25.09.2012 von Detlef Guertler
“Was fragt man den Mann, der die Hand an der Notenpresse hat und der Europa (ver)retten kann?”
fragt aus gegebenem Anlass WELT-Finanzjournalist Daniel Eckert: Er trifft nämlich heute EZB-Chef Mario Draghi zum Interview. Anregungen für Fragen bitte nicht hier einwerfen, sondern direkt bei Eckert – hier erfreuen wir uns schlicht am wunderschönen Wörtchen verretten.
Gehen und Vergehen gibt es, Laufen und Verlaufen, Sehen und Versehen, aber eben nicht Retten und Verretten. Obwohl das genau auf diesen Euro-Rettungsfall zutreffen könnte. Mal hören, was Draghi dazu sagt.
13.09.2012 von Detlef Guertler
Bestimmt erinnern Sie sich noch an das Merkozy – jenes doppelköpfige Wesen, das nach langen Strandspaziergängen oder Krisengipfeln mit einer Stimme sprach, um sich danach wieder in Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy aufzuteilen. Mit François Hollande ist derzeit keine staatsmännische Achse zu bilden. Weder inhaltlich noch sprachlich: Merkollande ist unschön, Hollkel auch. Von Merde ganz zu schweigen.
Aber statt des deutsch-französischen Zentralmassivs ist derzeit ohnehin eine Nord-Süd-Achse angezeigt. Den treuherzigen Vorschlag aus Madrid, sich zu Merkajoy zu verbinden, hatte Angela Merkel noch als zu leichtgewichtig abgewiesen. Aber Italiens Regierungschef Mario Monti ist da schon ein anderes Kaliber. Er hat Merkel davon überzeugt, den Sparkurs etwas abzumildern und auch ihre Zustimmung zum Kauf von Staatsanleihen durch die EZB gesichert – dabei aber immer versucht, eine für ganz Europa passende Lösung zu finden. Wenn es derzeit überhaupt eine funktionierende Achse gibt, die das Erbe Merkozys antreten kann, dann ist es Monkel.… weiter lesen
12.09.2012 von Detlef Guertler
Der ist ja nun wirklich das eigentliche Problem unserer Zeit.
Ob in der Mundlos-Interpretation der Titanic, ob als Youporn-Entlarvung im Berlinbewohner-Blog: Frei nach Erich Fried muss der Lechzextremismus eigentlich genauso gefährlich sein wie Rechts- und Links- und Rinxextremismus, oder?
12.09.2012 von Detlef Guertler
Wir warten aufs, nein, natürlich nicht aufs Christkind. Aufs Bundesverfassungsgericht, das in wenigen Stunden sein Urteil zur Verfassungsmäßigkeit des Euro-Rettungsschirms ESM verkünden wird.
Und um die Wartezeit etwas zu verkürzen, hier ein Hinweis von Wortistik-Leser Thorsten Ebeling auf ein Neuwort im ZEIT-Beitrag zu eben jenem Thema – ganz am Ende dieses ziemlichen Riemens versteckt:
Alle Akteure handeln in Grenzbereichen, im Übergang vom Nationalstaat zum europäischen Bundesstaat. Und sie handeln unter dem Diktat des Merkelschen Dreisatzes, wenn Griechenland aus dem Euro ausscheide, scheitere der Euro, und wenn der Euro scheitere, scheitere Europa.
So wie eine Lawine aus einem Schneeball entstehen kann und immer breiter wird, größer, mitreißender, bis sie irgendwann unaufhaltsam ins Tal donnert, so ist auch die Politik der Euro-Rettung aus kleinen Anfängen entstanden, mit bescheidenen Rettungssummen, die immer gigantischer wurden, die immer höhere Einsätze erforderten, bis es schließlich kein Halten mehr gab. Unklar ist nur, ob… weiter lesen
10.09.2012 von Detlef Guertler
Wenn Linguisten und Kapitalisten ins Kabbeln kommen, sollte man eigentlich besser aus der Schusslinie gehen. Aber nein, schlau wie ich bin musste ich mich ja schlichtend einmischen, als Anatol Stefanowitsch und Thomas Thelen bei Twitter darüber in Streit gerieten, ob und was einen an der Existenz des Wortes “Starinvestor” traurig stimmen kann.
Ich bin dann ja auch kurz danach und ohne bleibende Verletzungen wieder in Deckung gegangen – war aber immerhin lang genug involviert, um zumindest eine sprachliche Alternative zum anglizistischen Großinvestor bekommen zu haben: Anlegerheld eben. Was für George Soros, um den es in diesem Zusammenhang ging, auch sicherlich hervorragend passt. Danke, Prof. Stefanowitsch.
03.09.2012 von Detlef Guertler
Auch gestern Precht gesehen? Im ZDF, im Gespräch mit Gerald Hüther, in der Nachfolge von Reich-Ranicki und Sloterdijk? Decken wir über die Nachfolge-Frage gnädig den Mantel des Schweigens, und halten wir zum neuen Sende-Format nur kurz fest, dass die geradezu dramatische Licht- und Kameraführung zu einem Streit hervorragend passen würden, zu einer Debatte ganz leidlich, zu einer Plauderei hingegen gar nicht. Bleiben wir lieber bei jenem einen Wort, das Hirnforscher Hüther ins Gerede brachte: Potenzialentfaltungscoach. Was ein anderes, passenderes Wort für “Lehrer” sei, weil es bei den lieben (selbstverständlich grundsätzlich hochbegabten) Kleinen ja eigentlich nicht mehr darum gehe, ihnen Wissen einzutrichtern, sondern ihre Potenziale zu erkennen und zur Entfaltung zu bringen.
Passenderweise ist Hüther auch gerade dabei, so steht es geschrieben, einen Masterlehrgang Potenzialentfaltungscoach zu entwickeln, der im kommenden Jahr an den Start gehen soll. Ist es nicht toll, dass uns die Hirnforscher jetzt endlich sagen… weiter lesen