30.08.2012 von Detlef Guertler
“Geht’s um unqualifizierte Statements der Doppelmoralisten?”, fragte Twitter-User “Piratenschlumpf” heute morgen, bezogen auf einen “Sex”-”Skandal” in der Düsseldorfer Provinz. Zu dem ich hier keine weiteren Details angebe – da halte ich es wie Prof. Anatol Stefanowitsch, keine Links auf die Bild.
(Anm. 1: Müsst ihr halt selber rausfinden, worum’s da geht, wenn ihr Sex-Skandale so spannend findet.)
(Anm. 2: Bitte nicht zurücksuchen, wie viele Links auf Bild in den Wortistik-Posts seit 2006 enthalten sind. Lieber draufhauen, wenn es in Zukunft passiert – ich haue gerne zurück, falls ich einen solchen Link für notwendig halte.)
Aber darum soll’s hier ja gar nicht gehen. Sondern um das Wort Doppelmoralist. Eine sehr seltene, wenn auch naheliegende Verbindung aus dem Moralisten, der mit klarer moralischer Orientierung auf die Welt sieht, und der Doppelmoral, bei der ähnliches Verhalten in unterschiedlichen Kontexten mit zweierlei Maß gemessen wird.
Aber was ist denn nun… weiter lesen
25.08.2012 von Detlef Guertler
„Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“, schreibt am 24. August der österreichische Rechtspopulist, Euro-Hasser und FPÖ-Klubobmann Hans-Christian Strache (zu dem ich hier nicht verlinken werde) auf seiner Facebook-Seite: „Österreicher als Verlierer seit der Einführung: Euro hat bis zu 35% der Einkommen gekostet.“
Das gefiel (alle Zahlen Stand 25.8.12., 11 Uhr) 1045 Personen, wurde allein auf der Strache-Seite 133mal kommentiert und von 125 anderen Facebook-Nutzern auf ihre Seite übernommen. Ein weiterer Post von Strache mit der gleichen „Wahrheit“ vom 21. August brachte es auf 791 Likes, 250 Kommentare und 424 Übernahmen. Ein weiterer am gleichen Tag („Die Realität und auch aktuelle Studien holen die rot-schwarz-grünen EU-Sektierer und EURO-Schönrede-Fanatiker ein.“): 452 Likes, 79 Kommentare, 107 Übernahmen. Ein weiterer am 20. August: 310 Likes, 69 Kommentare, 38 Übernahmen. Und die erste Meldung Straches zu dieser „Wahrheit“ („Jetzt geben uns Freiheitlichen sogar schon internationale Banken recht …“) 390 Likes, 71 Kommentare und… weiter lesen
19.08.2012 von Detlef Guertler
“Wer sonst über’s Scheisswetter schimpft, der sollte sich nicht über’s Schweisswetter beklagen”, twitterte gerade Helmut Wicht.
Inhaltlich ebenso richtig wie aussichtslos. Denn allein schon die Benennung hochsommerlicher Wetterlagen wie derzeit als “Schweißwetter” fordert geradezu dazu auf, sich zu beklagen. Was hier aber ausdrücklich nicht geschehen soll. Ich mag das nämlich. Zumindest im Schatten.
13.08.2012 von Detlef Guertler
Schon schön, was die Bänker so alles an schönen Wörter mit “risk”, also Risiko finden. Dein Schuldner zahlt nicht: Counterparty risk. Du bist knapp bei Kasse: Liquidity risk. Du stehst kurz vor der Pleite: Solvency risk. Du hast Leichen im Keller: Transparency risk. Dass die Finanzmärkte auf einen Zerfall der Eurozone spekulieren und deshalb Gelder aus dem Süden abziehen und nach Deutschland schippern, nannte EZB-Chef Mario Draghi neulich erst: Convertibility risk. Und heute haben die klugen Kollegen von FT Alphaville (besser gesagt: die kluge Kollegin Lisa Pollack) das Bundesverfassungsgericht risk entdeckt: Wenn am 12. September die Eurozone implodiert, dann deshalb, weil das Verfassungsgericht den Rettungsschirm ESM doch lieber nicht erlauben möchte.
Selbst wenn der ESM doch zugelassen werden sollte: Ein bisschen Verfassungsgerichtsrisiko kann auch danach noch bestehen bleiben. Zum Beispiel, weil der Dresdner Jurist Hans-Walter Forkel die EZB vor dem Bundesverfassungsgericht anklagen möchte –… weiter lesen
06.08.2012 von Detlef Guertler
Wie heißt das korrekte Adjektiv zu Mars?
Auf Englisch ist das einfach. Die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten ist die “martian atmosphere”, sein Himmel der “martian sky”, seine Vergangenheit, die von der eben gelandeten Curiosity-Sonde erforscht werden soll, ist die “martian past”. Das Adjektiv zu Mars heißt auf Englisch “martian”.
Aber auf Deutsch? Reden wir von der Mars-Atmosphäre, dem Mars-Himmel und der Mars-Sonde, die die Vergangenheit des Mars erkunden soll. Das Online-Wörterbuch Leo nennt auch nur “vom Mars” als Übersetzung für martian, der Duden kennt weder marsianisch noch marsisch, was ja wohl die beiden nächstliegenden Adjektive wären, die auch beide hin und wieder im Netz verwendet werden. Im Wikipedia-Eintrag zum Mars taucht derzeit immerhin zweimal marsianisch auf, marsisch kein einziges Mal.
Ich halte die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass (bei weiterhin erfolgreich laufender Mars-Mission) bis zum Jahresende das Adjektiv marsianisch sich in den deutschen Sprachgebrauch… weiter lesen
01.08.2012 von Detlef Guertler
Ein klarer Fehler im Diktat: Es heißt nicht Baybysitter, sondern Babysitter. Clemens, 11, protestiert: “Aber man spricht es doch so, als wäre da noch ein Ypsilon mehr drin.” Stimmt. Aber man schreibt es nicht so. Ist halt englisch. Andererseits: Im Englischen gibt es das Wort “Bay”, Bucht, das so gesprochen wird wie die erste Silbe von Baby. Da wäre es doch logisch, wenn man dem Baby auch noch ein Ypsilon mehr gönnen würde, oder?
Vielleicht, Clemens, hast du ja recht, und die Schreibweise von Baby passt sich eines Tages an die Sprechweise an – der Baybysitter ist möglicherweise die korrekte Schreibweise im Jahr 2035, oder so.
Aber komm bloß nicht auf den Gedanken, das jetzt immer so zu schreiben – kein Deutschlehrer wird dir dieses Argument abnehmen.