Archive for Oktober, 2012

31.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

groebelhaft

von Detlef Guertler

Nein, ich habe keine Ahnung, was sich Stefan Niggemeier gedacht hat, als er dem Sprachnörgler und Wutökonom Walter Krämer einen “groebelhaften Aufstieg in den Medien” bescheinigte. Eine Mischung aus grob und fabelhaft? Ein deutschdeutsch klingen sollendes Neuwort? Ein schlichter Schreibfehler? Oder vielleicht gar ein bewusst eingebautes Neuwort, um mir die Möglichkeit zu geben, unter diesem Vorwand auf Niggemeiers neuerliche Abrechnung mit Krämer zu verlinken?

Ach, egal: Hauptsache eine neuerliche Abrechnung mit Krämer, der sich in diesem Jahr vom etwas sonderlichen Faktenverdreher zum gefährlichen Populisten transformte. Könnten nicht vielleicht mal ein paar der Plagiatsjäger damit anfangen, nicht immer nur unwissenschaftliches Verhalten BEI einer Doktorarbeit zu entdecken, sondern sich auch mal mit unwissenschaftlichem Verhalten NACH einer Lehrstuhlberufung beschäftigen?

30.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Altenschutzbehörde

von Detlef Guertler

“Darfst du Mama überhaupt alleine lassen?”, fragt Clemens, 11, als ich ihn von seiner nachmittäglichen AG abhole. “Pass auf, dass das keiner der Altenschutzbehörde meldet.”

Gibt’s doch gar nicht, will ich ihm sagen. Aber dann denke ich noch mal drüber nach: So wie die Bevölkerung gerade altert, kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es als staatliche Aufgabe gilt, die Vernachlässigung und/oder Verwahrlosung von Alten zu verhindern. So wie seit diesem Jahr Pädagogen verpflichtet sind es zu melden, wenn sie bei ihnen anvertrauten Kindern Anzeichen von Vernachlässigung bemerken, (worauf dann Jugendschutz und/oder Jugendamt einschreiten) so kann es dann Pflicht werden, solche Anzeichen bei alten Menschen zu melden.

Also hat Clemens möglicherweise ein Wort erfunden, für das es erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten einen Bedarf gibt. Also sage ich ihm nicht “Gibt’s doch gar nicht”, sondern natürlich “Erzähl bloß Mama nicht, dass sie ein Fall für die… weiter lesen

26.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Wörtergrube

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:

(von Armin Veh)
Veh: Sebastian hat nicht geflirtet, sondern erzählt, dass er in BVB-Bettwäsche geschlafen hat. Und wenn das so war, kann er es doch sagen. Ebenso, dass ihm das Interesse vonseiten der Dortmunder schmeichelt. Man muss doch aus seinem Herzen keine Wörtergrube machen.

Mein Vorschlag: Dieser Blog ist auch eine Wörtergrube :)

26.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Frankenstorm

von Detlef Guertler

Hurrikans und Monsterstürme gehen ja üblicherweise unter ihrem Namen in die Geschichte ein. Lothar, Katrina, Hugo, Andrew und wie sie alle heißen. Jetzt ist wieder mal so einer unterwegs, und während die Jamaikaner und Kubaner ihn brav bei seinem sehr niedlichen Namen “Sandy” nennen, braten sich die Amis mal wieder eine Extrawurst:
FRANKENSTORM: The Mother Of All Snowicanes Is Barreling Toward New York City
heißt es bei Business Insider, und

Forecasters warn East Coast about ‘Frankenstorm’ next week; damage could top $1 billion

bei Foxnews, und
Sandy to become “Frankenstorm” and ravage New England

meldet CNN. Die es, anders als die in der Regel deutlich unseriöseren Foxnews, sogar fertig bringen, den Hurrikan Sandy, der bislang bereits mehr als 20 Menschen das Leben kostete, als “Wolf im Schafspelz” zu bezeichnen.

Frankenstorm also: in Anlehnung an Frankenstein natürlich, und wegen der Nähe zu Halloween, und weil es sich… weiter lesen

25.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Grauenmachen

von Detlef Guertler

“Statt Kontinent liest man viel öfter inkontinent. Statt Grenzen liest man nur von grenzenlosem Scheißen. Der Sog ist schon stark. Sie entkommen dem Grauenmachen nicht.”

Wir wissen ja nicht, was Peter Handke so liest, dass er im großen (na ja: eher langen) Interview mit dem SZ-Magazin so etwas behauptet. Wir wollen es aber auch gar nicht wirklich wissen – zum grenzenlosen Scheißen hat für unseren Geschmack schon Tex Rubinowitz alles Nötige gesagt.

Und ehrlich gesagt wäre auch das Handke’sche Neuwort “Grauenmachen” nicht unbedingt einen Eintrag wert, handelt es sich doch um eine reichlich scheußliche und ziemlich unnütze Wortschöpfung. Aber das gibt uns die Möglichkeit, auf eine andere Behauptung aus dem Handke-Interview kurz einzugehen:

“Einknicken, sich hinauslehnen, verschnarcht: Die scheußlichsten Wörter der Bundesrepublik kommen von Journalisten.”

Nein, wir regen uns gar nicht auf. Wir analysieren das ganz sachlich, Satzteil für Satzteil:

Die scheußlichsten Wörter: Das Subjekt… weiter lesen

20.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Romnesie

von Detlef Guertler

“No jokes with names” ist eine ziemlich eherne Grundregel der politischen Kommunikation. Ehern, weil es schlicht der Anstand gebietet, dem Gegner nicht etwas vorzuwerfen, wofür er nichts kann – niemand hat sich seinen Vornamen selbst ausgesucht, und beim Nachnamen gibt es auch nur bei Hochzeiten eine sehr begrenzte Wahlmöglichkeit. Und ziemlich ehern, weil es doch immer wieder in den Fingern juckt: Das Spiel mit Worten ist nun mal Teil des journalistischen und des politischen Handwerks. So gibt es in der Tat einige wenige gelungene Beispiele: Herbert Wehners Beschimpung des CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als “Übelkrähe” gehört dazu, genauso wie “Siggy Pop” für Sigmar Gabriel, den (damaligen) Pop-Beauftragten der SPD. Einige sind Geschmackssache, wie beispielsweise die Doppelnamenwitze, die Leutheusser-Schnarrenberger, Däubler-Gmelin, Adam-Schwaetzer oder Schäfer-Gümbel über sich ergehen lassen mussten, aber die meisten schlicht peinlich, wie “Schwesterwelle” oder “Tricksilanti”.

Und in welche Kategorie gehört nun die “Romnesie”, die Barack Husseinweiter lesen

16.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Restschreibschwäche

von Detlef Guertler

Google weiß wieder mal alles besser. Es fragt nicht einmal “Meinten Sie Rechtschreibschwäche”? Sondern es bringt mir unaufgefordert die Sucheinträge zu Rechtschreibschwäche, und es bringt mir die Anzeigen zu Rechtschreibschwäche, und es lässt sogar seine Autovervollständigung die “Rechtschreibschwäche” einblenden, während ich “Restschreibschwäche” schreibe. Immerhin gibt es mir noch die Möglichkeit, auf den Link mit Suchergebnissen zu Restschreibschwäche zu klicken – und bringt mir dann zwar ganz unten die Meldung, keine Suchergebnisse für Restschreibschwäche gefunden zu haben, aber ganz oben immer noch “Meinten Sie Rechtschreibschwäche” und darunter die Anzeigen zu Rechtschreibschwäche.

Nein, liebe Suchmaschinen (Bing und Yahoo zeigen mir ihre Treffer zu “rest + Schreibschwäche”), das meinte ich nicht. Ich meinte wirklich die Restschreibschwäche, die heute morgen von Dierk Haasis erfunden wurde: “Morgendliche Restschreibschwäche” tweetete er, und auch wenn es das Wort bislang noch nicht gab, den Zustand kenne ich sehr genau. Eigentlich ist das Manuskript, der Vortrag, das… weiter lesen

14.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

Checkcheck

von Detlef Guertler

Früher, als die Information noch nicht mit Lichtgeschwindigkeit floss, hieß der “Faktencheck” noch “Dokumentation”, und wurde vor der Veröffentlichung von Texten bzw. Beiträgen von speziell dafür ausgebildeten Personen durchgeführt. Wer einmal in den Genuss gekommen ist, mit einem Artikel von Dokumentaren des Stern oder Spiegel in die Mangel genommen zu werden, weiß was ich meine. Leser konnten sich deshalb, nun ja, fast zumindest, darauf verlassen, dass das auch stimmt, was sie zu lesen bekommen.

Dann wurden die Zeiten schneller und schneller, die Medien mehrer und mehrer, und Hoaxe und Bügelbretter verbreiteten sich in Blitzeseile durchs Netz und in die Köpfe. Weshalb der Faktencheck erfunden wurde (und in Deutschland zumindest von “Hart aber Fair” popularisiert), mit dem jedes beliebige gesprochene oder geschriebene Wort auf seinen Wahrheitsgehalt untersucht werden kann. Gerade in Wahlkämpfen eine äußerst segensreiche Einrichtung: Schon während der Kandidaten-Diskussionen Obama/Romney oder Merkel/Steinbrück kann man… weiter lesen

10.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

rascherchieren

von Detlef Guertler

Wenn jemand “16 neue Wörter” ankündigt, muss ich ja geradezu hinlesen. Zudem ist “Das Magazin”, auf dessen Webseite die Ankündigung steht, eines der zurecht angeseheneren Medien der Schweiz (obwohl ich mir das deutsche “Das Magazin” lieber ansehe).

Über den Text mit den 16 neuen Wörtern und über den zugehörigen Autor möchte ich dann nach Lektüre doch lieber den Mantel des Schweigens breiten. Es möge reichen, dass ich beim Lesen erstmals in meinem Leben den Wunsch hatte, jetzt doch lieber einen Text von Sprachnörgler Bastian Sick gelesen zu haben.

Allerdings ist mir ja bekanntlich für die Bereicherung der deutschen Sprache keine Mühe zu groß. Deshalb möchte ich den einen der 16 Vorschläge denn doch nicht verschweigen, dem ich zumindest ein gewisses Potenzial zuspreche, in den deutschen Sprachschatz einzugehen:

rascherchieren (Verb) – rasch googeln statt richtig recherchieren: Die meisten Studenten waren mit ihrer Aufgabeweiter lesen

08.10.2012 von Detlef Guertler
blogavatar

debattierwert

von Detlef Guertler

Wenn man anderen einen Text zum Lesen empfehlen will, sagt man, er sei lesenswert.

Und wenn man anderen einen Text zum Streiten, Debattieren, sich damit Auseinandersetzen empfehlen will?

Es gibt da Worte wie “diskussionswürdig” oder “debattierbar”. In ihnen steckt allerdings für mein Gefühl eine deutliche Distanzierung von der damit beschriebenen Aussage, These oder Aktion. Ein typisches Beispiel hier in der höflich verpackten Kritik eines deutsch-türkischen SPD-Politikers am Umgang mit dem Papstbesuch im Bundestag:

“Auch wenn der Papst nicht für Fortschritt und Offenheit steht, ist es trotzdem nicht unbedeutend, dass der Pontifex im Bundestag spricht. Ob man deshalb die ganze Plenarwoche verschieben musste, bleibt diskussionswürdig.”

Diese Sorte Diskussionswürdigkeit meine ich allerdings nicht, wenn ich den jüngsten Blogbeitrag von Christopher Lauer, Enfant Terrible der Piratenpartei, zum Streiten, Debattieren und sich damit Auseinandersetzen empfehle. In dem ganzen Wust aus Meinungsfetzen und Befindlichkeitssoße, die uns die Vortanzenden dieser Partei zumuten, wirkt weiter lesen