe einreihen könnte; es ist ja nicht der spanische Staat, der Pleite ist, es sind “nur” die spanischen Banken.
Wobei allerdings der spanische Staat das Geld gar nicht hätte, um einen Kollaps seines Bankensystems zu vermeiden, und er würde es vom Finanzmarkt auch nicht bekommen, so dass es eigentlich… weiter lesen
04.06.2012 von Detlef Guertler
“Meinten Sie Mobbing?”, fragt mich Google besorgt. Völlig zurecht: Der Blick auf die Suchergebnisse zeigt, dass die meisten, die “Mobbig” schreiben, eigentlich “Mobbing” meinen.
Ich aber nicht. Und Stephan Urbach auch nicht. Aus mir nicht bekannten Gründen ist der Referent für Wissens- und Informationsmanagement der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin derzeit nicht gerade glücklich mit seiner Partei. Und anstatt einen Antrag auf Ponytime zu stellen, oder seine Kollegen um ein paar Flauschs zu bitten, quengelt er vor sich hin. So auch auf den Kommentar des Piraten-Abgeordneten Christoph Lauer: “Ich freue mich auf das Enthüllungsbuch” hatte der getwittert. Und Urbach antwortet: “Titel: Meine Zeit bei der mobbigsten Partei der Welt.”
Also ich hatte vorher noch nie gehört, dass jemand dieses Adjektiv zu Mobbing gebildet hätte. Dabei liegt es doch wirklich nahe – und es könnten ja nicht nur Parteien, sondern… weiter lesen